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Nach dem Duschen eincremen: Gerade im Winter ist das wichtig. Denn bei Kälte bildet die Haut kaum noch Talg, sie ist daher empfindlicher und damit anfälliger für Infektionen. 

Pflege im Winter

Trockene und raue Haut? Das können Sie tun

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An den Beinen juckt es, die Lippen sind spröde und rissig: Der Winter ist eine harte Zeit für die Haut. Wie kann man seine Haut am besten vor dem Austrocknen schützen? Hier finden Sie die besten Tipps.

Die Haut ist unser größtes Organ und auch sehr empfindlich. Im Winter leiden viele plötzlich unter einer extrem trockenen Haut.

„Wegen trockener Haut kommen jetzt im Winter etwa doppelt so viele Patienten wie sonst zu uns in die Klinik“, sagt Privatdozent Dr. Gerd Gauglitz. Mit dem Experten haben wir über das Thema, die richtige Hautpflege im Winter gesprochen.

Viele Menschen haben im Winter trockene Haut. Woran liegt das?

Dr. Gerd Gauglitz: Im Winter kommt es aufgrund der meist niedrigen Temperaturen zu einer verminderten Talgproduktion. Talg sorgt normalerweise für eine gewisse Rückfettung der Haut. Da sich mit zunehmendem Alter die Talgproduktion generell reduziert, leiden zu dieser Jahreszeit besonders ältere Personen an trockener Haut. Steuert man dann nicht gegen, trocknet die Haut immer weiter aus. Sie erscheint schuppig, rau, matt und glanzlos; sie beginnt zu jucken und wird auf Dauer empfindlicher gegen äußere Einflüsse. Diesem Problem begegnen wir im Winter täglich. Viele Patienten suchen uns aus diesem Grund auf.

Warum ist trockene Haut so ein Problem?

Die Haut dient uns als Schutz gegen Umwelteinflüsse. Ist die Hautbarriere aber gestört, wie beispielsweise bei längerfristig trockener Haut, kann die Haut diesen Schutzmantel nicht mehr aufrechterhalten. Sie bietet dann vermehrt Eintrittspforten, etwa für Bakterien oder auch Pilze, die normalerweise harmlos wären. 

Lesen Sie auch: Zu häufiges Duschen schadet der Haut.

Keime haben dann also leichtes Spiel. Welche Folgen kann das haben?

Meist kommt es zunächst zu einer äußerlich kaum sichtbaren Irritation der Haut. Aufgrund eines Spannungsgefühls und Juckreiz fangen wir an – oft unterbewusst – zu scheuern und zu kratzen. Infolge davon helfen wir den Keimen, tiefer in die Haut einzudringen, es kommt zu Entzündungen, eventuell sogar oberflächlichen kleinen Infektionen, die den Juckreiz weiter verstärken. So setzt sich ein Teufelskreis in Gang.

Wann sollte man zum Hautarzt gehen?

Lieber früher als später. Häufig reichen am Anfang Tipps für eine entsprechende Pflege aus. Eventuell kann auch der Gang in die Apotheke schon hilfreich sein. Da ist die Beratung in den meisten Fällen deutlich fundierter als im Drogeriemarkt. Wenn allerdings bereits starker Juckreiz besteht oder sogar kleine offene Wunden auftreten, sollte man in jedem Fall einen Hautarzt aufsuchen.

Was hilft bei einem Trockenheitsekzem?

In den meisten Fällen ist neben einer konsequenten rückfettenden Pflege mit geeigneten Produkten eine kortisonhaltige Creme oder Salbe sinnvoll und notwendig, um die Entzündung der Haut möglichst schnell zu durchbrechen und den Juckreiz zu lindern. Wichtig hierbei ist, dass Kortison in der richtigen Konzentration und Dosierung über einen begrenzten Zeitraum meist keinerlei Nebenwirkungen hat. Zusätzlich kann eine desinfizierende Waschlotion und eventuell ein juckreizstillendes Antihistaminikum weiterhelfen, den Teufelskreis zu durchbrechen.

Noch besser, wenn es nicht so weit kommt. Wie kann man vorbeugen?

Ich empfehle meinen Patienten immer, sich insbesondere im Winter nach dem Duschen mit einer Feuchtigkeitslotion am gesamten Körper einschließlich der Fußsohlen einzucremen. Im Gesicht machen das die meisten, am restlichen Körper wird das aber besonders von Männern immer wieder gerne vergessen.

Worauf sollte man bei der Wahl des richtigen Produkts achten?

Entscheidend ist zum einen, dass es als angenehm empfunden wird, das heißt: nicht zu reichhaltig ist oder – beispielsweise aufgrund einer zu hohen Konzentration von Harnstoff – sogar irritierend wirkt. Außerdem sollte man bei bekannten Allergien auf Duftstoffe oder Konservierungsstoffe darauf achten, dass entsprechende Reizstoffe im Produkt nicht enthalten sind.

Und wie findet man das heraus?

Eigentlich recht einfach: Probieren Sie einfach aus, wie Sie das jeweilige Produkt empfinden. In der Apotheke erhält man häufig höherwertige Produkte und eine entsprechende Beratung, oft sogar auch kleine Proben zum Ausprobieren. Alternativ lassen Sie sich einfach beim nächsten Hautarztbesuch beraten! Entscheidend ist: Eine für Sie gut verträgliche Körperlotion muss nicht teuer sein.

Braucht man viele verschiedene Cremes?

Von Hals bis zu den Füßen reicht aus meiner Sicht bei den meisten eine Bodylotion aus. Gehen Sie mit dem Rest der Creme zum Schluss über die Fußsohlen und cremen Sie sich auch zwischen den Zehen ein. Die Hornhaut an den Füßen wird gerade im Alter spröder und kann durch kleine, kaum sichtbare Verletzungen zu einer Eintrittspforte für Infektionen werden; hier ist eine konsequente Pflege ebenfalls wichtig. Für das Gesicht empfiehlt sich eine extra Gesichtspflege. Da gibt es inzwischen, je nach Hauttyp, viele Produkte auf dem Markt. Auch hier heißt teuer nicht immer gleich gut.

Trockene Haut im Winter? Tipps zur Pflege finden Sie auch hier.

Was hilft wirklich?

Die überzeugendsten Studien gibt es inzwischen zu niedermolekularen Hyaluronsäuren, Vitamin C sowie Vitamin-A-Säure und ihren Abkömmlingen. Hyaluronsäuren binden Wasser und führen neben Feuchtigkeit zu einem leicht aufpolsternden Effekt. Vitamin C und Vitamin A – in Kosmetika vor allem der Abkömmling Retinol – gehören zu den bestuntersuchten Antioxidantien und Anti-Aging-Wirkstoffen. Im Gesicht ist Sonnenschutz weiterhin von großer Bedeutung – auch im Winter, gerade beim Skifahren. Die Schneekristalle reflektieren die Sonnenstrahlen und auf einer gewissen Höhe kann die UV-Strahlung dadurch deutlich stärker sein als bei der Kälte angenommen.

Sollte man im Winter andere Cremes verwenden als im Sommer?

Das lässt sich schwer verallgemeinern. Generell ist es aber so, dass man im Winter häufig reichhaltigere Produkte benötigen wird. Aufpassen sollte man bei Cremes mit hohem Feuchtigkeitsanteil. Ist es richtig kalt, kann es damit zu leichten Erfrierungen im Bereich der Oberhaut kommen. Und was manche gern vergessen: Auch die Lippen brauchen im Winter mehr Pflege.

Warum gerade die Lippen?

In diesem Areal haben wir keine Talgdrüsen. Wenn sie nicht richtig gefettet werden, kann gerade im Winter bei trockener Heizungsluft schnell ein sogenanntes Lippenleck-Ekzem entstehen. Um die Lippen anzufeuchten, leckt man unbewusst mit der Zunge immer wieder über die Lippen. Dadurch trocknen diese weiter aus. Beim Rückfetten kommen viele Patienten mit freiverkäuflichen Lippenstiften zurecht. Wer damit Probleme hat, sollte aber zeitig zum Arzt gehen. Denn wenn ein solches Ekzem Wochen oder Monate besteht, ist auch die Behandlung deutlich langwieriger.

Was muss man bei der Hautreinigung beachten?

Wenn Sie reichlich Make-up verwenden, ist eine abendliche, gründliche Abreinigung des Gesichts sinnvoll. Für Patienten, die zu Akne neigen, gibt es heute eine große Anzahl an verschiedenen Reinigungsschaums und -gelen. Bei stärkerer Ausprägung der Akne sollten diese aber in Kombination mit entspechenden Pflegeprodukten und eventuell sogar verschreibungspflichtigen Cremes in Rücksprache mit dem betreuenden Hautarzt ausgewählt werden. Manche dieser Reinigungsprodukte enthalten Alkohol, welcher die Haut zusätzlich austrocknen kann.

Abgesehen von Patienten mit trockener Haut. Wer muss noch auf sorgfältige Hautpflege achten?

Diabetiker. Bei ihnen ist das lokale Immunsystem häufig geschwächt. Darum können Keime – und davon haben wir gerade an den Füßen deutlich mehr – durch winzige Einrisse in der Haut leichter eindringen. Ist der Blutzucker nicht richtig eingestellt, kann das zu einer verminderten Schmerzempfindlichkeit bzw. Sensibilität im Bereich der Füße führen. Betroffene bemerken kleine Einrisse oder Wunden dann oft lange nicht. Überlange oder scharfkantige Nägel stellen ein weiteres Verletzungsrisiko dar. Bei Diabetikern oder aber auch bei älteren Menschen ist daher eine professionelle Fußpflege eine sinnvolle Investition.

„Wegen trockener Haut kommen jetzt im Winter etwa doppelt so viele Patienten wie sonst zu uns in die Klinik“, sagt Experte Privatdozent Dr. Gerd Gauglitz. Er ist Leiter der Abteilung für Ästhetische Dermatologie am Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität München und zudem in der Hautarztpraxis München-Neuhausen tätig.


Raue Hände? Lieber richtig eincremen 

Das Interview führte: Andrea Eppner

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