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Pflegegeld gibt es nur für Patienten, die zu Hause gepflegt werden.

Wichtige Tipps

Ihre Rechte als pflegende Angehörige

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München - Viele pflegende Angehörige wissen vor lauter Arbeit nicht mehr, wo ihnen der Kopf steht. Damit Ihnen das nicht passiert, hat die tz Ihre Rechte als pflegende Angehörige zusammengestellt.

Pflegezeit: Arbeitnehmer müssen im akuten Fall bis zu zehn Tage von der Arbeit freigestellt werden. In Betrieben mit mehr als 15 Arbeitnehmern haben sie einen Anspruch auf bis zu sechs Monate Pflegezeit – allerdings ohne Lohnausgleich. Der Versicherungsschutz in der Sozialversicherung besteht weiter.

Wichtige Anlaufstellen: Pflegekassen, Krankenkassen und das Sozialamt geben Auskunft. Beim Versorgungsamt erfahren pflegende Angehörige, ob der Pflegebedürftige Anspruch auf einen Schwerbehindertenausweis hat.

Leistungen in den Pflegestufen: Der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK) vergibt nach einer Begutachtung des Patienten Pflegestufen.

Ein Patient der Pflegestufe I gilt als „erheblich pflegebedürftig“ und benötigt mindestens einmal täglich Hilfe bei Körperpflege, Ernährung oder Mobilität. In Stufe II ist er „schwer pflegebedürftig“ und braucht mindestens dreimal täglich zu verschiedenen Tageszeiten Hilfe. Bei Stufe III spricht man von „schwerst pflegebedürftigen“ Menschen, die rund um die Uhr, auch nachts, der Hilfe bedürfen.

In Pflegestufe I gibt es 235 Euro Geldleistung. Dieses Pflegegeld bekommt der Patient direkt und kann es etwa an pflegende Angehörige weitergeben. Kommt ein Pflegedienst ins Haus, zahlt die Kasse kein Pflegegeld, sondern 450 Euro sogenannte Sachleistung.

In Pflegestufe II beträgt die Geldleistung 440 Euro, die Sachleistung 1100 Euro. In Pflegestufe III gibt es 700 Euro Geldleistung oder 1550 Euro Sachleistung.

Mehr Geld für Demenzkranke: Die Pflegereform bringt künftig mehr Geld für altersverwirrte Menschen. Von 2013 an bekommen alle Dementen, auch wenn sie keine Pflegestufe haben, erstmals zwischen 100 und 200 Euro im Monat, wenn sie eine sogenannte eingeschränkte Alltagskompetenz aufweisen. Auch beim Pflegegeld, das die Patienten an pflegende Angehörige weitergeben können, bessert sich die Situation der Dementen. Es beträgt ab 1. Januar 2013 monatlich 120 Euro ohne Pflegestufe, 305 Euro in Pflegestufe I (plus 70 Euro), 525 Euro in Pflegestufe II (plus 85 Euro) und 700 Euro in Stufe III (unverändert).

Sachleistungen gibt es für Demente, wenn ein Pflegedienst ins Haus kommt. Sie betragen künftig im Monat 225 Euro (ohne Pflegestufe), 665 Euro (Stufe I), 1250 Euro (Stufe II) und 1550 Euro (Stufe III).

Betreuungsangebote: Die Pflegekasse übernimmt bis zu 200 Euro der Kosten für Betreuung, wenn – etwa wegen Alzheimer – ein besonderer Betreuungsbedarf besteht. Man kann wählen zwischen Gruppenangeboten oder stundenweiser Betreuung zu Hause. Welche Angebote dabei finanziert werden, wissen die Pflegestützpunkte und die Pflegekasse

Recht auf Erholungstage: Angehörigen stehen pro Jahr 28 Tage zur Erholung zu – die sogenannte Verhinderungspflege. In dieser Zeit kann eine hauptamtliche Pflegekraft die Betreuung übernehmen, ab Januar 2013 zahlt die Pflegekasse hierfür 1550 Euro pro Jahr (40 Euro mehr als bisher). Der Anspruch besteht bei einer bescheinigten Pflegestufe und häuslicher Pflege von mindestens sechs Monaten. Dieser „Urlaub“ kann auch gestückelt genommen werden – allerdings ist der Anspruch nicht ins nächste Jahr übertragbar.

Kurzzeitpflege: Heuer und 2013 übernimmt die Pflegekasse darüber hinaus 1510 Euro pro Jahr für Kurzzeitpflege. Hier wird der Pflegebedürftige ebenfalls bis zu 28 Tage pro Jahr tage- oder stundenweise in einer Senioreneinrichtung betreut. Allerdings müssen Angehörige in jedem Fall selbst etwas zuzahlen.

Pflegeberatung: Angehörige haben einen Anspruch auf intensive Beratung durch die Pflegekasse, zudem gibt es viele kommunale Beratungsstellen. Viele Infos gibt es auch beim Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK), der Pflegebörse München und in den Alten- und Servicezentren.

Unfall- und Versicherungsschutz: Die Pflegeversicherung bietet Schutz gegen Unfälle an, die im Rahmen der pflegerischen und hauswirtschaftlichen Tätigkeiten passieren. Bei der Agentur für Arbeit können sich pflegende Angehörige freiwillig für wenig Geld gegen Arbeitslosigkeit versichern und sich Ansprüche sichern. Sinnvollisteszudem, beiderPflegekasse des Patienten einen Antrag auf gesetzlicheRentenversicherungzu stellen. Die Höhe der Beiträge richtet sich nach der Pflegestufe.

Teilzeit: Außerdem dürfen Beschäftigte, die einen Angehörigen pflegen, für die Dauer von zwei Jahren ihre Arbeitszeit auf bis zu 15 Wochenstunden reduzieren. DerArbeitgeber ist aber nicht verpflichtet, diese Familienpflege zu genehmigen.

Steuer: Aufwendungen, die der pflegenden Person entstehen und sogenannte haushaltsnahe Dienstleistungen, können abgesetzt werden.

SUSANNE SASSE

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