1. Startseite
  2. Leben
  3. Gesundheit

Pflegepersonal protestiert: Wir arbeiten uns krank

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Vanessa Fonth

Kommentare

OP-Schwestern und -Pfleger arbeiten oft länger – auf Kosten der eigenen Gesundheit. Das ist langfristig ein Problem, nicht nur für die Pflegekräfte, sondern auch für die Patienten, warnt der Berufsverband.

Rund 200 Leute sitzen am Donnerstag im Tagungsraum 5 der Messe München beim Auftakt der zweitägigen Fortbildungstage für Pflegeberufe im OP-Dienst. Krankenschwestern und Pfleger aus ganz Deutschland sind zu der Tagung angereist. Viele sehen müde und abgespannt aus. Kein Wunder, denn in kaum einem anderen Beruf sind die Arbeitsbedingungen so hart wie in der Pflege.

Das kann so nicht weiter gehen, sagt Dr. Marliese Biederbeck, Geschäftsführerin des Deutschen Berufsverbands der Pflegeberufe (DBfK) Bayern. „Was die Patientenversorgung angeht, ist Deutschland Schlusslicht. Eine Pflegefachperson muss im Schnitt bis zu 14 Personen gleichzeitig versorgen“, sagt sie. Zum Vergleich: In Finnland sind es sieben Patienten pro Schwester.

Immer mehr Aufgaben und weniger Stellen – das führt zwangsläufig zu Überstunden und Krankheitsausfällen. Die Folgen: Sowohl die Patienten als auch das Pflegepersonal bleiben auf der Strecke. „Wer sich heute nicht um seine Mitarbeiter kümmert, hat morgen große Probleme, überhaupt noch Pflegepersonal zu finden, und wird Operationen absagen und Betten schließen müssen“, warnt Biederbeck. Die Pflege habe sich in den letzten 20 Jahren verändert, die Zahl der Pflegenden aber nicht – das will der Berufsverband ändern und fordert verbindliche Personalbemessungsinstrumente, die sich am tatsächlichen Aufwand orientieren sollen. 

Umfrage: Wie hart ist der Alltag als Pflegekraft?

null
Anton Forster (56), Krankenpfleger © Westermann

„Bei mir fängt der Dienst um 7 Uhr an. Wir planen die Operationen und versorgen 50 OP‘s mit sterile Instrumenten. Gegen 19 Uhr ist Feierabend. Ich komme jeden Tag mindestens zwei Stunden drüber. Das ist schon belastend, aber schließlich muss die Patientenversorgung gewährleistet werden. Ich würde mir mehr Anerkennung wünschen, denn ohne uns läuft keine OP.“

null
Petra Tophoren (49), OP-Schwester © Westermann

Ich arbeite drei Tage die Woche in einer kleinen OP-Abteilung. Vor zehn Jahren hat mir der Job körperlich nichts ausgemacht, mittlerweile merke ich es schon. Wir haben einfach zu wenig Personal für schwere Patienten. Manchmal muss ich am Tag bis zu vier 120-Kilo-Patienten für ihre Hüft-OP‘s auf die Seite drehen, das ist eineinhalb mal so anstrengend, Abgerechnet wird aber pro Patient und nicht nach Aufwand.

null
Annika Müller (29), OP-Schwester © Westermann

Ich bin seit zehn Jahren OP-Schwester und arbeite jede Woche mindestens drei Stunden mehr. Oft muss ich nach einem langen Tag im OP Abends ran und die Instrumente sauber machen, weil wir nicht genug sterile Sätze haben. Ich würde gerne mehr Sport machen, wenn ich aus der Arbeit komme, bin ich aber einfach zu kaputt. Es gibt Tage, da gibt es keine einzige Pause.

Auch interessant

Kommentare