Pharmaverband klagt über Regeln für neue Arzneimittel

Berlin/München - Die Pharmaindustrie sieht in den Regeln zur Nutzenbewertung neuer Arzneimittel eine Innovationsbremse. Die Krankenkassen loben die preisdämpfende Wirkung.

Die forschenden Pharmaunternehmen beklagen, dass neue Arzneimittel immer schwerer Zugang zum Markt finden. Zugleich verwiesen sie am Dienstag darauf, dass die Arzneimittelkosten über die vergangenen fünf Jahre weitestgehend stabil geblieben seien. Die langanhaltende Ausgabenstabilität sei das Ergebnis des durch den Gesetzgeber verordneten „Einfrierens“ der Preise sowie der erhöhten Zwangsrabatte, monierte vfa-Hauptgeschäftsführerin Birgit Fischer bei der Vorstellung der Studie „Arzneimittelatlas 2014“.

Das sogenannte Arzneimittelmarkt-Neuordnungsgesetz (AMNOG) erweise sich als „Innovationsbremse“ zulasten der Patienten. „Das Pendel schlägt einseitig zugunsten von Einsparungen aus und hinterlässt Versorgungsdefizite“, argumentierte Fischer. Die Gesetzliche Krankenversicherung (GKV) spare durch die rückläufigen Preise 500 Millionen Euro.

Die Ausgaben der GKV für Arzneimittel stiegen den vfa-Angaben zufolge im vergangenen Jahr um 3,1 Prozent auf 30,09 Milliarden Euro. Nach einem Rückgang im Jahr 2011 und einem geringen Anstieg 2012 lagen die Arzneimittelausgaben diesen Angaben zufolge leicht unter dem Niveau des Jahres 2010 mit 30,18 Milliarden Euro. Die Rabatte der Hersteller betrugen 2013 demnach 5,67 Milliarden Euro. Das seien 749 Millionen Euro oder 15,2 Prozent mehr gewesen als 2012.

Die Barmer GEK widersprach der Darstellung, AMNOG sei eine Innovationsbremse. 60 Prozent der auf diesem Weg geprüften Medikamente seien angenommen worden. Es sei gut, wenn man über die Frage des Zusatznutzens „die Spreu vom Weizen trennt“, hieß es bei der Barmer GEK.

Die Krankenkassen verzeichnen eine deutliche Zunahme der Ausgaben für Heil- und Hilfsmittel. Im ersten Halbjahr 2014 seien die Aufwendungen für Heilmittel, etwa bei körperlichen Problemen (Physiotherapie) oder sprachlichen (Logopädie), um 7,1 Prozent gestiegen. Bei den Hilfsmitteln, zu denen Rollstühle, Krankenbetten oder Hörgeräte zählen, nahmen die Ausgaben um 9,5 Prozent zu, wie die Barmer GEK in ihrem Heil- und Hilfsmittelreport 2014 mitteilte.

Bei den Hörgeräten sei der Anstieg besonders hoch. In den ersten sechs Monaten des Jahres hätten die Kassen 59 Prozent mehr ausgegeben als im Vergleichszeitraum 2013. Damit seien sie maßgeblich für den Kostenanstieg bei den Hilfsmitteln verantwortlich. Grundsätzlich sei in einer älter werdenden Gesellschaft damit zu rechnen, dass der Bedarf an Heil- und Hilfsmitteln zunehme. Deshalb müssten Preis- und Mengenentwicklung im Auge behalten werden, hieß es.

Der stellvertretende Vorsitzende der Barmer GEK, Rolf-Ulrich Schlenker, verlangte zudem strengere Zulassungsregeln für Medizinprodukte (MeMNOG). Es gebe kein zentrales Zulassungsverfahren und auch keine Nutzenprüfung wie bei Arzneimitteln (AMNOG) üblich.

Das Bundesgesundheitsministerium verwies vor kurzem darauf, dass die Ausgaben für Arzneimittel nach drei Jahren mit moderaten Zuwächsen wieder deutlich stiegen. In den ersten sechs Monaten 2014 legten sie um 8,9 Prozent zu. Ohne dämpfende Regelungen wäre der Anstieg noch deutlicher gewesen, so das Ministerium.

Zudem warnte Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) die Arzneimittelindustrie, ihre Marktmacht zulasten der Versicherten zu missbrauchen. Der starke Anstieg der Arzneimittelausgaben im ersten Halbjahr geht zu einem großen Teil auf ein sehr teures, aber anerkannt wirksames Medikament gegen Hepatitis C zurück.

Die Bundesapothekerkammer warnte vor einer Zunahme gefälschter Arzneimittel. Immer längere Vertriebswege erhöhten bei importierten Medikamenten die Gefahr, dass illegal hergestellte Mittel auf den Markt gelangten. Vor Beginn des Deutschen Apothekertags in München forderte die Kammer, die Förderung von Importen aufzuheben, ebenso die Verpflichtung der Apotheker, Importe abzugeben.

dpa

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