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Orthese statt Gips: Viele Leser nutzten die Gelegenheit, sich über moderne Hightech-Schienen zu informieren.

Mit Physio und High-Tech schnell wieder auf die Beine

Das gerissene Kreuzband ist geflickt, der Meniskusriss genäht oder die lockere Sehne im Sprunggelenk wieder fest fixiert: Für den Chirurgen ist die Arbeit damit getan.

Für Patienten fängt sie nach der Operation aber erst so richtig an. Denn einfach die Beine hochlegen, sich schonen und warten, bis es heilt: „Das funktioniert nicht“, erklärte Stefan Geiselbrechtinger den fast 200 Lesern, die am Mittwochabend ins Münchner Pressehaus gekommen waren.

Der Physiker und Geschäftsführer der oberbayerischen Medizintechnik-Firma OPED war einer der Experten auf dem Podium der Merkur-Sprechstunde. Denn an diesem Abend sollte es nicht nur darum gehen, wie Chirurgen bei einer Verletzung an Knie und Knöchel helfen können. Selbst der beste Operateur kann eine gute Reha nicht ersetzen. Und manchmal macht sie einen chirurgischen Eingriff sogar überflüssig.

Doch auch nach einer Operation beginnt man heute schon früh mit der Reha. Der Grund: „Wenn man längere Zeit entlastet, baut der Körper ab“, erklärte Prof. Thomas Wessinghage, ärztlicher Direktor der Medicalpark-Rehakliniken in Bad Wiessee. Dem einen oder anderen Besucher dürfte der gertenschlanke 62-Jährige auf der Merkur-Bühne allerdings von anderswoher bekannt vorgekommen sein. Denn vor seiner Karriere als Mediziner war Wessinghage Profisportler. Sein größter Erfolg: der Europameistertitel im 5000-Meter-Lauf im Jahr 1982.

Heute macht Wessinghage auch andere fit. Worauf es dabei ankommt, erklärte er auch den Besuchern im Pressehaus. Sie erfuhren etwa, dass es nicht eine richtige Reha gibt, die jedem hilft. Auch Patienten mit der gleichen Art der Verletzung erhalten in den Kliniken am Tegernsee oft recht unterschiedliche Therapiepläne. Viele Faktoren, wie etwa das Alter, aber auch die persönlichen Ziele, spielen dabei eine Rolle. „Nicht jeder Patient ist ein Leistungssportler“, sagte Wessinghage. Der eine ist zufrieden, wieder im Garten arbeiten zu können, der andere will wieder golfen oder Skifahren.

Für alle gilt: Nur durch Bewegung kommen sie schnell wieder auf die Beine. Damit das genähte Band dabei nicht erneut reißt und die Platten und Schrauben, die den gebrochenen Knochen zusammenhalten, am richtigen Ort bleiben, gibt es heute moderne Hightech-Schienen, wie sie etwa OPED herstellt: Wie ein Gips geben solche Orthesen die nötige Stabilität, erlauben aber bereits erste Bewegungen. Je nach Einsatzbereich sehen sie mal aus wie ein zu groß geratener Skischuh oder umgeben das verletzte Knie als stabile Schiene, die nur bestimmte Bewegungen zulässt. Darf der Patient das Gelenk nur ein Stück weit abbiegen, lässt sich selbst das an der Orthese einstellen.

Zum Duschen und für die Krankengymnastik kann man die Schienen im Gegensatz zu einem Gips zudem einfach abnehmen. „Die Orthese schafft somit die Grundlage, damit der Physiotherapeut überhaupt arbeiten kann“, sagte Geiselbrechtinger.

Der Erfolg gibt ihm recht: Waren viele Patienten anfangs skeptisch, sieht man heute sogar oft Promis und Leistungssportler damit humpeln. Vor ein paar Monaten zum Beispiel Fußballprofi Thiago Alcántara vom FC Bayern. Oder kürzlich die schwedische Kronprinzessin Victoria, die sich bei einem Skiunfall am Bein verletzt hatte. „Wir haben den Vorteil, dass unsere Produkte sichtbar sind“, scherzte Geiselbrechtinger. „Der Operateur muss seine Arbeit dagegen verstecken.“

Doch eine Orthese bringt nur dann Vorteile, wenn sie richtig genutzt wird. „Von alleine wirkt sie nicht“, warnte Geiselbrechtinger. Die Reha läuft dabei in mehreren Phasen ab, erklärte Wessinghage. Zunächst bewegt sich der Patient nur passiv: Der Physiotherapeut hält das verletzte Bein und bewegt es. Dann folgen bald Übungen, bei denen mehr aktiver Einsatz gefragt ist. Auch beim Laufen auf Krücken dürfen Patienten ihr Bein nach und nach wieder ein wenig belasten. Wie stark, das können sie in der Tegernseer Klinik mit Hilfe spezieller Druckmessplatten lernen. „So bekommen sie ein Gefühl dafür“, erklärte Wessinghage.

In der Reha wird aber nicht nur die Muskelkraft trainiert. Die Patienten müssen auch die richtigen Bewegungsabläufe wieder lernen. Auch Koordination, Ausdauer und Schnelligkeit werden trainiert. Ein Urlaub ist die Zeit in der Rehaklinik nicht: „Viele Patienten machen dort viel mehr Sport, als sie vermutlich zu Hause je gemacht haben“, sagte Wessinhage – und hofft, dass viele auch daheim ein aktiveres Leben führen werden.

Zumal der Weg zurück in einen normalen Alltag mit der Entlassung aus der Klinik nicht vorbei ist. „Für eine vollständige Rehabilitation ist die Zeit zu kurz“, sagte Wessinghage. Jeder Patient bekomme daher einen Trainingsplan mit heim, viele Übungen hat er in der Klinik gelernt. „Im Sport heißt es: Der beste Trainer macht sich selbst überflüssig“, sagte Wessinghabe. „Der beste Rehatherapeut aber auch.“

Andrea Eppner

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