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Das schluckt Deutschland...so viel kostet es die Krankenkassen

Das schluckt Deutschland

München - Etwa 40 Prozent der Frauen und 29 Prozent aller Männer schlucken täglich oder fast täglich ein Medikament. Lesen Sie hier die wichtigsten Fakten über den Medikamentenverbrauch in Deutschland.

Besonders gut erfasst sind die Rezepte im Rahmen der Gesetzlichen Krankenversicherung.

Den größten Ausgabenrückgang mit 171 Mio Euro gab es im Jahr 2010 bei den Impfstoffen. Die Versicherten ließen sich einfach weniger impfen.

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Häufige Irrtümer rund um Medikamente

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Und da dort fast 90 Prozent der Bevölkerung versichert sind, geben diese Daten einen guten Überblick über den gesamten Medikamentenverbrauch. Wir haben den Arzneimittel- Atlas 2011 und den von der AOK erstellten Arzneiverordnungs-Report ausgewertet und die interessantesten Fakten daraus zusammengestellt. Jeder Versicherte hat statistisch gesehen im Jahr 2010 etwas mehr als sieben Pillenpackungen im Wert von fast 362 Euro verschrieben bekommen. Insgesamt mussten die Krankenkassen 30,2 Milliarden Euro für Medikamente ausgeben.

Diese Arzneimittel werden am häufigsten verschrieben

 

Arzneimittelgruppe Hilft bei Verordnete Tagesdosen Geschätzte Betroffene
Mittel fürs Renin- Angiotensin-System (C09) Bluthochdruck, Verbrauch hat sich seit 1996 verdoppelt 7221 Mio. 24,6 Mio.
Mittel bei säurebedingten Erkrankungen (A02) z. B. gastroösophageale Refluxerkrankung, Ulzera des Magens 2386 Mio. 6,72 Mio.
Beta-Adrenorezeptor- Antagonisten (C07) Betablocker zur Blutdrucksenkung oder z. B. koronare Herzkrankheit 2255 Mio. 24,6 Mio.
Antidiabetika (A10) Diabetes, Insulin wird gepritzt oder die Bildung angeregt 2059 Mio. 4,89 Mio.
Calciumkanalblocker (C08) Angina Pectoris, Hypertonie, Herzrhythmusstörungen 1961 Mio. 24,6 Mio.
Diuretika (C03) Bluthochdruck, erhöht die Harnproduktion der Niere 1956 Mio. 24,6 Mio.
Lipidsenkende Mittel (C10) Senkung von Blutfetten, also des Cholesterinspiegels 1647 Mio. 4 – 8 Mio.
Schilddrüsentherapie (H03) z. B. bei Unterfunktion der Schilddrüse 1498 Mio. circa 10 Mio.
Psychoanaleptika (N06) Depression, Demenz, ADHS, Schmerztherapie 1359 Mio. keine Angaben
Antithrombotische Mittel (B01) Vermeidung und Behandlung von Blutgerinnseln 1294 Mio. 3,55 – 5 Mio.
  • Laut Gesetz sind Arzneimittel Stoffe oder Zubereitungen von Stoffen, die als Mittel zurHeilung oder Verhütung von Krankheiten, für ärztliche Diagnose sowie zur Erkennung, Besserung oder Beeinflussung von Körperfunktionen eingesetzt werden.
  • Im Jahr 2010 wurden 791 Millionen Rezepte von 140 303 Vertragsärzten ausgestellt.
  • Bei den unter 45-Jährigen dominieren Medikamente gegen Erkältungskrankheiten, sowie Schmerz-, Kreislauf- und Magen- Darm-Mittel. Bei den über 45-Jährigen verschreiben die Ärzte überwiegend Medikamente gegen kardiovaskuläre Erkrankungen, rheumatische Erkrankungen und Stoffwechselstörungen.
  • Der Medikamentenverbrauch wird von den Statistikern in definierten Tagesdosen erfasst, das ist die Menge, die ein Patient pro Tag bei der jeweiligen Indikation nehmen sollte.
  • Erwartungsgemäß steigt mit dem Lebensalter der Medikamentenverbrauch. Wurden im Jahr 2005 den 20- bis 24-Jährigen durch.
  • Auf die gesetzlich Versicherten, die älter als 60 sind, entfallen deutlich mehr als die Hälfte der Ausgaben für Medikamente, sie stellen aber nur 26,8 Prozent der Versicherten.
  • Frauen schlucken mehr Pillen als Männer. Im Jahr 2008 wurden jeder Frau durschnittlich 490 Tagesdosen verordnet, den Männern hingegen nur 431. Allerdings haben sich die Unterschiede zwischen den Geschlechtern in den letzten Jahren verringert. Der Hauptgrund für den Geschlechterunterschied ist, dass Frauen deutlich häufiger zumArzt gehen und Vorsorgeangebote stärker in Anspruch nehmen als Männer. Betrachtet man die Medikamente nach den Kosten, die sie verursachen, ergibt sich ein anderes Bild: Männer erhalten die teureren Arzneimittel. Ihre Tagesdosis kostet statistisch gesehen 7,2 Prozent mehr.
  • 71 Prozent der verschriebenen Arzneimittel sind Generika- Produkte, bei denen der Patentschutz ausgelaufen ist und die daher von vielen Firmen hergestellt werden dürfen, sodass es hier möglich war, die Kosten zu senken. Dagegen sind die patentgeschützten Arzneimittel weiterhin ein stetig steigender Kostenfaktor. Mittlerweile machen sie schon 48 Prozent des Arzneimittelumsatzes aus. Gesundheitsökonomen beklagen, dass in Deutschland verkaufte Produkte oft deutlich teurer sind als im Ausland. So kostet z. B. das umsatzstärkste patentgeschützte Medikament Humira (zur Therapie von rheumatoider Arthritis), ausreichend für zwölf Wochen, in Deutschland 5227,96 Euro, und ist damit fast doppelt so teuer wie in Großbritannien.
  • Zwar entfallen rund 80 Prozent aller Arzneimittelausgaben auf rezeptpflichtige Medikamente, dennoch nimmt die Selbstmedikation großen Raum ein. Über 40 Prozent der Medikamente werden in Apotheken ohne vorherigen Arztbesuch gekauft. Häufigster Grund sind die erhöhten Zuzahlungen für Arzneimittel, die Praxisgebühr und Wartezeiten beim Arzt. Viele Menschen beraten sich lieber mit dem Apotheker, mit welchem Wirkstoff sie ihre Leiden lindern können.

SUS

Die umsatzstärksten Medikamente

 

Die umsatzstärksten Medikamente Die umsatzstärksten Medikamente Euro

Anzahl der Rezepte

Mittel fürs Renin-Angiotensin- System (z. B. bei Hypertonie)

2120,7 51,4 Mio.
Immunsuppressiva (z.B. Rheuma) 1895,6 38,6 Mio.
Antidiabetika (z.B. Diabetes) 1873,8 30,2 Mio.
Mittel bei obstruktiven Atemwegserkrankungen (Asthma) 1719,0 25,4 Mio.
Psycholeptika bei psychischen Erkrankungen 1349,9 24,7 Mio.

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