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Mit der Ankündigung, Prämien auszuschütten, bringt die Techniker Krankenkasse die Konkurrenz gewaltig unter Druck. Die Überschüsse im Gesundheitswesen summieren sich derzeit auf knapp 22 Milliarden Euro.

Prämie: Lohnt sich der Kassenwechsel?

Als erste große Krankenkasse will die Techniker Krankenkasse Prämien an ihre sechs Millionen Versicherten auszahlen. Ob sich ein Kassenwechsel lohnt und welche Fristen zu beachten sind, zeigt unser Überblick.

Knapp 22 Milliarden Euro haben Krankenkassen und Gesundheitsfonds derzeit auf der hohen Kante. Die Techniker Krankenkasse (TK) zieht jetzt Konsequenzen und kündigt die Ausschüttung von Prämien an. Unklar ist allerdings, wann und in welcher Höhe die Versicherten entlastet werden. Möglich ist auch, dass die Ausschüttung erst Anfang 2014 erfolgt. Die Prämie soll zwischen 60 und 120 Euro liegen. Kostenlos mitversicherte Kinder sind von der Rückerstattung ausgenommen. Über die Details entscheidet der TK-Verwaltungsrat am 12. Oktober. Hier die wichtigsten Fragen und Antworten:

Sollte man wegen der Prämie wechseln?

Mit der Ankündigung, Prämien auszuschütten, will die Techniker Krankenkasse natürlich neue Mitglieder gewinnen. Experten rechnen mit einer gewaltigen Wanderungsbewegung. Mit 8,2 Millionen Versicherten (inklusive mitversicherte Angehörige) ist die TK nach der Barmer GEK schon heute die zweitgrößte Krankenkasse. Susanne Mauersberg, Gesundheitsexpertin beim Bundesverband der Verbraucherzentralen, rät aber von einem Wechsel aus rein finanziellen Gründen ab. „Entscheidend ist das Gesamtangebot der Krankenkasse“, sagt Mauersberg. Gerade für chronisch Kranke sei wichtig, ob bestimmte Zusatzleistungen freiwillig gezahlt werden. Wer mit seiner Versicherung zufrieden ist, sollte sich daher nicht durch eine einmalige Prämie locken lassen. Einen guten Überblick über das Leistungsangebot der Krankenkassen bietet regelmäßig Stiftung Warentest.

Welche Fristen muss man einhalten?

Grundsätzlich gilt beim Wechsel der Krankenkasse eine zweimonatige Kündigungsfrist zum Monatsende. Das heißt: Wer im September seine Versicherung kündigt, kann frühestens zum 1. Dezember bei der Techniker Krankenkasse aufgenommen werden.

Allerdings gibt es einige rechtliche Einschränkungen: Vor einem Wechsel muss der Versicherte mindestens 18 Monate bei seiner bisherigen Krankenkasse Mitglied gewesen sein. Für Versicherte, die einen Wahltarif zur Beitragsrückerstattung gewählt haben, gilt eine Bindungsfrist von mindestens einem Jahr. Versicherte mit einem Selbstbehalttarif oder einem Wahltarif Krankengeld dürfen sogar erst nach drei Jahren zu einer anderen Krankenkasse wechseln.

Verlangt die Kasse erstmals einen Zusatzbeitrag oder erhöht die Extra-Gebühren, gelten Sonderkündigungsfristen. Ein Beispiel: Die ABC-Kasse fordert von ihren Mitgliedern erstmals zum 15. Oktober einen Zusatzbeitrag. Bis zur erstmaligen Fälligkeit gilt das Sonderkündigungsrecht. Wer also bis zum 14. Oktober kündigt, kann zum 1. Januar 2013 wechseln. Ein Zusatzbeitrag wird nicht fällig.

Wie funktioniert der Wechsel konkret?

Wer wechseln will, muss bei seiner alten Krankenkasse kündigen. Am besten sollte die Kündigung schriftlich per Einschreiben mit Rückschein erfolgen. Die alte Krankenkasse ist verpflichtet, innerhalb von zwei Wochen dem Mitglied eine Kündigungsbestätigung auszustellen. Mit dieser Bestätigung wird bei der neuen Kasse die Mitgliedschaft beantragt. Die neue Mitgliedschaft legt man bei der alten Kasse vor. Erst damit wird die Kündigung wirksam. Zuletzt sollte noch der Arbeitgeber über den Kassenwechsel informiert werden.

Muss die Prämie versteuert werden?

Ja, allerdings ist die Prämie nicht direkt steuerpflichtig. Sie mindert vielmehr den Sonderausgabenabzug. Was heißt das? Seit 2010 können Krankenkassenbeiträge stärker als Sonderausgabe von der Steuer abgesetzt werden. Zahlt die Kasse Prämien aus, verringert sich der Krankenkassenbeitrag, der von der Steuer abgesetzt werden kann, um den entsprechenden Betrag. Da die Versicherungen die Daten elektronisch an das Finanzamt melden, sei schummeln nicht möglich, sagt Vera Jackowski, Vize-Sprecherin beim Bayerischen Landesamt für Steuern. Allein aufgrund von einer Prämienausschüttung müsse auch niemand eine Steuererklärung abgeben, so Jackowski.

Wie wird die Prämie ausgezahlt?

Die Krankenkassen können die Prämie ihren Mitgliedern überweisen. Dazu müssen sie allerdings erst einmal die Bankverbindung abfragen. Alternativ ist die Versendung von Schecks möglich. Beides bedeutet für die Krankenkasse jedoch einen erheblichen bürokratischen Aufwand.

Wie reagieren die anderen Kassen?

Die Ankündigung der TK, Prämien auszuschütten, stößt bei der Konkurrenz eher auf Ablehnung. Die meisten Kassen können sich eine Entlastung der Mitglieder trotz Milliarden-Überschüsse im Gesundheitswesen nicht leisten. So sind die Reserven sehr unterschiedlich verteilt. Während die Techniker Krankenkasse mehr als drei Milliarden Euro an Rücklagen angehäuft hat, verzeichnen andere Versicherungen nur magere Gewinne. Manch Kassen-Chef will wohl auch erst einmal abwarten, welche Zusatzausgaben allein in diesem Jahr etwa durch höhere Ärztehonorare auf die Versicherungen zukommt.

Die Barmer GEK lehnt Prämien für die Versicherten vorerst ab. „Wir setzen auf solide Finanzen“, sagt Stefani Meyer-Maricevic, Sprecherin der Barmer GEK in Bayern. Umfragen hätten gezeigt, dass die Mehrheit der Versicherten Beitragsstabilität statt Prämien bevorzuge. Ähnlich äußert sich auch die DAK: „Die Versorgung der Versicherten ist wichtiger als eine kurzfristige Prämienausschüttung“, sagt Ramona Linter, DAK-Sprecherin in Bayern. Linter verweist zugleich auf die Abschaffung der Zusatzbeiträge Anfang April. Damit seien bereits 350 Millionen Euro an die DAK-Versicherten ausgeschüttet worden.

Bayerns TK-Chef Christian Bredl verteidigt die Ankündigung: „Mit einer Prämienausschüttung sind keine Leistungskürzungen oder Einschränkungen der finanziellen Solidität verbunden.“

Von Steffen Habit

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