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High-Tech-Schlauch mit Kamera an der Spitze: An einem Stand ließen sich die Besucher die modernen Instrumente erklären.

Merkur-Sprechstunde

Prostata-Operation: Hobeln, verdampfen, liften

Neue Methoden machen aus der Prostata-Operation einen sicheren Eingriff ohne großen Schnitt und mit geringem Blutverlust.

Die feine Schlinge leuchtet auf, dann frisst sie sich in das bräunliche Gewebe. Der elektrische Strom, der sie durchfließt, macht sie zu einem hochpräzisen Messer. Es schneidet kleine Gewebestücke aus der Prostata, wie dünne Späne. „Man spricht daher auch oft vom Hobeln“, erklärte Dr. Alexander Roosen von der Urologischen Klinik in Großhadern. In einem OP-Video zeigte er dem Publikum der Merkur-Sprechstunde, was der Chirurg beim Eingriff sieht. Denn neue Methoden kommen ohne großen Schnitt aus. Ins Innere des Körpers blickt der Arzt mit Hilfe einer winzigen Kamera.

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Diese sitzt an der Spitze eines biegsamen Schlauchs. Wie fein und präzise die OP-Instrumente heute sind, das konnten sich die Besucher vorab an einem Infostand anschauen. Mit großem Interesse ließen sich viele die modernen Endoskope vorführen. Mit solchen gelangt der Chirurg durch die Harnröhre zur Prostata, die diese unterhalb der Blase umschließt. Dann wird eine Elektroschlinge eingeführt. Bei jedem Schnitt verödet der Strom gleichzeitig die verletzten Gefäße. „Es blutet nur noch wenig“, sagte Roosen. So gut wie kein Patient brauche mehr eine Blutkonserve.

Die Schlingen-Methode bezeichnen Experten als TURP. „Sie ist heute der Klassiker“, sagte Roosen. Die Abkürzung steht für Transurethrale Resektion der Prostata, der Entfernung der Vorsteherdrüse durch die Harnröhre also. Die abgehobelten Gewebespäne landen zunächst in der Blase und werden dann ausgespült.

Früher gab es dabei allerdings eine Gefahr: die Spülflüssigkeit. Gelangte zu viel davon in den Blutkreislauf, kam es zu Komplikationen. „Manche Patienten mussten sogar auf die Intensivstation“, sagte Roosen. Heute hat man das im Griff. Andere Komplikationen sind zwar selten, können aber auftreten: So kommt es manchmal vorübergehend zu Impotenz, der Samenerguss gelangt manchmal nicht mehr direkt nach außen, sondern geht nach hinten in die Blase. In seltenen Fällen kann sich nach der OP die Harnröhre verengen. Manche Patienten müssen danach zudem häufig öfter auf die Toilette. „Der Schließmuskel hatte jahrelang nichts zu tun“, sagte Roosen. Die vergrößerte Prostata hielt die Harnröhre dicht. Oft helfe dann Beckenbodengymnastik.

Der Fortschritt der Medizintechnik ermöglicht zudem neue Verfahren, die alle in Großhadern angeboten werden. Etwa für Patienten, die blutverdünnende Mittel einnehmen müssen. „Unter Aspirin sind heute alle Eingriffe möglich“, sagte Roosen. Wer noch andere Mittel nimmt, für den ist etwa der Green-Light-Laser geeignet. Die Energie des grünen Laserlichts sammelt sich im gut durchbluteten Prostata-Gewebe, das dabei regelrecht verdampft wird. Roosen zeigt auch hierzu ein Video. Stück für Stück löst sich das Gewebe quasi auf. Blut ist dabei nicht zu sehen. Ein kleiner Nachteil: „Es bleiben faserartige Strukturen zurück“, sagte Roosen. Das kann dazu führen, dass die Patienten eine Zeitlang öfter zur Toilette müssen.

Das Gewebe verdampfen kann man aber auch mit elektrischem Strom. Statt der Schlinge führt der Chirurg bei der Elektro-Vaporisation ein Instrument ein, an dessen Spitze ein pilzförmiges Köpfchen sitzt. Fließt Strom hindurch, schmilzt das Gewebe. „Wie Butter in der Sonne“, sagte Roosen. Ein Nachteil: Es wird weniger Gewebe entfernt als mit der Elektro-Schlinge.

Laser statt Messer

Weitaus mehr Gewebe lässt sich dagegen mit einer neuen Methode entfernen, die Roosen am Klinikum Großhadern etabliert hat. Auch bei der HoLEP (Holmium-Laser-Enukleation der Prostata) kommt ein Laser zum Einsatz. Anders als beim Green-Light-Laser funktioniert er wie ein Messer. Mit seiner Hilfe lässt sich das Drüsengewebe von der Prostatakapsel abschälen. „Hier verläuft eine Schicht Bindegewebe“, sagte Roosen. Das abgetrennte Gewebe wird erstmal in der Blase gesammelt. Am Ende wird es zerkleinert und ausgeschwemmt.

Kommt eine größere OP nicht infrage, kann das Urolift-Verfahren helfen, das sich sogar ambulant durchführen lässt. Ebenfalls über die Harnröhre werden mehrere Fäden eingesetzt, die die Prostata straffen. Jeder wird mit zwei Klammern befestigt. Eine sitzt außen an der Drüsenkapsel, die andere in der Harnröhre. Die Fäden werden gespannt – die Harnröhre so auseinandergezogen. Das Wasserlassen ist dann wieder möglich, eine Inkontinenz aber nicht zu befürchten.

Sonja Gibis

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