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PSA: Fluch & Segen

Prostatakrebs: Welcher Test ist sinnvoll?

München - Hochgelobt und tief gefallen - der PSA-Wert hat den klassischen Absturz eines Hoffnungsträgers hinter sich, der überzogene Erwartungen nicht erfüllen konnte. In den letzten Jahren wird der PSA-Wert durchaus kontrovers diskutiert.

Ein hoher Wert des prostataspezifischen Antigens (PSA) im Blut bedeutet nicht automatisch Prostatakrebs. Ein niedriger Wert heißt hingegen nicht immer, dass der Mann keinen Tumor hat. Die gesetzlichen Krankenkassen bezahlen den Test nicht unbedingt, obwohl neuere Studien durchaus zeigen, dass er Männern nutzen kann. Die Münchner Urologin Yvonne Kammerer möchte mit den nicht begründeten Vorurteilen aufräumen: „Wenn man den PSA-Wert richtig interpretiert, kann man damit Tumore früher erkennen und besser behandeln.“ Übrigens: Auch Abwarten ist eine anerkannte Therapie.

Warum ist der PSA-Wert so umstritten?

Dr. Yvonne Kammerer: Ich verstehe die Verunsicherung meiner Patienten. Sie müssen den Test oft privat bezahlen, weil die gesetzlichen Krankenkassen nur bei begründetem Krebsverdacht den Test akzeptieren. Allerdings beruht diese Entscheidung auf einer alten Studienlage, die methodische Fehler aufweist. Mittlerweile gibt es neue Daten einer großen europäischen Studie (ERSPC), die deutlich den Nutzen des PSA-Tests zeigen. Hier konnte die Rate der Patienten, die am Prostatakrebs versterben, durch die PSA-Bestimmung um 50 Prozent gesenkt werden! Eine PSA-basierte Vorsorgeuntersuchung ermöglicht eine um circa sechs Jahre frühere Diagnose des Prostatakrebses. Dadurch wird die Rate der Tumore, die in einem heilbaren Stadium festgestellt werden, deutlich verbessert. Wichtig ist zu wissen, dass es sich beim PSA-Wert nicht um einen reinen Tumormarker, sondern um einen Organmarker handelt, der auch bei Veränderungen der Prostata wie einer Entzündung oder gutartige Vergrößerung erhöht sein kann. Gerade deshalb ist die Einschätzung des PSA-Wertes durch den erfahrenen Urologen unerlässlich. Wenn sich herausstellt, dass die Prostata „nur“ entzündet ist, mit Symptomen wie z.B. häufiger Harndrang, Brennen beim Wasserlassen und Harnstrahlabschwächung, sollte dies ebenfalls durch den Urologen behandelt werden.

Viele Männer haben Angst vor unnötigen Untersuchungen!

Dr. Yvonne Kammerer: Das kann ich natürlich verstehen. Aber aus der Sicht eines Betroffenen, der bereits bei Diagnosestellung Metastasen aufweist, hätte eine PSA-gestützte Früherkennung sein Leben retten können.

Wird durch die Vorsorgeuntersuchung jedoch ein Prostatakrebs ausgeschlossen, hat der Patient Gewissheit gesund zu sein. Die oft als unangenehm empfundene Untersuchung der Prostata kann heutzutage schonend und schmerzfrei erfolgen. Bei einer PSA-Erhöhung sollte man nach Ausschluss einer Prostatavergrößerung oder -entzündung den Wert im Verlauf nochmals prüfen.

Falls ein Krebsverdacht weiterhin bestehen bleibt, ist eine Biopsie der Prostata empfohlen. Auch diese kann nach einer gründlichen Betäubung der Prostata nahezu schmerzfrei durchgeführt werden.

Kritiker bemängeln jedoch viele Überdiagnosen, da der Tumor oft gar nicht aggressiv verläuft und wenn er nicht entdeckt worden wäre, den Männern eine Übertherapie erspart geblieben wäre. 

Die Urologin Yvonne Kammerer im Gespräch mit einem Patienten, viele Männer fragen, "ob der Test gut ist".

Dr. Yvonne Kammerer: Es stimmt, jede Krebsdiagnose bedeutet einen Schock. Prostatakrebs ist aber die häufigste Krebserkrankung und die dritthäufigste Krebstodesursache beim Mann. Gerade mit zunehmendem Lebensalter steigt die Wahrscheinlichkeit am Prostatakrebs zu erkranken deutlich an. Bei Patienten mit schweren Begleiterkrankungen oder in hohem Lebensalter muss berücksichtigt werden, dass sie mit dem Tumor, aber nicht durch ihn sterben werden. Nach einer Gewebeentnahme aus der Prostata werden durch den Pathologen zum einen die Aggressivität des Tumors (Einteilung nach Gleason-Grad) als auch die Tumorausdehnung beurteilt. Darauf baut der Urologe seine Therapieempfehlung auf.

Neben der klassischen Möglichkeit der Operation oder der Bestrahlung gibt es auch die Therapie der Active Surveillance, der aktiven Überwachung. Früher wurde oft zu schnell operiert. Wenn ein als nicht aggressiv eingestufter Tumor keine Symptome macht, gibt es keinen Anlass, gleich schwere Geschütze aufzufahren. Im Rahmen der „aktiven Überwachung“ müssen der PSA-Wert alle drei Monate und die Prostatastanzbiopsie alle ein bis drei Jahre durchgeführt werden. Verändert sich der Krebs, kann der Arzt sofort eingreifen. Das erspart dem Patienten die Risiken und Nebenwirkungen von invasiven Maßnahmen (Operation) ohne die Heilungschancen zu beeinträchtigen.

Welchen Männern empfehlen Sie den PSA-Test?

Dr. Yvonne Kammerer: Den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Urologie (DGU) folgend, empfehle ich die individuelle Früherkennungsuntersuchung von Prostatakrebs mittels PSA-Test nach einer Beratung allen Männern ab 45 Jahre mit einer Lebenserwartung von mehr als zehn Jahren.

Bei einer familiären Vorbelastung zum Beispiel, wenn enge Verwandte im Laufe ihres Lebens an einem Prostatakrebs erkrankt sind, schon ab dem 40. Lebensjahr. In meiner Praxis mache ich immer wieder die Erfahrung, dass sich Männer bewusst gegen die PSA-Bestimmung entscheiden. Dies akzeptiere ich selbstverständlich auch. Selbst wenn ich voll hinter dem PSA-Wert stehe.

Interview: S. Stockmann 

So häufig ist Prostatakrebs

Laut Robert-Koch-Institut erkrankten 2010 in Deutschland 65800 Männer neu an einem Prostatakarzinom. Der Krebs der Vorsteherdrüse ist die häufigste bösartige Tumorart und die dritthäufigste Krebstodesursache bei Männern in Deutschland.

Das bedeuten die PSA-Werte

Ein PSA-Wert unter 4 ng/ml (Nanogramm pro Milliliter): Dieses Ergebnis gilt als weitgehend unauffällig. Steigt der Wert jedoch binnen kurzer Zeit auch innerhalb dieses Normwertes plötzlich an, ist auch das verdächtig und sollte weiter untersucht werden. Ein PSA-Wert über 4 ng/ml: Bei solchen Werten sollte die Ursache abgeklärt werden. Ab Werten von 10 ng/ml erhöht sich die Wahrscheinlichkeit stark, dass es sich um Krebs handeln könnte.

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