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Psychische Krankheiten wie Depressionen oder Angststörungen haben sich nach Angaben der DRV in den vergangenen zehn Jahren zum Hauptgrund für das unfreiwillige vorzeitige Ausscheiden aus dem Berufsleben entwickelt.

Frauen besonders häufig betroffen

Psychische Erkrankungen: Immer mehr Frührentner

Berlin - Immer mehr Arbeitnehmer gehen aufgrund von psychischen Erkrankungen in Frührente. Frauen sind davon besonders häufig betroffen. Die Ursache für diese Entwicklung ist bekannt.

Psychische Erkrankungen treiben in Deutschland immer mehr Arbeitnehmer in die Frührente. Vier von zehn Beschäftigten, die vorzeitig aus dem Erwerbsleben ausscheiden, sind psychisch krank, wie nach einem Bericht der „Welt am Sonntag“ aus noch nicht veröffentlichten Statistiken der Deutschen Rentenversicherung (DRV) hervorgeht. Der DGB macht für die Entwicklung eine stetig zunehmende Belastung am Arbeitsplatz verantwortlich. Arbeitgeberverbände wiesen die Statistik dagegen als irreführend zurück. Es gebe nicht mehr psychische Erkrankungen als früher, lediglich mehr Diagnosen.

Im Jahr 2011 machten rund 41 Prozent der Arbeitnehmer, die eine Erwerbsminderungsrente beantragten, Depressionen, Angstzustände oder andere psychische Erkrankungen geltend, wie die Zeitung unter Berufung auf die DRV-Daten schreibt. Im Jahr 2000 hatte dieser Anteil bei 24 Prozent gelegen; bis 2010 war er auf 39 Prozent gestiegen.

Psychische Erkrankungen sind überdies laut der Statistik der Rentenversicherung der häufigste Grund für ein unfreiwilliges vorzeitiges Ausscheiden aus dem Beruf, vor Herz-Kreislauf- oder Krebserkrankungen. Gegenüber 2008 sei die Zahl der Arbeitnehmer, die wegen psychischer Erkrankungen in Rente gingen, von 57.400 auf 73.200 gestiegen. Dies entspreche einem Zuwachs von 28 Prozent.

Arbeitgeber zweifeln an Richtigkeit der Diagnosen

Gewerkschafter reagieren alarmiert. „Die psychischen Belastungen durch Hetze und Stress am Arbeitsplatz sind inzwischen so hoch, dass sie die Gesundheit und die Leistungsfähigkeit der Beschäftigten gefährden“, sagte DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach der Zeitung.

Die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände räumte zwar ein, „dass die Zahl der Fehltage und Frühverrentungen wegen psychischer Erkrankungen in den letzten Jahren deutlich gestiegen ist“. Das zeige jedoch allein, dass es mehr Diagnosen psychischer Erkrankungen gibt, nicht aber, dass deren Verbreitung tatsächlich gewachsen ist, heißt es in einer Erklärung vom Sonntag.

Überdies müsse die wachsende Zahl psychisch bedingter Erkrankungen kritisch hinterfragt werden, erklärte der Verband. Nach wissenschaftlichen Studien bestehe hinsichtlich der Objektivität und Effizienz der Diagnosen Verbesserungsbedarf.

Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) kündigte derweil an, stärker gegen Psychostress vorgehen. Sie wolle „Hand in Hand mit Arbeitgebern, Gewerkschaften und Unfallkassen erarbeiten, welche Programme und Konzepte und konkreten Regeln Belegschaften wirksam vor psychischen Belastungen schützen können“, sagte sie der „Welt am Sonntag“.

dapd/dpa

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