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Eine "beleidigte Leberwurst" braucht eigentlich keiner.

Nicht mehr ertragen als möglich

München - Die Psyche verhält sich bei Kränkungen wie ein Magen: Der eine verträgt wirklich sehr viel, der andere ist eben empfindlich. Nur die "beleidigte Leberwurst" zu spielen, diesen Gefallen sollte man niemandem tun.

Sind Sie Buddah, Jesus oder Gandhi? Oder fühlen Sie sich so? Was für alberne Fragen. Natürlich sind wir keine Heiligen. Allerdings kommt es mitunter vor, dass wir glauben, Übermenschliches leisten zu müssen. Ein Beispiel: Ihr Nachbar feiert eine Party, na gut, ist ja nicht jeden Tag. Weil es jetzt endlich wieder so schön warm ist, stehen seine Gäste auf dem Balkon. Naja, machen wir halt das Fenster zu, auch wenn frische Luft beim Schlafen gesund sein soll. Die Musik wummert durch die Wände, dazu der berauschte Gesang der Gäste: „I will, hicks, wieder haam, fühl mi da so allaan...“ Ja, wenn die nur gehen würden, denken Sie, aber Fürstenfeld scheint weit. Schließlich ist es 3.30 Uhr - nach der Zeitumstellung bereits 4.30 Uhr ... Sie sind am Ende - die Party noch nicht.

Auf dem Weg zur Arbeit rempelt Sie jemand an, ohne sich zu entschuldigen, die U-Bahn bleibt 20 Minuten im Tunnel stehen, Ihr Chef sagt: „Pünktlichkeit ist keine Zierde, obwohl, so sch... wie Sie aussehen, da schon!“ Was passiert jetzt? Schreien Sie Ihren Chef an: „Sie können mich mal!“ Oder brechen Sie in Tränen aus? Schlucken Sie brav und lächeln? Beschließen Sie, sich an Ihrem Nachbarn, den Verkehrsbetrieben und Ihrem Chef grausam zu rächen? Vielleicht am besten damit, dass Sie mit denen kein Wort mehr reden?

Verhalten nicht von Wut kontrollieren lassen

Wir sind Menschen. Wir tun, was wir können. Manchmal tut uns das, was wir tun, nicht gut. Beispielsweise, wenn wir nach dem Motto ticken: „Augen zu und durch!“ Auf unser Party-Beispiel bezogen: In der Nacht mag es so erscheinen, als sei „Augen zu und durch!“ die beste Wahl. Stimmt vielleicht auch. Allerdings: Am nächsten Tag sollten Sie Ihrem Nachbarn eine Rückmeldung geben: „Party gerne, aber unter den Bedingungen eins, zwei, drei...“. Sollte sich Ihr Nachbar künftig nicht an die Spielregeln halten, haben Sie jedes Recht ihm den Spaß am Feiern zu verderben.

Anders liegt der Fall mit Rüpeln, ob Chef oder Fremde, und der U-Bahn. Unsere Möglichkeiten, Menschen zu gutem Benehmen oder Bus und Bahn zur Pünktlichkeit zu erziehen, sind begrenzt. Das heißt: Wir dürfen wütend sein auf unseren Chef und den Rempler, sollten die Kontrolle unseres Verhaltens aber nicht an unsere Wut abgeben. Vielleicht wollen die ja nur, dass wir ausrasten oder wieder mal die beleidigte Leberwurst geben. Den Gefallen sollten wir niemandem tun. 

Stefan Alsbach

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