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Zigarettenschachteln mit Markenlogos: Einheitspackungen, wie Irland sie jetzt eingeführt hat, seien in Deutschland nicht geplant, heißt es bei der Bundesregierung.

Rauchen ohne Logo - Nächster Schlag für die Tabaklobby

Dublin - In zehn Jahren soll so gut wie kein Ire mehr rauchen. "Tobacco free Ireland" heißt das Motto, tabakfrei will Irland bis zum Jahr 2025 werden - die Regierung meint damit, dass weniger als fünf Prozent der Iren noch zum Glimmstängel greifen. Das Land ist beim Nichtraucherschutz ehrgeizig wie sonst kaum eines. 2004 verbot Dublin als erste Regierung weltweit das Rauchen in Arbeitsräumen.

Jetzt sind die Iren immerhin Nummer zwei: Markenlogos sind künftig auf Tabakprodukten tabu. Große Schockbilder und Warnhinweise sollen dunkle Packungen dominieren, Markennamen nur klein und in Standardschrift aufgedruckt werden. Bisher hatte nur Australien auf die Einheitsverpackung gesetzt. Die Briten könnten demnächst nachziehen - zum Ärger der Tabakindustrie.

Die muss seit Jahren mit sinkenden Raucherzahlen vor allem in westlichen Ländern klarkommen. Begriffe wie "Raucherabteil" oder gar "Raucherflug" sind aus dem Sprachgebrauch verschwunden, auf Tischen in Büros und vielen Cafés stehen keine Aschenbecher mehr. Statt mit einer Zigarette in der Hand versonnen in die Ferne zu schauen, starren die Leute an Bushaltestellen auf ihre Smartphones.

Dass Rauchen out ist, zeigen nackte Zahlen: Von durchschnittlich rund 1700 Zigaretten pro Kopf und Jahr ist der Konsum in Deutschland in der Zeit von 2000 bis 2013 auf knapp 1000 gesunken, ein Rückgang von 40 Prozent. Auch die Zahl der Raucher nimmt ab, wie Daten der Bundesregierung belegen. In anderen Ländern gibt es den Trend ebenfalls, sinkende Verkaufszahlen der Konzerne sprechen für sich.

Regierungen machen mit hohen Steuern, Werbeverboten, Warnhinweisen und abschreckenden Bildern Front gegen den blauen Dunst. Einheitspackungen dürften der nächste Schritt sein, Überlegungen gibt es etwa in Frankreich, Norwegen und Finnland. Und Deutschland? "So etwas ist nicht geplant", heißt es bei der Bundesregierung.

Die Tabakrichtlinie der EU überlässt den Umgang mit Logos den Mitgliedsländern. Sie hätten das Recht, "weitere Maßnahmen bezüglich einer Vereinheitlichung der Verpackungen zu ergreifen oder auch Einheitspackungen einzuführen", heißt es schön bürokratisch bei der EU-Kommission. Mit einer Einschränkung: Das dürfe keine "verschleierte Beschränkung des Handels zwischen den Mitgliedstaaten darstellen".

Da hakt die Tabak-Lobby ein. Der irische Vorstoß verletze auch Markenrechte deutscher Firmen, sagt Jan Mücke vom Zigarettenverband in Berlin. "Deswegen werden diese Unternehmen auch den Rechtsweg beschreiten." Werbung über Marken, in deren Image Unternehmen viel Geld investierten, sei ein wichtiger Teil der Marktwirtschaft. Der Wettbewerb werde durch das Verbot quasi ausgeschaltet. "Was nützt eine Marke, wenn man sie nicht verwenden kann?" In Deutschland verbiete Paragraf 14 des Grundgesetzes, der das Eigentum gewährleistet, dem Dubliner Vorbild nachzueifern.

Auch der Schmuggel illegal hergestellter Zigaretten werde erleichtert durch den Marken-Bann, fährt Mücke fort. "Derzeit sorgen bestimmte Drucktechniken und Sicherheitsmerkmale dafür, dass die Produkte in überschaubarmem Ausmaß gefälscht werden." Zahlen aus Australien zeigten, dass Fälschungen rasant zugenommen hätten. "Das werden wir auch in Irland sehen", ist der Verbandssprecher überzeugt.

Australiens Regierung ist mit ihrem Gesetz allerdings zufrieden. Anfang 2014 seien die Ausgaben für Zigaretten und Tabak im Land auf ein Rekordtief gesunken. Mehr Menschen wollten mit dem Rauchen aufhören, seit die Logos verschwunden seien. Erste wissenschaftliche Studien weisen in dieselbe Richtung.

Die Lobby argumentiert mit Steuereinnahmen, die den Staaten durch sinkende Raucherzahlen entgehen. Australien hingegen verweist auf 31,5 Milliarden Dollar (gut 22 Mrd. Euro), die Raucher Wirtschaft und Gesundheitssystem im Jahr kosten.

Den vielleicht berühmtesten Iren machten weder Verbote noch Bilder schwarzer Lungen zum Nichtraucher, sondern etwas anderes. Rocksänger Bono (54) sagte bereits im Jahr 2001 dem "GQ"-Magazin: "Ich musste aufhören, weil ich die Töne nicht mehr getroffen habe." Allerdings hat der U2-Frontmann auch schon von Rückfällen erzählt.

EU-Kommission zur Tabakrichtlinie

dpa

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