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Wer sich nicht sicher ist, ob er sich operieren lassen soll, kann eine zweite Arztmeinung einholen. Die Krankenkassen und die Unabhängige Patientenberatung helfen weiter.

Das Recht auf eine zweite Arztmeinung

Gleich ob „Wirbelsäulenversteifung“, „Bypass“ oder „Brustentfernung“ – wer solche Empfehlungen seines Facharztes erhält, ist schockiert und braucht dringend Beratung.

Wann kann man eine zweite Arztmeinung einholen, welche Regeln sollte man kennen? Ein Überblick:

Zweite Meinung „Der Patient hat grundsätzlich das Recht, Arzt und Krankenhaus frei zu wählen und zu wechseln. Der Patient kann eine ärztliche Zweitmeinung einholen.“ So steht es in der „Charta der Patientenrechte“ aus dem Jahre 2003, unter anderem erarbeitet von der Bundesärztekammer und den Spitzenverbänden der gesetzlichen Krankenkassen. Nicole Ramcke von der Techniker Krankenkasse erklärt: „Es geht dabei schließlich auch um Patientensouveränität.“ Ärzte würden heute ja Gott sei Dank nicht mehr als Halbgötter in Weiß angesehen, deren Urteil man nicht infrage stellen dürfe.

Überweisung 

Privatversicherte können in der Regel ohne eigene Kosten eine zweite ärztliche Meinung einholen. Für Gesetzlich Versicherte werden dafür, so Ramcke, „schlimmstenfalls zehn Euro Praxisgebühr fällig“. Wer das vermeiden will, sollte sich von seinem Hausarzt eine Überweisung für den zweiten Kardiologen oder Orthopäden ausstellen lassen. Fachärzte können in der Regel nicht an einen Kollegen des gleichen Fachgebietes überweisen – außer wenn dieser besondere Untersuchungs und Behandlungsmethoden anbietet, die erforderlich sind.

Unterlagen 

Arztberichte, Blutwerte, Röntgenaufnahmen – wer eine Zweitmeinung einholt, sollte diese Unterlagen zum zweiten Arzt mitbringen, schon allein um Doppeluntersuchungen zu vermeiden. Für den Arzt Nr. 1 sollte es eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein, diese Unterlagen seinem Fachkollegen zur Verfügung zu stellen. „Die Behandlungsunterlagen sind dem mitbehandelnden Arzt zu übermitteln“, heißt es hierzu in der Patientencharta. Originalunterlagen kann der Patient in der Regel zwar nicht beanspruchen, wohl aber Kopien, für die Kosten kann er herangezogen werden. Auch Röntgenbilder müssen – unter Umständen leihweise – herausgegeben werden. Dies regelt die Röntgenverordnung (Paragraf 28 Abs. 8).

Angebote der Kassen

Insbesondere im Umfeld der gesetzlichen Krankenkassen gibt es zahlreiche kostenlose Angebote zum Einholen einer zweiten Meinung: Vom Teledoktor der Barmer GEK über AOK Duo bis zu den Beratungsstellen der Kassenzahnärztlichen Vereinigungen. Die Techniker Krankenkasse bietet beispielsweise bundesweit eine „Zweitmeinung Wirbelsäulenoperation“ an. Die Kasse vermittelt ihre Versicherten an 30 Schmerzzentren, die auf die Behandlung von Rückenerkrankungen spezialisiert sind. „2010 und 2011 haben insgesamt 500 Versicherte mit Operationsempfehlung hier eine Zweitmeinung eingeholt, in 85 Prozent der Fälle wurde dabei von einer Operation abgeraten“, so Nicole Ramcke von der Techniker Krankenkasse.

Dass zum Teil viel zu früh und zu häufig operiert wird, hat auch das Zweitmeinungs- Portal „Vorsicht Operation“ festgestellt (www.vorsichtoperation. de). Zwölf prominente Chirurgen im Ruhestandsalter bieten hier Zweitgutachten an. Die erste Zwischenbilanz des Portals für den Bereich „Knieoperationen“ ergibt: 80 Zweitgutachten wurden erstellt, in knapp zwei Drittel der Fälle wurde von einer Operation abgeraten. Die Gutachten kosten mindestens 200 Euro. Die Betreiber raten jedoch, bei der jeweiligen Krankenkasse nachzufragen, ob die Kosten übernommen werden. Die Debeka trägt für ihre Versicherten die Kosten – zunächst für ein Jahr.

Tipp 

Bei der Suche nach einer kompetenten Zweitberatung hilft auch die Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD) mit 22 regionalen Beratungsstellen und einem bundesweiten Beratungstelefon: 0800 / 0 11 77 22 (kostenlos aus dem Festnetz). In München gibt es eine UPD-Beratungsstelle in der Waltherstraße 16a, 80337 München, Telefon: 089/18 913 722.

Mehr Informationen gibt es unter Fax-Abruf 09001/25266553 (1 Minute = 62 Cent/6 Seiten) bis 6. April. Das Fax-Gerät auf „Polling“ oder „Sendeabruf“ stellen, Fax-Service-Nummer wählen und Starttaste drücken. Kein Fax? Dann senden Sie einen mit 0,90 Euro frankierten Rückumschlag plus 1,45 Euro in Briefmarken unter dem Stichwort „Zweitmeinung“ an: Versandservice, Lerchenstr. 8, 86938 Schondorf

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