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Wenn der Bauch drückt, sucht Dr. Sebastian Brechenmacher erst mal mit Ultraschall nach möglichen Ursachen.

Wenn der Bauch drückt

Wenn der Darm gereizt ist

Wenn die Verdauung streikt, ist das quälend. Nicht immer findet sich dann eine körperliche Ursache. Doch auch für Reizdarm-Patienten gibt es Hilfe. Bei der Suche nach der richtige Therapie brauchen sie allerdings oft etwas Geduld.

Ständig dieser Druck im Bauch. Man fühlt sich aufgebläht, Krämpfe kommen hinzu. Den einen zwingt Durchfall überfallsartig, eine Toilette aufzusuchen, den anderen plagt Verstopfung. Leiden Patienten häufig unter solchen Problemen, kann das das Leben stark beeinträchtigen. Viele führt der Weg dann zunächst zum Hausarzt oder Internisten – etwa zu Dr. Sebastian Brechenmacher.

„Probleme mit der Verdauung sind überaus häufig“, sagt der Mediziner mit Praxis in Krailling. Die Ursachen sind vielfältig. Sie reichen von Unverträglichkeiten und Allergien gegen Nahrungsmittel wie Milch oder bestimmte Getreidearten, über Infektionen, etwa durch Viren, Bakterien, Pilze oder auch Parasiten, bis hin zu Störungen der Schilddrüse. Manchmal steckt auch die Zuckerkrankheit dahinter oder sogar eine bösartige Erkrankung. Warnsymptome sind Gewichtsverlust, Fieber, Blut im Stuhl und Beschwerden nachts. „Man muss das unbedingt abklären“, sagt Brechenmacher. Oft findet aber auch der Experte keine körperliche Ursache. Dennoch halten die Beschwerden an. Mediziner sprechen dann vom Reizdarm-Syndrom. Experten gehen davon aus, dass hierzulande zehn bis 20 Prozent der Menschen betroffen sind – Frauen häufiger als Männer.

Früher hatten Patienten mit nervösem Darm Angst, als eingebildete Kranke abgestempelt zu werden – nicht ganz zu unrecht. Fanden Ärzte keine körperliche Ursache, hieß es rasch: Schuld ist die Psyche. Tatsächlich haben viele Reizdarmpatienten nicht nur körperliche Beschwerden. Sie leiden an Stress, Ängsten, sogar Depressionen. „Die Frage ist aber: Was ist die Ursache und was die Folge?“, sagt Brechenmacher. Die permanenten Beschwerden belasten. Dreht sich das ganze Leben darum, ob im Notfall eine Toilette in der Nähe ist, kann das durchaus zu Ängsten führen. Auch das ständige Unwohlsein zermürbt.

Neueste Forschungen haben daher nicht nur die Psyche im Blick. Untersuchungen haben gezeigt: Bei Patienten mit einem Reizdarm lassen sich oft auch körperliche Veränderungen nachweisen. So findet man häufig eine erhöhte Zahl bestimmter Abwehrzellen in der Darmschleimhaut – ein Anzeichen für eine Entzündung. Die Nerven im Darm sind offenbar sensibler (siehe unten). Eine Rolle spielen zudem unsere Gene: Die Veranlagung für einen empfindlichen Darm wird teils auch vererbt.

Im Blick haben Mediziner zudem die Darm-Bakterien, oft auch als Darmflora bezeichnet. Die Zusammensetzung ist von Mensch zu Mensch verschieden. Haben sich die falschen Untermieter eingenistet, kann das Beschwerden auslösen. Bei einigen Patienten ging den chronischen Verdauungsbeschwerden zudem eine Magen-Darm-Entzündung voraus – nicht selten auch eine Behandlung mit Antibiotika.

Patienten mit Reizdarm sind also keineswegs eingebildete Kranke. Doch lindert diese Erkenntnis ihre Beschwerden nicht. „Wichtig ist zunächst die Anamnese, das ausführliche Gespräch mit dem Patienten“, sagt Brechenmacher. Dafür sollte sich der Arzt Zeit nehmen. Wann kommt es zu den Beschwerden? Spielen bestimmte Situationen oder Nahrungsmittel eine Rolle? Kommt es eher zu Durchfall oder Verstopfung? „Meist ist ein Symptom vorherrschend“, sagt der Internist. Neben der genauen Beobachtung, ob die Beschwerden mit bestimmten Lebensmitteln zusammenhängen, empfiehlt er je nach Schwere der Symptomatik zunächst eine Therapie-Versuch mit pflanzlichen Mitteln oder Ballaststoffen. Nicht immer ist das gleich die Lösung. „Jede Therapie ist nur probatorisch“, sagt Brechenmacher. Denn bei der Behandlung eines Reizdarms brauchen Patient und Behandler vor allem eines: etwas Geduld.

Vielen Betroffenen hilft aber bereits die gute Nachricht, dass ihre Beschwerden rein funktionell sind. Hinter ihnen steckt keine bösartige Erkrankung. Auch wenn die Probleme unangenehm sind, sie müssen sich keine Sorgen machen. „Ein Reizdarm verringert die Lebenserwartung nicht“, sagt Brechenmacher.

Zum Einsatz kommen dann zunächst einfache Mittel: Ob Durchfall oder Verstopfung – in beiden Fällen können Ballaststoffe helfen. „Am besten Wasserlösliche“, sagt Brechenmacher. Flohsamen hilft daher besser als etwa Weizenkleie. Als wirksam erwiesen haben sich auch pflanzliche Wirkstoffe wie Pfefferminzöl und Zubereitungen aus Melissenblättern. Auch Kümmellöl, Fenchel und Extrakte aus verschiedenen Pflanzen wie der bitteren Schleifenblume helfen nachweislich. Diese gibt es rezeptfrei in der Apotheke. „Auch Probiotika haben ihren Stellenwert“, sagt Brechenmacher. Die Beschwerden können Hinweise geben, welcher Bakterienstamm eingesetzt werden sollte.

Auch auf Getreide reagieren manche Menschen empfindlich. Einige Ärzte empfehlen Reizdarm-Patienten daher eine glutenfreie Diät auszuprobieren, also eine Ernährung ohne Weizen, Gerste, Roggen, Dinkel, Grünkern. „Einigen hilft das“, sagt Brechenmacher. Doch bei weitem nicht allen. „Es gibt bei einem Reizdarm keine Standardempfehlungen zur Ernährung.“

Lässt sich nicht einfach klären, ob ein bestimmtes Lebensmittel die Beschwerden auslöst, rät Brechenmacher zu einem Ernährungstagebuch. „Man vergisst sonst einfach zu rasch, was man gegessen hat.“ Hilft auch das nicht, gibt es einen weiteren Weg, die richtige Ernährung zu finden: eine Eliminationsdiät. Diese sollte man allerdings unbedingt unter ärztlicher Betreuung machen. Zwei Wochen lang ernähren sich die Patienten von Reis und Kartoffeln. Dann sind bei den meisten alle Stoffe aus dem Körper beseitigt, die zu Unverträglichkeiten oder Allergien führen können. Die Patienten nehmen dann Schritt für Schritt ein weiteres Nahrungsmittel in ihren Speiseplan auf und beobachten, wie sie darauf reagieren. „So kann man herausfinden, welche Nahrungsmittel nicht vertragen werden.“ Doch ist das auch sehr mühsam.

Darm: Von Zotten und Bakterien

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Hat keine dieser Therapien Erfolg, können auch Medikamente zum Einsatz kommen. So gibt es Wirkstoffe, welche die Darm-Motilität verändern, also die Bewegungen, mit denen der Darm die Nahrung transportiert. Mittel können diese beschleunigen oder verlangsamen. Doch auch Medikamente, die normalerweise gegen seelische Beschwerden eingesetzt werden, helfen. Sie wirken auf bestimmte Botenstoffe, etwa Serotonin. Diese haben Einfluss auf die Stimmung, spielen aber auch bei der Darmtätigkeit eine Rolle. Verordnet ein Arzt gegen Darmprobleme Antidepressiva, heißt das also nicht, dass er den Patienten eigentlich für psychisch krank hält. „Ich erkläre das meinen Patienten immer ganz genau“, sagt Brechenmacher.

In machen Fällen zeigen sich im intensiven Gespräch aber auch seelische Probleme. Dann kann man auch eine Psychotherapie erwägen. Denn ist die Psyche belastet, schlägt sich das auch auf den sensiblen Darm.

Von Sonja Gibis

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