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Rheuma: Wenn das Immunsystem die Gelenke attackiert

Schmerzen, Schwellungen, morgens steife Gelenke - Rund 25 000 Menschen, dreimal mehr Frauen als Männer, erkranken jedes Jahr in Deutschland an einer rheumatischen Arthritis, der häufigsten entzündlichen rheumatischen Erkrankungen.

Die Krankheit tritt meist zwischen dem 30. und 50. Lebensjahr auf. Bis vor zehn Jahren noch war der Kampf gegen die Krankheit ein sehr schwieriges Unterfangen: Viele Patienten wurden arbeitsunfähig, ihre Lebenserwartung war drastisch verkürzt. Neue gentechnisch hergestellte Medikamente haben Rheuma den Schrecken genommen, jetzt kommt es darauf an, die Krankheit früh zu erkennen und zu behandeln, um Schäden an den Gelenken zu verhindern.

Münchner Rheumaexperten Prof. Klaus Krüger

Die rheumatoide Arthritis ist eine Autoimmunerkrankung, das heißt, das eigene Immunsystem greift das Bindegewebe besonders in den Gelenken an. Die Folge ist eine andauernde Entzündung, die Knorpel und Knochen attackiert und diese immer weiter abbaut. Die Ursachen der Krankheit sind nicht endgültig geklärt. Es gibt eine genetische Komponente, das heißt die Krankheit wird zum Teil vererbt. Aber auch Umwelteinflüsse wie Rauchen, Gifte in der Umwelt oder Infektionskrankheiten spielen eine Rolle. In der Nacht schwellen die Gelenke an, da Entzündungsstoffe vermehrt ausgeschüttet werden. Das ist bei allen Menschen so, aber bei Rheumakranken wird das körpereigene Cortisol, das die Entzündungsstoffe abfängt, nicht ausreichend mehr ausgeschüttet. Die Morgensteifigkeit ist ein typisches Symptom der Rheumatoiden Arthritis. Wobei der Name täuscht: Manche Kranke können sich nach dem Aufstehen bis zu fünf Stunden lang nicht normal bewegen. Morgensteifigkeit bedeutet Verlust der Lebenszeit. Zähne putzen, Haare bürsten, Kaffeetasse halten – ganz alltägliche Aufgaben werden zu nervenaufreibenden, zeitkostenden Arbeiten. Darüber, wie die Krankheit erkannt und behandelt wird, sprach Redakteurin Susanne Stockmann mit dem Münchner Rheumaexperten Prof. Klaus Krüger.

„Jeder Patient soll ein normales Leben haben“

Die Krankheit beginnt schleichend, heißt es. Was sind die ersten Symptome?

Prof. Klaus Krüger: Es gibt Ausnahmen, da beginnt es gleich mit einem hochakut geschwollenen und schmerzenden Gelenk. Aber in der Regel ist der Beginn schleichend. Einzelne Gelenke schmerzen, und zwar nicht, wenn sie in Bewegung sind und belastet werden wie bei abnützungsbedingten Erkrankungen, sondern sie schmerzen in Ruhe. Wenn man sich bewegt, wird es besser. Die Schmerzen kommen oft mitten in der Nacht. Im nächsten Stadium ist das Gelenk warm und geschwollen. Da es sich um eine Erkrankung des ganzen Organismus handelt, treten die typischen Schwellungen symmetrisch auf.

Das heißt, wenn an der rechten Hand die Fingergelenke schmerzen, dann sind auch die Gelenke an der linken Hand betroffen?

Krüger: Keine Regel ohne Ausnahme, aber meistens tritt es symmetrisch auf. Es fängt meist in den kleinen Gelenken an, wie den Zehen- und Fingergelenken. Wie gesagt, der ganze Organismus ist betroffen, daher fühlen sich die Patienten allgemein krank, sie sind abgeschlagen und in ihrer Leistungsfährigkeit eingeschränkt, haben eventuell leicht erhöhte Temperatur.

Der schleichende Beginn führt oft dazu, dass Patienten bis zu einem Jahr brauchen, bis sie zum Rheumatologen kommen. Dann ist aber der beste Zeitpunkt zum Behandeln schon verpasst.

Krüger: Das kann man nicht ganz so sagen. Man kann heute jedem Patienten helfen, sodass er keine Schmerzen mehr hat und sich gut fühlt. Wenn die Krankheit jedoch früh erkannt und behandelt wird, werden die Gelenke nicht dauerhaft geschädigt. Dann fühlt sich der Patient – unter der Therapie wohlgemerkt – gesund und in seinem Leben nicht eingeschränkt. Schäden an Gelenken allerdings kann man nicht mehr rückgängig machen, also wenn es zu Fehlstellungen gekommen ist oder Sehnen gerissen sind. Heute ist es das Ziel der Behandlung, dass wir so früh dran sind, dass der Patient ein normales Leben führen kann.

Dabei helfen sehr die seit gut zehn Jahren zugelassenen neuen Medikamente, die sogenannten Biologica, oder?

Stichwort Biologica

Krüger: Ich war damals an Studien beteiligt und muss sagen: Es war eine sensationelle Entwicklung vergleichbar mit dem Fall der Berliner Mauer, wo man rückblickend die Empfindung eines Wunders hat. Seit 1980 bin ich rheumatologisch tätig – 20 Jahre lang haben wir Rheumatologen zusammen mit den Patienten einen nicht selten verzweifelten Kampf geführt, der leider oft katastrophal ausgegangen ist. Die Hälfte der Patienten war nach fünf Jahren invalidisiert, viele saßen im Rollstuhl, ihre Lebenserwartung war um fünf bis zehn Jahren verkürzt. Das ist heute kein Thema mehr. Das hat sich auf eine fast wundersame Weise verändert.

Diese Medikamente sind sehr teuer und sollen erst angewendet werden, wenn nichts mehr hilft. Kann das nicht zu spät sein?

Krüger: Binnen drei bis sechs Monaten nach Symptombeginn sollte jeder Patient eine wirksame Therapie erhalten. Zunächst beginnt man mit der Standardtherapie, meist Methotrexat, immer in Kombination mit einem Cortison- Präparat, da das sofort wirkt. Erreicht man damit kein gutes Ergebnis, darf in sehr schweren Fällen bereits nach drei Monaten ein Biologicum eingesetzt werden. In der Regel werden diese Medikamente nach sechs Monaten verschrieben, wenn vorher die Standardbehandlung keine Besserung gebracht hat. Und das ist auch noch früh genug dafür, dass Patienten keine dauerhaften Folgeschäden davontragen, wenn die Krankheit rechtzeitig erkannt wurde.

Krankengymnastik und Ergotherapie gehören weiter zur Behandlung?

Krüger: Auf alle Fälle. Die Krankheit tendiert zur Steifigkeit und Muskelverlust. Dem muss frühzeitig entgegengewirkt werden. Außerdem sind Maßnahmen zum Gelenkschutz notwendig.

Ist die Operation heutzutage noch eine Therapieoption?

Krüger: Was wegen der medikamentösen Fortschritte zurückgegangen ist, ist die Entfernung von entzündlicher Gelenkhaut. Dieser Eingriff ist aber weiter sinnvoll, wenn die Therapie zum Beispiel überall gut wirkt, aber ein Gelenk nicht zur Ruhe kommt. Auch einfache Eingriffe wie die Weitung eines verengten Karpaltunnels an der Hand oder Sehnenkorrekturen gibt es weiterhin. Dann betreuen wir ja auch weiter Patienten, die seit 40 oder 50 Jahren mit Rheuma leben, die benötigen wegen der Spätschäden häufig künstliche Gelenke oder andere rekonstruktive Eingriffe. Die Zusammenarbeit mit dem orthopädischen Rheumatologen ist also weiterhin unbedingt nötig.

Mittwoch, 1. Februar 2011: Infotag für Patienten

Alle Münchner sind herzlich zum Informationstag zur Rheumatoiden Arthritis ins Klinikum Bogenhausen eingeladen, am Mittwoch, 1. Februar, 14 bis 18 Uhr, Englschalkinger Straße 77, 81925 München. Experten beantworten Fragen und geben Einblick in neue Therapiemöglichkeiten für einen aktiven Start in den Tag und mehr Leistungsfähigkeit.

Wer sich mit schmerzenden Gelenken plagt und einfach nur wissen will, was das sein kann, ist ebenso eingeladen, wie die 70 000 Münchner, bei denen schon Rheuma diagnostiziert wurde und die sich über die neuesten Methoden informieren wollen. Mehr Infos unter: www.klinikum-muenchen.de

Biologica

Diese gentechnisch hergestellten Medikamente haben vor gut zehn Jahren die Behandlung von Rheuma revolutioniert. Je mehr die Forscher die Fehlsteuerung des Immunsystems verstehen, desto mehr Ansatzpunkte für Therapien finden sie. Die Biologica greifen zentral in den Entzündungsprozess ein. Sie verhindern, dass es überhaupt zu einer Entzündung kommt. Die vorher gängigen Medikamente haben versucht, die Entzündung zu unterdrücken bzw. Schmerzen zu lindern. Biologica haben in seltenen Fälle schwere Nebenwirkungen, daher müssen die Patienten vor und während der Behandlung engmaschig untersucht werden.

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