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So schalten Sie Ihren Schmerz aus

Manchmal ist es einfach nicht mehr zum Aushalten: Der Rücken funkt SOS, jede Bewegung tut weh – so sehr, dass der Alltag zur Qual wird. Um die Schmerzen zu lindern, schlucken viele Patienten Tabletten. Aber in welchen Fällen macht das wirklich Sinn?

Manchmal ist es einfach nicht mehr zum Aushalten: Der Rücken funkt SOS, jede Bewegung tut weh – so sehr, dass der Alltag zur Qual wird. Um die Schmerzen zu lindern, schlucken viele Patienten Tabletten. Aber in welchen Fällen macht das wirklich Sinn?

Der Münchner Wirbelsäulenexperte Dr. Martin Marianowicz rät zu einer grundsätzlichen Unterscheidung: „Bei chronischen Beschwerden sollte man mit Schmerzmitteln sehr vorsichtig umgehen. Sie verursachen nicht selten Nebenwirkungen – und auch einen gewissen Gewöhnungseffekt: Oft muss man im Laufe der Zeit immer wieder die Dosis steigern, um die gewünschte Besserung der Beschwerden zu erreichen.“

„Spielen Sie nicht den Helden!“

Am Ende kommt es manchmal sogar zu einer Medikamentenabhängigkeit. Andererseits sollte man Schmerzmittel auch nicht generell verteufeln – im Gegenteil: Bei akuten starken Schmerzen ist es gleich aus zweierlei Gründen kontraproduktiv, wenn ein Patient gänzlich darauf verzichtet. „Spielen Sie nicht den Helden!“, warnt Marianowicz. „Es ist sinnvoll, den Schmerz vorübergehend medikamentös auszuschalten. Dadurch verhindern Sie, dass sich der Schmerz in Ihr Gedächtnis einbrennt. Außerdem werden normale Bewegungsabläufe wieder möglich. Das ist wichtig, denn absolute Ruhe tut auch einem kranken Rücken nicht gut.“ Wie wirken die Schmerzmittel, welche Nebenwirkungen haben sie, und welche Dosis kann man guten Gewissens einnehmen? In der tz erklärt Dr. Marianowicz die gängigsten Medikamente – sowohl frei in der Apotheke verkäufliche als auch verschreibungspflichtige.

ASS (Acetylsalicylsäure)

Viele kennen ASS als Kopfschmerzmittel. Sie wirkt aber auch bei leichten und mittelschweren Rückenleiden. Die Acetylsalicylsäure hemmt die Bildung von sogenannten Prostaglandinen – das sind Gewebshormone, die Entzündungen „am Kochen halten“. ASS greift allerdings auch die Magenschleimhaut an, sie kann Magen- und auch Darmprobleme machen. Die Einmaldosis sollte zwischen 500 und 1000 Milligramm liegen, pro Tag maximal vier Gramm! Frei verkäuflich.

Paracetamol

Diese Substanz wirkt vor allem im zentralen Nervensystem und hemmt die Weiterleitung von Schmerzimpulsen. Als Entzündungshemmer ist sie nicht geeignet. Die Ärzte setzen Paracetamol bei leichten und mittleren Rückenbeschwerden ein. In niedrigen Dosen ist es gut verträglich. Vorsicht sollten Patienten walten lassen, die an Funktionsstörungen der Leber oder der Niere leiden. Empfohlene Einmaldosis: 500 bis 1000 mg – bitte auf keinen Fall mehr! Alle sechs Stunden kann man maximal ein Gramm (1000 mg) schlucken, höchstens aber vier Gramm am Tag. Paracetamol gibt es ohne Rezept in der Apotheke.

Diclofenac, Ibuprofen, Naproxen

Die antientzündliche Wirkung dieser Mittel ist höher als bei ASS oder Paracetamol. Sie erzielen beispielsweise bei Bandscheibenvorfällen, rheumatischen Erkrankungen oder Nervenwurzel-Reizzuständen oft eine gute Wirkung. Die Medikamente können allerdings zu Leber-, Nieren- oder Magenproblemen führen. Ungeeignet sind sie für Kinder unter 15 Jahren und Schwangere. Auch für Asthmatiker und Allergiker gilt: lieber Finger weg von diesen drei Wirkstoffen! Bei Diclofenac liegt die Einmaldosis bei 50 mg, die Tageshöchstdosis bei 150 mg (Retard­tabletten: 200 mg). Vom Ibuprofen sollten Sie 200 bis 400 mg auf einmal nehmen, in 24 Stunden maximal 1200 mg. Die Empfehlung für Naproxen: 250 bis 500 mg auf einmal, pro Tag höchstens 1000 mg. Sie brauchen für diese Medikamente kein Rezept.

Selektive COX-2-Hemmer (Coxibe)

Diese Wirstoffgruppe hemmt fast ausschließlich das Enzym Cyclooxygenase-2 (Cox-2), das die Produktion von Entzündungsbotenstoffen fördert. Viele Patienten spüren allerdings durch die Cox-2-Hemmer eine geringere Schmerzlinderung als durch Ibuprofen oder Diclofenac. Cox-2-Hemmer schützen zwar die Magenschleimhaut, haben aber möglicherweise eine gravierende Nebenwirkung: Einige Experten glauben, dass das Mittel das Herzinfarktrisiko erhöht. Die Tagesdosis beläuft sich auf 100 bis 150 mg, die Einzeldosis beträgt 50 mg. Diese Arznei ist verschreibungspflichtig.

Metamizol

Es hat eine hohe schmerzstillende und fiebersenkende Wirkung und ist auch leicht entzündungshemmend. Metamizol wird in der Regel nur bei sehr schmerzhaften Bandscheibenvorfällen oder starken akuten Rückenschmerzen eingesetzt. Die gravierendste Nebenwirkung ist die Gefahr einer Agranolozytose, darunter versteht man eine extreme Verringerung einer bestimmten Art von weißen Blutkörperchen. Die übliche Einmaldosis beträgt 500 bis 1000 mg, Sie sollten nicht mehr als vier Gramm pro Tag von diesem verschreibungspflichtigen Medikament schlucken.

Kortison

Dabei handelt es sich um ein Hormon, das unter anderem von der Nebenniere produziert wird. In der Therapie kommt künstliches Kortison zum Einsatz. Es hat eine sehr starke entzündungshemmende Funktion. Man kann Rückenschmerzen bereits mit geringen Dosen zielgenau behandeln. Vor allem bei langer Anwendung kann Kortison die Knochen schädigen, Osteoporose begünstigen und auch Diabetes verursachen. Die Dosierung dieses verschreibungspflichtigen Medikaments muss individuell auf den Patienten abgestimmt werden.

Muskelrelaxantien

Dazu zählt eine ganze Gruppe von Wirkstoffen. Am häufigsten wird Tetrazepam verschrieben, ein Beruhigungsmittel mit angstlösender Wirkung. Es ist jedoch nur als muskelentspannendes Mittel zugelassen. Tetrazepam wirkt im zentralen Nervensystem und verhindert, dass Impulse, die Muskeln zur Kontraktion bringen, umgesetzt werden. Muskelrelaxantien sollten eigentlich nur dazu dienen, die Schmerzen während der Suche nach der Ursache des Rückenleidens zu lindern. Bei Patienten können diese Mittel ein benommenes Gefühl oder Müdigkeit auslösen. Vorsicht: Muskelrelaxantien machen binnen kürzester Zeit abhängig und verursachen bei abruptem Absetzen schwere Entzugserscheinungen. Die Dosis des Medikaments bestimmt der Arzt. Muskelrelaxantien sind verschreibungspflichtig – mit Ausnahme von Chininsulfat. Dafür gilt: 200 bis 400 mg täglich vorm Schlafengehen, maximal zwei bis sechs Wochen lang.

Opioide

Sie ahmen die Wirkung von Endorphinen, das sind Botenstoffe, die schmerzlindernd und stimmungshebend wirken, nach. Opioide helfen bei stärkeren Schmerzen, etwa nach OPs, bei Tumorerkrankungen oder bei entzündlichen, degenerativen Gelenkerkrankungen. Zu den Opioiden gehören Morphium (unterliegt dem Betäubungsmittelgesetz) und Tramadol. Letzteres wirkt gleichzeitig antidepressiv. Der Vorteil bei der Schmerzbehandlung: Die Wirkung von Opioiden wird im Gegensatz zu anderen Mitteln im Laufe der Zeit nicht geringer, der Arzt muss die Dosis nicht immer wieder erhöhen. Morphium und Tramadol können allerdings gerade am Anfang der Behandlung zu Übelkeit und Erbrechen führen. Auch Verstopfung ist eine häufige Begleiterscheinung. Die Dosis der Opioide legt der Arzt fest.

Andreas Beez

Quellenhinweis: Mit Passagen aus dem Buch „Aufs Kreuz gelegt“ von Dr. Martin Marianowicz, Verlag Goldmann Arkana, München.

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