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Jeder fünfte Krankenversicherte in Deutschland geht wegen Rückenschmerzen zum Arzt.

Studie der Bertelsmann-Stiftung 

Rückenbeschwerden: Das Kreuz mit dem Kreuz

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München - Die Münchener haben durchschnittlich oft Rückenbeschwerden. Das zeigt eine neue Studie der Bertelsmann-Stiftung. In die Röhre schauen sie aber trotzdem mit am meisten. 

Deutschland zwickt der Rücken. Und Bayern ganz besonders: Nur die Preißn, pardon: Berliner gehen noch häufiger wegen Wirbelsäulenbeschwerden zum Arzt. Besonders in Ostbayern stürmen die Patienten regelrecht die Praxen, wie sich anhand einer neuen Studie der Bertelsmann-Stiftung herauskristallisiert. Der Landkreis Dingolfing-Landau ist sogar Spitzenreiter im bundesweiten Vergleich. Hier haben die Statistiker 730 Rückenbehandlungen pro 1000 Krankenkassen-Versicherten ermittelt. Warum gerade die Ostbayern so oft mit dem Kreuz zu kämpfen haben, darauf können sich die Studien-Experten keinen Reim machen. Die Region München liegt zwar „nur“ im Deutschlandschnitt von 448 Behandlungsfällen, sorgt aber mit einer anderen zweifelhaften Bestmarke für Furore: In der Isar-Metropole und dem Umland werden so viele Menschen in die „Röhre“ geschoben wie in wenigen anderen deutschen Gegenden. 

Quer durch die Republik machen Radiologen und ihre Mitarbeiter jährlich etwa sechs Millionen Aufnahmen vom Rücken - neben Röntgenbildern und Computertomografien (CT) vor allem Magnetresonanztomografien (MRT). Laut Studie der Bertelsmann-Stiftung werden bundesweit pro 1000 Versicherten 120 MRT-Untersuchungen vorgenommen. In der Stadt München dagegen sind es 180, im Landkreis München 190 und im Landkreis Ebersberg sogar 206! „Die hohe Zahl ist kritisch zu bewerten“,sagt Studien-Projektmanager Eckhard Volbracht der tz.

Schließlich verursache eine unnötige Untersuchung nicht nur Kosten, sondern in manchen Fällen auch vermeidbare gesundheitliche Risiken, warnt der Präsident der Deutschen Wirbelsäulenliga, Dr. Reinhard Schneiderhan, im tz Interview (siehe unten). Das gelte für überflüssige Röntgen- und CT-Aufnahmen, weil die Patienten dabei einer Strahlenbelastung ausgesetzt werden müssen.

Aber das hält viele Ärzte trotzdem nicht davon ab, die Untersuchungen anzuordnen. Jeder fünfte Patient sei bereits in den ersten drei Monaten nach der Erstdiagnose durchleuchtet worden, so die Studie. Dabei empfehlen die medizinischen Leitlinien dies frühestens, wenn herkömmliche Therapien wie Schmerzmittel oder Krankengymnastik keinen Erfolg hatten. In über der Hälfte der Fälle hatte es jedoch vor der Bildaufnahme gar keinen Therapieversuch gegeben.

21 Prozent der Patienten wurden in den fünf Jahren nach ihrer Diagnose zwei- bis dreimal durchleuchtet – sieben Prozent öfter als viermal. Bei jedem sechsten Patienten veranlassten Mediziner eine Aufnahme, ohne dass es Warnhinweise auf einen ernsthaften Krankheitsverlauf gab, etwa Lähmungen oder Brüche. Ohne solche Hinweise sehen die Leitlinien keinen Anlass für ein Bildgebungsverfahren. Warum aber werden trotzdem so viele Röntgen-, CT-, und MRT-Aufnahmen gemacht? Hierzu liefert eine Patientenumfrage im Rahmen der Studie Erkenntnisse: So erwarten60 Prozentder BefragtenschnelleineUntersuchung mitbildgebenden Verfahren. Auch manche Ärzte haben ein Interesse daran, möglichst viele Aufnahmen zu veranlassen. Sie müssen die hohen Anschaffungskosten der Geräte wieder erwirtschaften. Dabei macht’s die Masse, wie einige Preisbeispiele verdeutlichen:

   Für eine MRT von Teilen der Wirbelsäule stellen die Ärzte den gesetzlichen Krankenkassen 120,21 Euro in Rechnung.

  Eine CT von Teilen der Wirbelsäule bringt bei gesetzlich Versicherten 73,60 Euro.

  Eine Röntgenuntersuchung von Teilen der Wirbelsäule in mindestens zwei Ebenen honorieren die gesetzlichen Krankenversicherungen mit 15,07 Euro. 

Die Vergütungen der privaten Krankenkassen sind höher. Allerdings seien die genannten Beträge nicht als Gewinn zu bewerten, betonen Radiologen. Immerhin müsse der Arzt nicht nur die hohen Investitionskosten schultern. Ein Computertomograf kann ab 250 000 bis 300 000 Euro kosten, ein Magnetresonanztomograf ab 750.000 bis über eine Million Euro. Dazu käme noch das Personal für den Betrieb der Anlagen sowie die teure Wartung. Dem halten Patientenschützer entgegen, dass es sich bei bildgebenden Verfahren trotzdem um wirtschaftlich lukrative Leistungen handele.

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