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Machen sich stark für Ihren Rücken: Unsere Experten haben sich um das Modell einer Wirbelsäule gruppiert. Prof. Christian Stief (3. v. l.) moderierte die „Merkur-Sprechstunde“ in der „Alten Rotation“. Neben ihm (v. li.): Sportpsychologe und Fitnesstrainer Nico Broegger, Physiotherapeutin Katrin Hilpert, Schmerzmedizinerin Dr. Urszula Smorag, Neurochirurg Prof. Jörg-Christian Tonn und Orthopäde Priv.-Doz. Dr. Christof Birkenmaier

Merkur Sprechstunde

Knackpunkt Kreuz

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Es ist wirklich ein Kreuz mit dem Kreuz: Fast jeder leidet gelegentlich an Rückenschmerzen. Doch: Was tun, wenn sie zum Dauerproblem werden? 

Das erfuhren mehr als 200 Leser bei unserer „Merkur-Sprechstunde“. Hier die wichtigsten Fragen und Antworten.

Warum haben so viele Leute Rückenprobleme? 

Kreuzschmerzen gelten als Volksleiden: „50 bis 80 Prozent der Erwachsenen leiden mindestens einmal im Laufe ihres Lebens an akutem Rückenschmerz“, sagt Privatdozent Dr. Christof Birkenmaier, Oberarzt an der Orthopädischen Klinik am Klinikum der Universität München. In den allermeisten Fällen seien Fehlbelastungen und Verschleiß die Ursache.

Und: Letzterer treffe jeden früher oder später. Denn seit Ende der letzten Eiszeit – das war etwa vor 10 000 Jahren – habe sich unser Körperbau nur noch wenig verändert. Damals starben die meisten Menschen jung. Es reichte also, wenn Knochen, Bänder und Gelenke ein paar Jahrzehnte durchhielten. „Unser biologisches Baumaterial ist auf ein maximales Lebensalter von knapp unter 40 Jahren optimiert“, sagt Birkenmaier. Für alles, was darüber hinaus gehe, „sind wir nicht gebaut“.

Warum ist unser Alltag oft „Gift“ für den Rücken? 

Den ganzen Tag mit krummen Rücken herumhocken: Ein Steinzeit-Mensch – „nennen wir ihn den muskulösen Manni“ – hätte das allenfalls ein paar Tage überlebt, sagt Nico Broegger, Sportpsychologe und Fitnesstrainer bei Open Air Fitness (OAF) in München. Schließlich musste sich Manni sein täglich Brot durch Jagen und Sammeln verdienen. Sein modernes Gegenstück? „Der computeraffine Karl. Er hängt den ganzen Tag vor dem Computer – und sichert damit sogar sein Überleben“, sagt Broegger. Das Problem: Steinzeit-Manni und Computer-Karl hätten gleiche körperliche Voraussetzungen. Das Herumgehocke hat also Folgen: „Unser Muskelkorsett wird chronisch unterfordert.“

Sind Rückenschmerzen immer ein Alarmsignal? 

Besucher bei der „Merkur-Sprechstunde“ in der „Alte Rotation“ des Münchner Pressehauses.

Wenn es im Kreuz zwickt, ist das eine Quälerei. Gefährlich ist es aber äußerst selten. „Nur in etwa einem Prozent der Fälle steckt etwas wirklich Ernsthaftes dahinter“, sagt Orthopäde Birkenmaier. Die meisten Patienten leiden an „unspezifischen“ Rückenschmerzen. Typisch dafür: „Man guckt, untersucht, findet aber nichts Genaues“, sagt der Experte, der auch selbst operiert – aber nicht bei dieser Art von Rückenschmerzen. Denn die seien ein „biopsychosoziales Phänomen.“ Soll heißen: An den Schmerzen sind nicht nur Veränderungen an Wirbelsäule, Muskeln und Bändern schuld. Auch die Seele und das soziale Umfeld – also etwa der Arbeitsplatz – spielten dabei eine Rolle. „Wenn wir uns dann nur auf die Bandscheiben konzentrieren, entwickeln wir einen Tunnelblick“, warnt Birkenmaier. Und das wird in diesen Fällen wirklich gefährlich: Fixieren sich Patienten zu sehr auf körperliche Ursachen, steigt das Risiko, dass der Schmerz chronisch wird.

Wie bekommt man die Beschwerden in den Griff? 

Ein chirurgischer Eingriff ist dafür selten nötig: „Nur die Minderheit der Patienten mit Rückenschmerzen bedarf einer Operation“, sagt Prof. Jörg-Christian Tonn, Direktor der Klinik für Neurochirurgie, Klinikum der Universität München. Bei den meisten lassen sich die Beschwerden durch „konservative“ Verfahren behandeln. Dazu gehört unter anderem die Therapie mit Schmerzmitteln: Die lindert nicht nur. Sie verhindert auch, dass sich Patienten wegen der Schmerzen zu sehr schonen – oder sich einseitig belasten.

Wichtig auch: Physiotherapie. Der Therapeut versucht dabei zum Beispiel Blockaden in den Wirbelgelenken durch gezielte Handgriffe zu lösen, erklärt Katrin Hilpert, Physiotherapeutin am Klinikum der Universität München. Meist müssen Patienten aber selbst aktiv werden: Sie bekommen Übungen gezeigt und müssen diese unbedingt daheim weiterführen, sagt Hilpert. So lernen sie etwa, wie sie ihre tiefe Bauch- und Rückenmuskulatur stärken. Die ist wichtig, um den Rumpf zu stabilisieren und damit den Rücken zu entlasten. „Das ist unser innerer Sicherheitsgurt“, sagt Hilpert.

Wann ist eine Operation notwendig?

Zeigt das Röntgenbild einen Bandscheiben-Vorfall, heiße das noch lange nicht, dass der auch die Ursache der Beschwerden ist, sagt Neurochirurg Tonn. Operiert man nur aufgrund dieser Aufnahme, ohne Informationen über die Symptome, schadet das nicht selten mehr als es nützt. Die Kunst des Chirurgen bestehe darin, durch gezieltes Nachfragen und eine klinische Untersuchung zu erkennen, wer wirklich von einer Operation profitiere. Zum Notfall wird der Rücken nämlich äußerst selten: etwa dann, wenn der Patient plötzlich die Kontrolle über Blase und Mastdarm verliert. Oder wenn Lähmungen in den Beinen auftreten. Dann muss es schnell gehen, weil sehr empfindliche Nervenwurzeln unter Druck geraten sind.

Wie wird man nach einer Operation wieder fit? 

Erst mal eine lange Bettruhe nach der Operation? Bloß nicht! „Wichtig ist, dass sich Patienten schnell wieder bewegen“, sagt Dr. Urszula Smorag, Schmerztherapeutin und Reha-Ärztin in München. In der Regel dürfen Patienten schon am Tag nach dem Eingriff aufstehen. Das Bücken oder Drehen sollten sie dann noch vermeiden, sagt Smorag. Was erlaubt ist und womit sie noch warten sollten – das lernen Patienten bei der Reha.

Zusammenfassung: Andrea Eppner & Angelika Mayr

Die Top-Tipps unseres Fitness-Experten

Bequemlichkeit geht aufs Kreuz. Also: Nichts wie runter vom Sofa! Worauf es dabei ankommt? Das verrät der Münchner Fitnesstrainer Nico Broegger: 

Fitnesstrainer Nico Broegger (re.) Besuchern, wie sie schon mit einfachen Übungen etwas für Ihren Rücken tun können.

Sitzen Sie möglichst wenig! Wer im Büro arbeitet, sollte immer mal wieder „Sitzpausen“ einlegen, also etwa die Besprechung und die Kaffeepause an einen Stehtisch verlegen. Und: Schreiben Sie doch mal auf, wie lange Sie pro Tag sitzen – und überlegen Sie dann, wo vielleicht noch etwas mehr Bewegung in ihrem Alltag Platz hätte. Nach Feierabend: Bitte nicht gleich aufs Sofa! 

Bewahren Sie Haltung!
Wenn Sie sitzen müssen, achten Sie auf einen geraden Rücken. Ruckeln Sie dabei auch mal auf dem Stuhl herum. Auch kleine Übungen entlasten: Auf die Stuhlkante setzen und bei geradem Rücken das Becken abwechselnd nach vorn und wieder nach hinten schieben. 

Trainieren Sie Ihre Muskeln!
Kräftige Muskeln stabilisieren und entlasten die Wirbelsäule. Darum sollte man zusätzlich zu Ausdauersport auch Krafttraining machen. Das geht übrigens auch ohne Geräte, ein Trainer zeigt Ihnen wie.

mm


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