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Rund 85 Prozent aller Deutschen hatten schon einmal schlimme Rückenschmerzen.

Rückenschmerzen: Was wirklich hilft!

München - Die Zahlen sind erschreckend: 85 Prozent aller Deutschen hatten schon mindestens einmal schlimme Rückenschmerzen. Wir erkären neue Behandlungemethoden, zeigen die Alarmzeichen und geben Tipps fürs Büro.

Bei jedem vierten Wirbelsäulen-Patienten halten die Schmerzen länger als drei Monate an und werden chronisch! Wie man solche Leiden erfolgreich therapiert: Das war das zentrale Thema des zweiten Wirbelsäulen-Schmerzkongresses in München, der an diesem Wochenende stattfand. Den Vorsitz der Fachtagung mit hochrangigen Medizinern hatte der Münchner Wirbelsäulen-Spezialist und Facharzt für Orthopädie Dr. Reinhard Schneiderhan (Praxisklinik in Taufkirchen). In der tz erklärt der Präsident der Deutschen Wirbelsäulenliga die neuesten Heilungsmöglichkeiten von der Lasersonde bis zum Schmerzschrittmacher. Und für alle, denen’s in Sachen Rücken gut geht, gibt’s hier wertvolle Tipps für daheim und fürs Büro, damit das auch so bleibt. Klar ist zwar, dass man sich bewegen muss. Dass langes und falsches Sitzen schlecht für den Rücken sind. Aber ganz konkret: Was muss man am Büroschreibtisch beachten? Und welche Übungen sind wirklich sinnvoll für die Wirbelsäule? Fragen, die uns alle angehen. Hier finden Sie Antworten.

Vier Methoden ersparen aufwändige OPs

Spritzenkur, Krankengymnastik oder Operation? Die Therapie­methoden bei Wirbelsäulenerkrankungen sind vielfältig. Im Trend liegen minimalinvasive Verfahren. Das sind kleinere, gezielte Eingriffe unter Teilnarkose, die das Muskelgewebe nicht beschädigen und den Patienten schneller wieder fit machen. So kann man sich größere Operationen ersparen.

Katheterbehandlung: Sie wird bei ausstrahlenden Schmerzen und Bandscheibenvorfällen eingesetzt. Dazu wird eine lenk- und steuerbare Sonde gezielt neben die entzündete Nervenwurzel platziert. Außerdem werden Medikamente an die Wurzel gespritzt – dadurch schrumpft die Weichteilbedrängung des Nervs. Durch die zusätzliche Gabe eines Enzyms wird die eingeklemmte Nervenwurzel wieder beweglich.

Laserbehandlung: Sie wird bei Bandscheiben-Vorwölbungen und -verschleiß angewendet. Mit mehreren Effekten… Erstens: Schrumpfung – die Vorwölbung geht zurück. Zweitens: Die eingewachsenen Schmerzfasern werden durchtrennt. Drittens wird die Bandscheibe stabilisiert.

Hitzesondenbehandlung: Sie wird bei starken, überwiegend lokalen Rückenschmerzen angewendet, die vom Verschleiß der Wirbelgelenke ausgehen. Eine Nadel wird in das Gelenk eingeführt, eine Sonde danach durch die Nadel hindurch geführt – direkt in den Bereich der Schmerzfaser. Die folgende Erhitzung der Nadel macht das Gelenk wieder schmerzfrei und den Patienten beweglich.

Schmerzschrittmacher: Er kommt bei chronischen Schmerzen zum Einsatz, die in Bein oder Arm ausstrahlen. Eine Elektrode wird nahe des Rückenmarks platziert (siehe rundes Foto). Sie ist mit dem Schmerzschrittmacher verbunden, der in eine Hautfalte implantiert wird. Das Gerät (etwa halb so groß wie eine Zigarettenschachtel) sendet Impulse, die man von außen steuern kann. Damit werden Schmerzreize unterdrückt, die von der Nervenwurzel ausgehen. Schmerzmedikamente werden überflüssig.

Wann muss ich zum Arzt?

Es zwickt, es zieht, es zerrt – aber es wird schon von selber wieder vergehen… Oder doch nicht? Ist das bloß eine harmlose Verspannung oder ein ernstes Rückenproblem? Dr. Schneiderhan erklärt die wichtigsten Alarm­signale des Körpers.

Der Experte sagt: „Ein akuter medizinischer Notfall besteht, wenn der Schmerz entweder so extrem ist, dass man sich überhaupt nicht mehr aufrichten kann oder vom Rücken in Arm, Bein oder Fuß ausstrahlt.“ Wer es nicht zum Arzt schafft, kann auch den Notarzt rufen – der hilft oft mit einer Spritze, zudem sind weitere Untersuchungen wie Röntgenaufnahmen oder eine Kernspintomografie notwendig.

Ernsthafte Warnsignale sind auch Ausfallerscheinungen an Darm oder Blase sowie Lähmungen und Taubheitsgefühle. In solchen Fällen ist ein Bandscheibenvorfall wahrscheinlich. Sofort zum Arzt!

Bei leichteren bis mittleren oder plötzlich auftretenden Schmerzen („Hexenschuss“) hilft auch der Hausarzt oder Orthopäde – etwa, wenn ein Wirbelgelenk blockiert ist. Das kann etwa passieren, wenn man sich bückt oder schwer hebt. Wie auch bei einer Muskelverspannung sind hier zunächst Wärme und Entlastung wichtig. „Wärmepflaster- oder Salben können ebenso wie ein heißes Bad helfen, die Beschwerden zu lindern“, so Schneiderhan. Auch Massagen helfen. Vorsicht gilt aber bei Bandscheibenproblemen oder -vorwölbungen: „Das muss man unbedingt vorher mit dem Masseur besprechen.“

Und: „Keinesfalls einrenken lassen – das dürfen nur ausgebildete Chiropraktiker!“

Fünf Rücken-Tipps fürs Büro

Von der Früh bis zum Abend vorm ­Computer, immer im Sitzen – und Pausen, wenn’s halt grad mal passt. Alltag im Büro, oft eine Qual für den Rücken. Wie geht’s besser? Dr. Schneiderhans Tipps:

1. Aufrecht sitzen beugt Haltungsschäden vor. Nicht fläzen, keinen Buckel machen, sondern versuchen, den Rücken gerade und die Beine im 90-Grad-Winkel zu halten.

2. Öfter mal aufstehen! Zu lange sitzen ­verspannt. Kleine Spaziergänge helfen auch im Büro, den Rücken zu entspannen.

3 Dehnübungen machen. Zum Beispiel: Schultern hochziehen, dann kreisen lassen. Oder: Oberkörper zwischen die Beine nach vorne fallen lassen und auspendeln.

4. Platzieren Sie den Monitor direkt vor sich, dann müssen Sie den Kopf nicht drehen.

5. Die Lehne soll die Wirbelsäule von oben bis unten stützen. Die Hände häufig auf die Tischplatte legen – zur Schulter-Entlastung.

Mehr Tipps in Schneiderhans Büchern „Dein Rücken – endlich schmerzfrei“ (19,90 €) und „Schmerzfrei – Daheim & im Büro“ (9,90 €), beide im Oberbeil Verlag.

Andreas Thieme

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