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Dieser Sensor am Arm liefert zwei Wochen lang Daten, dann muss er ausgetauscht werden. Aber nicht alle Krankenkassen erstatten bislang die Kosten für diese Erleichterung. 

Blutzuckerwert

Scannen statt stechen: Hilfe für Diabetiker

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München - Eine Erleichterung für Diabetiker: Anstatt sich sechs Mal am Tag zum Messen des Blutzuckerwertes zu stechen, kann der Glukosewert über einen Scanner am Arm ermittelt werden. Das hilft gerade auch für Kinder.

Max ist zehn Jahre alt. Er geht in die fünfte Klasse des Gymnasiums. Wenn seine Mitschüler in der Pause ihre belegten Brote essen, muss Max erst einmal seinen Blutzuckerwert messen, das heißt Hände waschen, die Stechhilfe präparieren, den Teststreifen einführen, sich piksen, das Blut auf den Streifen auftragen und das Ergebnis notieren.

Max hat nämlich seit seinem dritten Lebensjahr Diabetes des ersten Typs. Etwa vier mal am Tag muss er sich Insulin spritzen, sechs bis sieben Mal misst er seinen Blutzucker. Doch nicht nur das. Max hat damit auch eine riesige Verantwortung für sich selbst, vor allem in der Schule, wenn seine Eltern nicht da sind. Vernachlässigt er, seinen Blutzuckerspiegel zu kontrollieren, kann es sehr gefährlich werden. Sein Vater, der lieber anonym bleiben möchte, sagt: „Man muss immer Angst haben, dass er stirbt.“ Nun ist eine neue Messtechnik auf den Markt gekommen. Sie ermöglicht Diabetikern, ihren Glukosewert mithilfe eines Scanners zu ermitteln. Der Diabetiker kann den aktuellen Wert und einen Trend jederzeit über ein Lesegerät nachvollziehen. Der Sensor kann am Oberarm angebracht werden. Er speichert die Werte alle 15 Minuten. So ergibt sich eine Kurvenlinie, die dem Diabetiker zeigt, ob er demnächst etwas essen sollte oder nicht.

Hinzu kommt: Man kann mit dem Sensor baden oder Sport treiben. Alle zwei Wochen muss er ausgewechselt werden. Erwachsene und Kinder ab vier Jahren können das Gerät mit der Bezeichnung „Freestyle Libre“ verwenden. „Warum stechen, wenn man scannen kann?“, wirbt der Hersteller „Abbott“ auf seiner Homepage.

Das Starterpaket mit einem Lesegerät und zwei Sensoren kostet 170 Euro. Pro Sensor, der alle zwei Wochen erneuert werden muss, zahlt man 60 Euro. Bisher übernehmen nur zwei der großen Krankenkassen, die Techniker und die DAK-Gesundheit, die Kosten für das innovative System. Ob andere nachziehen werden, ist unklar.

Zuständig für eine einheitliche Regelung wäre der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA), das oberste Beschlussgremium der gemeinsamen Selbstverwaltung der Ärzte, Zahnärzte, Psychotherapeuten, Krankenhäuser und Krankenkassen in Deutschland. Er legt fest, welche Leistungen die Gesetzliche Krankenkassenversicherung erstatten muss. Experten vermuten, dass sich der G-BA im kommenden Jahr mit dem „Freestyle Libre“ befassen wird.

Bereits im Juni hat das Gremium entschieden, die sogenannte „kontinuierliche Glukosemessung“ in die vertragsärztliche Versorgung aufzunehmen und eine entsprechende Richtlinie erlassen. Bei der Methode handelt sich um eine Messtechnik, bei welcher der Glukosewert von Menschen mit Diabetes mittels eines fadenförmigen Sensors kontinuierlich gemessen wird und diese Daten an eine Insulinpumpe oder ein anderes Empfangsgerät übertragen werden. Das Gerät warnt den Patienten bei kritischen Werten. Die Freestyle-Technik dagegen misst nur, gibt aber keinen Alarm ab.

Experten sehen in der zweiten Methode vor allem den Vorteil, dass sich die Therapie besser einstellen lässt. Aufgrund der Datenmenge und der Trendangabe, die das Gerät generiert, weiß der Patient, was zu tun ist. Hinzukommt, dass sich die Lebensqualität der Diabetiker verbessert. Schließlich können sie jederzeit und ohne große Vorbereitung den Glukosewert messen.

Insbesondere für Eltern von kleinen Kindern mit Diabetes ist es eine Erleichterung. Schließlich können sie zum Beispiel den Wert des Kindes messen, wenn es schläft oder ihr Kind unbesorgt zu einem Schulausflug schicken, weil im Notfall auch die Lehrerin einen Blick auf die Werte werfen kann.

Auch Max’ Vater spricht von einer „unfassbaren Erleichterung“. Die Familie testet „Freestyle Libre“ zunächst. Max ist begeistert. Schließlich fällt nun das lästige Mess-Prozedere weg. Als die zwei Testwochen ablaufen, ärgert er sich. Seine Eltern geben daher inzwischen jeden Monat 120 Euro für die Sensoren aus. Ihre Krankenkasse gehört zu denen, welche für die Kosten bisher noch nicht aufkommen. Vielleicht ändert sich das bald.

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