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Die Schilddrüse st nur 30 bis 60 Gramm schwer und hat die Form eines Schmetterlings, der sich unterhalb des Kehlkopfes um die Luftröhre schmiegt.

Das kann die Radiofrequenzablation

Schilddrüse: Hitzetod für Knoten

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Sie ist nur 30 bis 60 Gramm schwer und hat die Form eines Schmetterlings, der sich unterhalb des Kehlkopfes um die Luftröhre schmiegt. Die Schilddrüse spürt und sieht man normalerweise nicht – solange alles gut läuft.

Die Schilddrüse - als Zentrum eines fein justierten Kreislaufs produziert das Miniorgan die lebenswichtigen Hormone T3 und T4. Gerät die Schaltzentrale aus dem Takt, weil in ihr z. B. Knoten wachsen, lässt eine Überfunktion das Herz rasen. Eine Unterfunktion macht depressiv und schlapp. 

Schilddrüsenerkrankungen sind eine Volkskrankheit. Jeder fünfte Deutsche zwischen 20 und 79 Jahren hat Wucherungen in der Schilddrüse. Jedes Jahr werden in Deutschland 80 000 bis 90 000 Menschen an der Schilddrüse operiert. Das sind deutlich mehr als im Vergleich zu anderen Industrienationen. Aus Asien kommt jetzt eine neue Behandlungsmethode, die vielen eine Operation ersparen könnte. Die Knoten werden mithilfe einer heißen Sonde weggeschmolzen. Alle Begriffe und Fragen rund um die Schilddrüse und wie diese Radiofrequenzablation funktioniert, erklärt Dr. Axel Wagenmann vom Diagnostik-Zentrum München.

Überfunktion – Unterfunktion 

Produziert die Schilddrüse zu wenig oder zu viele Hormone kann das zahlreiche Konsequenzen haben. Bei einer Überfunktion, Hyperthyreose, werden zu viele Hormone gebildet. Dadurch wird der Enerigestoffwechsel im Körper beschleunigt. 

Es kann zu folgenden Symptomen kommen: Hitzewallungen, Zittern, Gewichtsabnahme, Haarausfall, Nervosität, Schlaflosigkeit, Potenzprobleme, Herzrasen. Werden zu wenig Schildrüsenhormone produziert, verlangsamen sich die Körperprozesse. 

Die Unterfunktion (Hypothyreose) kann angeboren sein oder sich im Laufe des Lebens entwickeln. Sie wird zum Beispiel durch Jodmangel verursacht. 

Symptome können sein: verlangsamter Stoffwechsel und Übergewicht, Müdigkeit, Verstopfung, trockene Haut, struppige, trockene Haare, Verlust des sexuellen Verlangens. Bei einer Unterfunktion kann sich die Schilddrüse vergrößern und durch einen Kropf bemerkbar machen, in der Medizin auch Struma genannt. Aber auch eine Überfunktion kann die Schilddrüse sichtbar vergrößern.

Was sind Schilddrüsenknoten? 

Als Schilddrüsenknoten werden Gebiete innerhalb der Schilddrüse bezeichnet, in denen sich Zellen vermehren oder vergrößern. Manche Knoten werden rasch größer, manche hören irgendwann auf zu wachsen. Es gibt sogenannte heiße und kalte Knoten

Bei der Unterscheidung geht es darum, ob die Zellen Hormone speichern oder nicht. Knoten, in denen mehr Hormone gespeichert werden als im übrigen Schilddrüsengewebe, gelten als heiße Knoten. Wenn im Knoten keine Hormone gespeichert, wird er als kalt bezeichnet. Kalte Knoten können in seltenen Fällen (circa vier Prozent) entarten und bösartig werden. 

Dr. Axel Wagenmann: „Mit einer Szintigraphie kann man abklären, ob der Knoten heiß oder kalt ist, also ob dort Hormone gespeichert werden oder nicht. Dabei werden schwach radioaktive Substanzen in den Körper gespritzt, eine Kamera misst dann die Strahlung.“ 

Kalte Knoten können mit einer sogenannten MIBI-Szintigraphie, einer Feinnadelpunktion und einen Doppler-Ultraschall näher auf bösartige Veränderungen untersucht werden. In den allermeisten Fällen sind sie gutartig.

Wie werden Schilddrüsenknoten ­bisher behandelt? 

Es gibt verschiedene Verfahren. Mit Medikamenten kann eine Über- oder Unterfunktion kompensiert werden. Damit kommen viele Menschen gut zurecht, viele haben jedoch mit den Nebenwirkungen der Arzneimittel auch zu kämpfen. Möglich ist auch eine Radiojodtherapie, bei der der Patient eine radioaktive Substanz schluckt, die sich in der Schilddrüse anreichert und die Knoten von innen heraus bestrahlt. Dafür ist jedoch ein stationärer Aufenthalt im Krankenhaus nötig. Häufig wird zu einer Operation geraten. Dabei werden die Knoten entfernt. 

Die Operation gilt als sicher. Dennoch kann es zu Komplikationen kommen. Neben den üblichen Risiken der Vollnarkose oder Entzündungen der Wunde, ist die Verletzung des Stimmbandsnervs (Rekurrenznerv) besonders gefürchtet. Er versorgt den Kehlkopf, und wird dieser Nerv verletzt, sind Sprachstörungen, Stimmbandlähmung oder ständige Heiserkeit die Folge.

Wie funktioniert die Radiofrequenzablation (RFA)? 

Dr. Axel Wagenmann ist Facharzt für Nuklearmedizin.

Mit Hilfe von Radiofrequenzwellen wird in einer Sonde ein Stromfluss und damit Wärme erzeugt, mit der Gewebe geschmolzen werden kann. Der Patient erhält lediglich eine örtliche Betäubung, der Eingriff kann ambulant erfolgen. Eine Sonde wird unter Ultraschall direkt in den Knoten eingeführt. Der Arzt pikst mit der Sonde, die in einer etwa stricknadeldicken Nadel sitzt, in den Knoten hinein. Zuvor wird im Ultraschall der Stimmbandnerv dargestellt.

Dr. Axel Wagenmann: „Der Arzt sieht den Nerv und wird ihm nicht zu nahe kommen.“ Die Sonde erzeugt in ihrem Zentrum, also in einem sehr begrenzten Areal, eine Wärme von 60 bis 90 Grad. Der Rest der Sonde bleibt kühl, sodass keine Gefahr von Verbrennungen z. B. an der Haut besteht. Die erhitzten Zellen sterben ab. Nach dem Eingriff kann der Patient heimgehen. Die Wunde an der Haut ist klein, es bleibt keine Narbe sichtbar.

Wie erfolgreich ist die RFA? 

Aktuelle Studien zeigen, das das Volumen der Knoten drei Monate nach der Behandlung durchschnittlich um 30 bis 50 Prozent weniger geworden ist, nach sechs Monaten hat es sich um 40 bis 65 Prozent reduziert und nach einem Jahr ist es durchschnittlich 50 bis 90 Prozent kleiner geworden.

Wer zahlt den Eingriff? 

Bisher zahlen nur private Krankenkassen eine Radiofrequenzablation. Das Verfahren wird erst seit 2012 und bisher nur in wenigen Kliniken in Deutschland angeboten. Im Zweifelsfall muss der Patient mit seiner Krankenkasse verhandeln, schließlich erspart er ihr ja die Kosten für eine Operation. Der Eingriff, der unter sterilen Bedingungen stattfindet, kostet um die 2000 Euro. Sehr teuer ist die Sonde, die jeweils nur einmal verwendet werden kann. 

S. Stockmann


RFA: Kleine Risiken, aber großer Nutzen

Im Diagnostik-Zentrum bieten Sie die Radiofrequenzablation an. Für wen ist sie geeignet?

Dr. Axel Wagenmann: Sie ist generell geeignet, wenn es sich um einzelne oder wenige Knoten handelt. Sie ist nicht geeignet bei bösartig veränderten Knoten. Kalte Knoten müssen genau abgeklärt werden, ob sie gutartig sind. Da gibt es jedoch mittlerweile sehr gute Verfahren. Besteht nur der kleinste Verdacht auf Malignität (Bösartigkeit), muss operiert werden.

Wem empfehlen Sie die Behandlung?

Wagenmann: Jedem, der eine Überfunktion und einen gewissen Leidensdruck hat. Viele ältere Patienten möchten eine Operation mit den Risiken der Vollnarkose und den stationären Aufenthalt im Krankenhaus vermeiden. Auch eine Radiojodtherapie, bei der die Knoten von innen heraus bestrahlt werden, ist mit einem Klinikaufenthalt verbunden. Viele Patienten leiden unter Nebenwirkungen der üblichen Schilddrüsenmedikamente und wünschen sich eine Alternative zur Operation. Sehr kleine Knoten machen meist keine Probleme. Aber ab einer Größe von zwei, drei Milliliter kann es zu einer maßgeblichen Überfunktion kommen. Die Größe der Knoten wird als Volumen in der Einheit Milliliter angegeben. In einer Minute können wir mit der Radiofrequenzablation einen Milliliter Knotengewebe behandeln. Man kann auch mehrere Knoten an einem Tag behandeln. Der Eingriff dauert halt dann je nach Größe der Knoten entsprechend länger. Für ein ausgeprägten Struma (Kropf) mit mehreren heißen und womöglich auch kalten Knoten wird man jedoch eher ein anderes Verfahren vorschlagen. Die Radiofrequenzablation ist auch für Patienten geeignet, die schon einmal operiert wurden, und bei denen sich nun ein neuer Knoten gebildet hat.

Sind die Knoten ganz weg?

Wagenmann: Nein, die Hitze bringt die Zellen zum Absterben, sie werden vom Körper selbst beseitigt. Die Knoten verlieren ihre Wirkung, das heißt, es werden keine Hormone mehr produziert. Sie schrumpfen, aber sie verschwinden nicht komplett. Wer die Knoten ganz loswerden will, muss sich immer noch operieren lassen. Aber ich empfehle allen, denen zu einer Operation geraten wird, sich eine Zweitmeinung einzuholen, ob nicht ein schonenderer Eingriff möglich ist.

Gibt es Nebenwirkungen?

Wagenmann: Da es sich um eine lokale Verbrennung handelt, kann es zu Halsschmerzen und Schwellungen kommen. Dagegen bekommen die Patienten Ibuprofen und Voltaren. Verletzungen an Gefäßen und Nerven kann man durch die Kontrolle des Eingriffs per Ultraschall sicher verhindern.

Dr. Wagenmann ist Leiter der Nuklearmedizin in der Diagnostik München. Infos unter: www.diagnostik-muenchen.de

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