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Profis unter sich: Unsere Experten begutachten zwei Schlafmasken. Prof. Christian Stief (l.) moderierte den Abend in der Alten Rotation. Neben ihm (v. l.) Apotheker Dr. Stephan Schultes, Psychiaterin Dr. Kristina Bain-Bold, dann Dr. Maximilian Bauer, Leiter des Schlaflabors der Asklepios-Lungenfachklinik in Gauting bei München, und Dr. Clemens Heiser, Leiter des Schlaflabors der HNO-Klinik im Klinikum rechts der Isar in München.

Endlich wieder ruhig schlafen

Schlafstörungen: Die wichtigsten Fragen und Antworten

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München - Sie finden keinen Schlaf, wachen oft auf, haben Atemaussetzer: Viele Menschen leiden an Schlafstörungen. Wie sie endlich wieder zu einer erholsamen Nacht finden – darüber informierten sich fast 200 Leser bei der „Merkur-Sprechstunde“. Hier die wichtigsten Fragen und Antworten.

Wie viel Schlaf brauchen wir – und wozu? 

Eines hat der Mensch mit Hund und Katze gemeinsam: Sie brauchen Schlaf – so wie alle Säugetiere. „Schlaf ist etwas Universelles“, erklärt Dr. Maximilian Bauer, Leiter des Schlaflabors der Asklepios-Lungenfachklinik in Gauting bei München. In der Nacht kann der Körper endlich mal Pause machen. Dann schlägt das Herz langsamer, der Blutdruck sinkt, Muskeln erschlaffen. Selbst die Hirnströme werden langsamer. Also abends müde ins Bett, morgen erholt wieder aufstehen – aber wie lang muss man dafür schlafen? Das sei von Mensch zu Mensch verschieden, erklärt Dr. Kristina Bain-Bold, Psychiaterin mit eigener Praxis in München. Dem einen reichten sechs Stunden, andere brauchten zehn.

Wann spricht man von einer Schlafstörung? 

„Bei jedem gibt es mal eine Phase, in der er schlecht schläft“, sagt Dr. Bain-Bold. Von einer Schlafstörung spreche man, wenn die Probleme mindestens drei Mal pro Woche auftreten und drei Monate anhalten. Und: Wenn darunter auch die Lebensqualität leide. Wer nicht bis zum Morgen durchschläft, müsse sich indes nicht gleich sorgen: Es sei normal, nachts immer wieder aufzuwachen, sagt Schlafmediziner Dr. Bauer. An kurze Pausen erinnere man sich morgens ohnehin nicht mehr. Und: Es ist auch normal, dass der Schlaf im Alter unruhiger werde, erklärt Dr. Bain-Bold. Man wache öfter auf, schlafe weniger tief und liege länger wach, ehe man wieder einschläft.

Welche Ursachen können Schlafstörungen haben? 

Es kann viele Gründe haben, wenn die Nacht keine Erholung bringt. Sie reichen von nächtlichem Lärm über ein zu helles Schlafzimmer bis hin zur abendlichen Tasse Kaffee – einem echten Muntermacher. Weniger bekannt: Auch Medikamente könnten den Schlafrhythmus durcheinander bringen, erklärt Dr. Stephan Schultes, Apotheker aus Altomünster (Kreis Dachau). Oft seien es schlicht die Sorgen des Alltags, die Patienten um den Schlaf brächten, sagt Psychiaterin Dr. Bain-Bold. Doch könnten auch psychiatrische Erkrankungen wie Depression oder eine Angststörung den Schlaf rauben. Hinzu kommen eine Vielzahl organischer Ursachen, etwa das „Restless-Legs-Syndrom“. Wer daran leidet, dem rauben unruhige und zuckende Beine die Ruhe. Besonders häufig ist Schlafapnoe – gemeint sind nächtliche Atemaussetzer.

Schlafapnoe: Wie erkennt man sie und was hilft? 

Patienten, die im Schlaf immer wieder kurze Atemaussetzer haben, bemerken das meist nicht – allenfalls, dass sie tagsüber müde sind und leicht einschlafen. Was bei einer Schlafapnoe passiert: Da die Muskeln im Schlaf erschlaffen, fällt die Zunge zurück, blockiert die Luftröhre. „Ein mechanisches Problem“, sagt Dr. Clemens Heiser, Leiter des Schlaflabors der HNO-Klinik am Klinikum rechts der Isar in München. Die Folge: Der Patient wacht auf, schnappt nach Luft, schläft weiter. Meist ist es erst der Partner, dem die Atemaussetzer auffallen. Ein hohes Risiko habe auch, wer schnarcht, übergewichtig ist und hohen Blutdruck hat, erklärt Dr. Bauer. Die Atemaussetzer belasten nämlich Herz und Kreislauf.

Abhilfe schafft meist eine sogenannte „Überdruckbeatmung“: Der Patient trägt dazu nachts eine Atemmaske, die mit einem kleinen Gerät verbunden ist. Der leichte Überdruck hält die Atemwege offen. Diese „Maskentherapie“ sei die beste Methode, eine Schlafapnoe zu behandeln, sagt Dr. Bauer. Das sieht auch sein Kollege Dr. Heiser so: Manchmal seien aber auch operative Methoden sinnvoll, sagt er – etwa bei stark vergrößerten Mandeln. Und: Es gebe auch Patienten, die mit der Atemmaske nicht zurechtkommen. Ihnen könne ein „Zungenschrittmacher“ eingesetzt werden: eine Elektrode, die nachts beim Einatmen die Nerven stimuliert. Diese verlagern die Zunge nach vorn, was wiederum die oberen Atemwege öffne und Atemaussetzer verhindere.

Wie findet man zu einem guten Schlaf zurück? 

Schlafprobleme können schnell chronisch werden, erklärt Psychiaterin Dr. Bain-Bold. Dann werde ein Teufelskreis in Gang gesetzt: Die Angst vor der nächsten schlaflosen Nacht lasse einen abends erst recht nicht zur Ruhe kommen. Die Therapie: Alles vermeiden, was den Schlaf stören kann (Kasten). Entspannungstechniken wie die „Progressive Muskelrelaxation“ oder CDs mit sanfter Musik oder Meeresrauschen sind oft hilfreich.

Schlafmittel – sind sie hilfreich oder gefährlich? 

Schlafmittel allein können das Problem zwar nicht lösen – aber helfen, den Teufelskreis der Schlaflosigkeit zu durchbrechen, sagt Dr. Bauer. Zum Einsatz kommen oft sogenannte Benzodiazepine, erklärt Apotheker Dr. Schultes. Die fördern das Einschlafen, können aber auch abhängig machen, wenn man sie zu lange nimmt. Etwas geringer sei diese Gefahr bei sogenannten Benzodiazepin-Analoga. Aber: Senioren, die nicht mehr so sicher auf den Beinen sind, sollten aufpassen. Die muskelentspannende Wirkung vieler Schlafmittel könne das Risiko für Stürze erhöhen – ein Problem, wenn man nachts mal zur Toilette muss.

Wie hilft die Naturheilkunde? 

Auch die Apotheke der Natur hat viel zu bieten. Der Klassiker: Baldrian. Schon Hildegard von Bingen, Klosterfrau und Kräuterkennerin des Mittelalters, schätzte Baldriantee als Schlummertrunk. Heute gibt es ihn auch in Tablettenform, oft in Kombination mit Hopfen, erklärt Apotheker Dr. Schultes. Eine weitere gern genutzte Pflanze ist Melisse. Zudem die Passionsblume – sie komme zwar nicht wie Hopfen und Melisse „aus der traditionell bayerischen Medizin“, helfe aber das nächtliche „Gedankenkarussell“ zu durchbrechen.

Andrea Eppner, Angelika Mayr

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