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Ein gesunder Lebensstil tut gut, fällt aber häufig schwer.

130.000 Todesfälle im Jahr

Schlaganfall: So können Sie ihn vermeiden

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München - Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind die häufigste Todesursache, gefolgt von Krebserkrankungen und Schlaganfällen – Krankheiten, die durch eine ungesunde Lebensweise verursacht oder gefördert werden.

Jeder kennt ihn, den gesunden Lebensstil. Vier Dinge gilt es zu beachten: nicht rauchen, Normalgewicht halten, sich gesund ernähren und regelmäßig bewegen. Das klingt nicht so schwierig, ist aber für viele unmöglich. Die Hälfte der Deutschen ist zu dick. Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind die häufigste Todesursache, gefolgt von Krebserkrankungen und Schlaganfällen – Krankheiten, die durch eine ungesunde Lebensweise verursacht oder gefördert werden. Warum ist es so schwer, gesünder zu leben? Fragen anlässlich des Tags des Schlaganfalls an den Motivationspsychologen Rolf Schmiel.

Wir wissen, wie wir gesünder leben könnten, tun es aber nicht. Warum?

Rolf Schmiel: Das ist das Phänomen Aufschieberitis, in der Psychologie Prokrastination genannt. Wir wissen, was gut für uns wäre, tun es aber trotzdem nicht. Und das ist kein Einzelfall, sondern die Normalität.

Jeder möchte schlank, attraktiv und gesund sein. Aber anstrengen möchte man sich dafür nicht.

Schmiel: Wenn gesundheitsschädigendes Verhalten sofort bestraft werden würde, wenn wir den Effekt sofort sehen oder spüren könnten, dann würden wir es nicht wieder machen. Denn nicht der Kopf, die Gefühle steuern uns. Die ersten angenehmen Gefühle beim Belohnen mit einem Stück Sahnetorte oder die drei Flaschen Bier am Abend sind uns wichtiger als die langfristigen Konsequenzen. Es müssen schon einige Faktoren zusammenkommen, damit wir zu handeln beginnen.

Was sind das für Faktoren?

Schmiel: Wir brauchen Gründe, um in Bewegung kommen. Wir werden dann aktiv, wenn der befürchtete Schmerz oder die Belastung zu groß ist. Oder wir bewegen uns endlich, wenn eine große Belohnung damit verbunden ist. In der Psychologie gibt es den Hawthorne-Effekt, benannt nach einer Stadt in den USA, wo in einem Unternehmen untersucht wurde, unter welchen Bedingungen Menschen bereit sind, besonders gute Leistungen zu erbringen. Das Ergebnis: Wir strengen uns an, wenn andere uns dabei beobachten. Immer wenn die Forscher genau hingesehen haben, gab es gute Ergebnisse. Mein Tipp ist daher: Man muss sich mit Menschen umgeben, die einen unterstützen und begleiten. Das können gemeinsame Sport- und Abnehmgruppen sein.

Wer die Gruppe verlässt, futtert sich oft die verlorenen Kilos wieder an.

Schmiel: Man hat viele dieser Konzepte untersucht und festgestellt, dass bei rund 20 Prozent der Teilnehmer kein Programm einen Erfolg zeigt. Diese Menschen wollen zwar, aber bleiben in den eigenen Verhaltensweisen hängen. Auf der anderen Seite gibt es 20 Prozent, die schaffen tatsächlich eine Wende, sie ändern ihr Verhalten langfristig. Bei rund 60 Prozent jedoch läuft es typischerweise so, dass es Erfolge gibt und eine Weile durchgehalten wird. Aber wenn es dann läuft, verlassen die Leute die Gruppe und fallen in die alten Verhaltensweisen zurück. Diese Leute brauchen die Gruppe langfristig.

Lebenslang zu Gruppensitzungen zu laufen, kann doch nicht die Lösung sein!

Motivationspsychologe Rolf Schmiel.

Schmiel: Gleichzeitig müsste man beginnen, sich den tiefer liegenden Ursachen zu stellen. Gesund leben umfasst ja nicht nur, wie ich mich ernähre und bewege, sondern es hat viel damit zu tun, welcher Belastung ich ausgesetzt bin. Je größer der psychische Druck im Beruf oder in der Partnerschaft, umso schwerer fällt es, gesund zu leben. Dort wo der Stress groß ist, ist das gesunde Verhalten meistens klein. Man sollte sich fragen: Was stresst mich, und kann ich das ändern? Jeder Mensch hat die freie Wahl, wie er mit sich und seinem Körper umgehen möchte. Es ist ja nicht meine Aufgabe als Motivationspsychologe, den Menschen vorzuschreiben, wie sie zu leben haben. Was ich mir wünsche: Triff eine Entscheidung und stehe dazu. Wenn du mit der Situation unzufrieden bist, dann ändere sie. Denn sich beschweren führt nicht zu besseren Ergebnissen. Solange wir uns den Wahrheiten des Lebens nicht stellen, ist es sehr schwer, sich auf Dauer positiv zu verändern.

Tipps vom Psychologen: So halten Sie durch!

  1. Hör auf, dich selbst zu belügen! Schon der Volksmund sagt: Einsicht ist der erste Schritt zur Besserung. Solange das Bewusstsein „Ich muss etwas anders machen“ nicht da ist, werden alle Maßnahmen verpuffen.
  2. Verbündete suchen: Menschen, die den Plan unterstützen, Sport- oder Diätgruppen. Das kann auch die beste Freundin sein, Menschen, die einem Mut zusprechen, einen aber auch herausfordern.
  3. Man braucht einen konkreten Plan, dessen Umsetzung man kontrollieren kann. Es gibt einen typischen Dreisatz des Versagens: ausfallen lassen, schleifen lassen, sein lassen. Mit der ersten Ausnahme beginnt meistens das Ende eines positiven Projekts. Es sei denn, die Ausnahme ist geplant, z. B. als Schummeltag.
  4. Der Plan muss zu einem passen: Einfach einen Standardplan abarbeiten, bringt wenig. Nicht jeder kann jeden Morgen eine halbe Stunde joggen gehen, aber vielleicht kann man den Weg zur Arbeit zum Teil zu Fuß gehen oder abends einen Spaziergang machen.
  5. Das große Ziel in kleinen Schritten ansteuern: Wir setzen uns häufig zu große Ziele, für die wir uns zu klein fühlen. Wenn wir immer nur ein bisschen besser werden, haben wir langfristig eine deutlich bessere Lebensqualität mit entsprechender Lebensfreude. Also: Jeden Tag ein bisschen Bewegung, ein bisschen länger an die frische Luft, ein bisschen mehr Wasser trinken als am Tag zuvor.
  6. Wir brauchen Pausen: Wir haben zu wenig Zeit für uns selbst und unser Wohlergehen. Die Menschen haben verlernt, Pausen zu machen. Früher wurde in einer Pause nichts gemacht, heute sind alle online und beschäftigen sich wieder mit irgendetwas. Der Mensch braucht echte Momente der Ruhe und Einkehr, um Auftanken zu können.
  7. Sei anspruchsvoll dir selbst gegenüber. Denn wer erkennt, was für ein großartiges Wesen und wie einzigartig er ist, geht automatisch bewusster und verantwortungsvoller mit sich selbst um.

Gefahr Blutdruck

Mehr als 130.000 Schlaganfälle pro Jahr könnten Experten zufolge bei gesunder Lebensführung in Deutschland verhindert werden. Ein Risikofaktor ist der weit verbreitete Bluthochdruck, wie die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe mitteilte. Die Zahl von Hirninfarkten könnte drastisch reduziert werden, wenn bestimmte Patientengruppen ihren Bluthochdruck senkten. Dafür reiche oft bereits regelmäßiges Sporttreiben und gesündere Ernährung.

„Unser Blutdruck wird zu 60 bis 70 Prozent durch unseren Lebensstil bestimmt“, sagte Bettina Begerow von der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe in Gütersloh. Laut Deutscher Hochdruck-Liga haben bundesweit 20 bis 30 Millionen Menschen zu hohen Blutdruck. Sie haben den Angaben zufolge ein mindestens vierfach erhöhtes Risiko, einen Schlaganfall zu bekommen. Auch salzreiche Ernährung und Vorhofflimmern, das oft nicht bemerkt wird, sind neben Diabetes und Fettstoffwechselstörungen ein weitere Risikofaktoren für den Hirninfarkt.

Ungefähr jeder fünfte Schlaganfall kann auf Vorhofflimmern zurückgeführt werden, und fast zwei Millionen Menschen sind in Deutschland an dieser Herzrhythmusstörung erkrankt. Dabei könnten zwei von drei Schlaganfällen verhindert werden, wenn Risikofaktoren frühzeitig erkannt und eine optimale Prävention durchgeführt würde.

Weitere Informationen finden Sie unter www.schlaganfall-verhindern.de

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