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Beim Schlaganfall zählt jede Sekunde. Deswegen ist es wichtig erste Anzeichen sofort zu erkennen und sofort den Notarzt zu rufen.

So beugen Sie vor

Schlaganfall: Risiko in der Halsschlagader

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Wegen einer Verengung der Halsschlagader musste Christine Haderthauer sofort in die Klinik: Schlaganfall-Gefahr! Warum die Hasschlagader so eine große Rolle spielt und wie sie vorsorgen können.

Christine Haderthauer ist knapp am Schlaganfall vorbei! Wie wir am Dienstag berichtete, musste die CSU-Politikerin wegen einer Verengung der Halsschlagader ins Krankenhaus. Die Staatskanzlei ließ verlauten: „Staatskanzleiministerin Haderthauer ist voraussichtlich zwei Wochen außer Gefecht. Es ist reine Glückssache, dass dieses Geschehen so glimpflich verlaufen ist. Momentan sind Ruhe und Disziplin wichtig für den Heilungsverlauf.“ Trotz der verordneten Ruhe hat sich Haderthauer gestern per Facebook zu Wort gemeldet und Entwarnung gegeben. Volkskrankheit Schlaganfall! Lesen Sie hier, warum gerade die Halsschlagader so gefährlich ist, und wie Sie Vorsorge betreiben können. Der Münchner Gefäßchirurg Prof. Hans-Hennig Eckstein verrät seine zehn besten Tipps.

Risiko Schlaganfall

Münchner Gefäßchirurg Prof. Hans-Hennig Eckstein verrät seine zehn besten Tipps.

Wir können sie ertasten und den Puls fühlen – aber wir können nicht hineinschauen. Und das ist gefährlich: Denn die Halsschlagader ist eine „anatomische Schwachstelle“, sagt Prof. Hans-Henning Eckstein, Direktor der Gefäßchirurgie im Klinikum rechts der Isar. „Etwa 20.000 bis 30.000 der 250.000 Schlaganfälle pro Jahr gehen von hier aus.“

Das Problem: Die Halsschlagader teilt sich unter dem Kopf in die innere und äußere Schlagader. Eckstein: „An Gefäßaufteilungsstellen ist die Arteriosklerose, also die Kalk- oder Blutfettablagerung, besonders häufig. Hier ist die Aufteilungsstelle auch noch leicht erweitert. Da kann es zu Verwirbelungen kommen, die die innere Gefäßschicht reizen.“

Zu Ablagerungen an dieser Stelle kommt es bei sehr vielen Menschen, aber nur ein Bruchteil der Patienten erleidet einen Schlaganfall. Das Risiko für höhergradige Gefäßablagerungen – wo auch immer – ist bei über 65-jährigen Männern, Rauchern, bei Patienten mit hohem Blutdruck und hohen Blutfettwerten sowie bei Patienten, die bereits einen Herzinfarkt hatten oder an Durchblutungsstörungen in den Beinen leiden, höher.

Ablagerungen können sich lösen

Bei der Halsschlagader ist die geringere Durchblutung nicht unbedingt das Problem, wie Eckstein erklärt: „Im Kopfbereich gibt es viele Umgehungsläufe für das Blut. 9 von 10 Embolien kommen durch Verschleppung von Gerinnseln, die sich dort bilden.“ Es kann sich um Blutgerinnsel, Kalkteile oder kleine Kristalle handeln, die sich lösen. Größere Teile können Arterien verstopfen. Der Verschluss führt zum Hirninfarkt, dem Schlaganfall. Mögliche Symptome: Seh- oder Sprachstörungen, Taubheitsgefühle oder Lähmungen oder starker Kopfschmerz. Rund 20 Prozent der Schlaganfallpatienten sterben innerhalb von vier Wochen, über 37 Prozent innerhalb eines Jahres.

10 Tipps zur Vorbeugung

Arteriosklerose ist lebensgefährlich – ob in der Halsschlagader oder in anderen Gefäßen. Das Problem: Es gibt keine klassischen Vorsorgeuntersuchungen wie etwa die Darmspiegelung bei der Krebsvorsorge. Oft wird das Problem erst bemerkt, wenn der Patient schon einen Schlaganfall hatte.

  1. „Patienten, die Arteriosklerose oder Durchblutungsstörungen haben oder etwa bereits eine Erweiterung oder OP der Herzkranzgefäße hatten, sollten eine Ultraschalluntersuchung machen“, rät der Direktor der Gefäßchirurgie, Hans-Henning Eckstein. In der Regel zahlt das die Kasse.
  2. Auch genetisch vorbelastete Menschen oder andere verunsicherte Personen können ein Gefäß-Screening mit dem Ultraschall machen lassen. Die Kosten belaufen sich auf etwa 30 bis 50 Euro, manchmal aber auch mehr. Aber Vorsicht: „Solche Untersuchungen sind bei jungen, fitten Menschen nicht nötig“, sagt der Münchner Experte.
  3. Hören Sie auf zu rauchen! „Rauchen ist der Gefäßkiller Nummer eins“, sagt Gefäßchirurg Eckstein. Nikotin verengt die Gefäße und verschlechtert die Durchblutung. Das Risiko für Raucher, einen Schlag­anfall zu erleiden, ist doppelt so hoch.
  4. Achten Sie auf Ihr Cholesterin und die Blutfettwerte – lassen Sie den Cholesterinspiegel kontrollieren! Eckstein rät: „Essen Sie weniger tierische Fette, und steigen Sie zum Beispiel auf Olivenöl um. Studien zeigen, dass mediterrane Kost das Schlaganfallrisiko verringert.“
  5. Messen Sie regelmäßig Ihren Blutdruck! Eckstein: „Das ist der allerwichtigste Faktor bei der Schlaganfallprävention.“ Ein unbehandelter Bluthochdruck führt zu Gefäßwandschäden und kann schließlich zu Arteriosklerose führen.
  6. Viel Bewegung: Der Münchner Experte empfiehlt, sich mindestens dreimal pro Woche 30 bis 45 Minuten zu bewegen. Das bringt Sauerstoff in die Gefäße und macht sie elastisch.
  7. Wenig Alkohol: Studien zeigen, dass ein kleines Glas Wein pro Tag sich sogar positiv auf das Hirninfarktrisiko auswirken kann. Aber mehr schadet immens!
  8. Achten Sie auf die korrekte Einstellung Ihres Blutzuckers. Dia­betiker haben ein zwei- bis dreifach höheres Risiko, weil der Zucker die Gefäßwände angreift.
  9. Nehmen Sie viele Ballaststoffe zu sich! Vollkorn- und Getreideprodukte wie Brot und Müsli, Gemüse, Obst und Hülsenfrüchte senken den Blutdruck.
  10. Hören Sie auf Ihr Herz: Falls das Herz unregelmäßig schlägt, sollten sie zum Arzt gehen. Der kann zum Beispiel Vorhofflimmern rechtzeitig erkennen und so das Risiko für eine Embolie senken.

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Nina Bautz

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