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Der Grüne Star ist heimtückisch: Etwa eine halbe Million Bundesbürger haben einen erhöhten Augeninnendruck - die meisten merken davon nichts.

Die schleichende Verschattung

Er gehört zu den häufigsten Ursachen von Blindheit, bei fast einer Million Menschen in Deutschland hat er sich eingenistet: Der Grüne Star.

Durch steigenden Augeninnendruck richtet er die Nervenfasern in Sehnerv und Netzhaut zu Grunde. Das von Medizinern auch Glaukom genannte Augenleiden ist tückisch.

Denn wenn der Betroffene die Sehstörung wahrnimmt, ist der Prozess meist schon sehr weit fortgeschritten und einmal entstandener Schaden lässt sich trotz modernster Technik kaum rückgängig machen. Wird ein Glaukom rechtzeitig erkannt, stehen die Chancen gut, dass zumindest die noch vorhandene Sehkraft erhalten bleibt. Regelmäßige Einnahme von Augentropfen kann den Augeninnendruck wieder senken. Wenn dies nicht ausreicht, kommt ein Lasergerät zum Einsatz. “Bei der Laserbehandlung werden kleine Löchlein in das innere Schwammwerk des Auges geschossen, damit das innere Augenwasser, das normalerweise durch dieses Schwammwerk filtriert wird, besser abfließen kann“, erklärt die Marburger Augenärztin Ilse Strempel. Viele Patienten können auf diese Weise bis ins hohe Alter gut mit dem Grünen Star leben.

Petti West hat ein angeborenes Glaukom. Die Berlinerin wurde bereits als Kind an den Augen operiert und nimmt seitdem Augentropfen. Eine Person auf der anderen Straßenseite erkennt sie eher am Gang als am Gesicht, und am Computer braucht sie eine Vergrößerungssoftware. Inwieweit ihre Sicht eingeschränkt ist, sei schwer zu sagen, da sie ja nicht wisse, wie es “normalerweise“ sei, sagt West. Wie heimtückisch die Krankheit ist, weiß sie dagegen sehr wohl. “Wenn der Druck zu hoch ist, merkt man das selber nicht. Von daher kann ich nur dringend zu einer regelmäßigen Glaukomvorsorge raten.“

Vorsorge nur gegen Bares

Die Kontrolle des Augeninnendrucks ist das sicherste Mittel, um Schlimmeres zu verhindern. Doch die Sache hat einen Haken. Ist ein Glaukom entdeckt, werden zwar alle Kosten zur Behandlung von den Krankenkassen übernommen. Die Vorsorge allerdings muss aus eigener Tasche bezahlt werden. Es habe sich gezeigt, dass ein Massen-Screening in der Kosten-Nutzen-Berechnung nichts bringe, sagt Strempel. Die Risikogruppen seien deshalb darauf angewiesen, sich selbst um regelmäßige Kontrollen zu bemühen.

Das Risiko, am Grünen Star zu erkranken, besteht vor allem ab dem 40. Lebensjahr. Bei gehäuftem Auftreten in der Familie, bei starker Kurz- oder Weitsichtigkeit sowie in Folge anderer Augenkrankheiten ist aber auch in jüngeren Jahren besondere Vorsicht geboten. Und das Risiko sollte nicht auf die leichte Schulter genommen werden. “Ein nicht erkanntes oder nicht ausreichend therapiertes Glaukom hat zunehmende Gesichtsfeldausfälle zur Folge und führt allmählich zur Erblindung“, warnt die Augenspezialistin Strempel.

Glaukom ist Volkskrankheit

Außer bei der eher seltenen Sondervariante des Engwinkelglaukoms, bei dem es zu einem Glaukomanfall mit stark schmerzenden und erröteten Augen kommen kann, gibt es beim Grünen Star keine vom Patienten selbst wahrnehmbaren Symptome. “Deshalb sind ja Vorsorge-Untersuchungen so wichtig: Man merkt es erst, wenn es viel zu spät ist“, sagt Gerald Böhme vom Berufsverband der Augenärzte Deutschlands (BVA). Glaukom sei die zweithäufigste Erblindungsursache und nach der deutschen Blindengeld-Statistik der dritthäufigste Grund für Blindengeld. Umso mehr verwundert es, dass die Vorsorge keine Kassenleistung ist.

 Für den BVA ist Glaukom eine Volkskrankheit. Allein in Deutschland seien etwa drei Millionen Menschen von erhöhtem Augeninnendruck betroffen 2,4 Prozent aller Personen ab dem 40. Lebensjahr und bis zu 8 Prozent der über 75-Jährigen. “Die Risikogruppen-Patienten sollten sich regelmäßig untersuchen lassen“, rät auch die Marburger Ärztin Strempel. Hat ein Glaukom den Sehnerv bereits geschädigt, ist der Schaden in der Regel nicht mehr rückgängig zu machen. Eine Therapie kann aber bewahren, was an Sehvermögen noch übrig ist und je früher die Therapie einsetzt, desto besser sind die Aussichten. “Viele Patienten haben einen Grünen Star und wissen nichts davon.“

dapd

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