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Immer mehr Parodontitis-Patienten in Münchens Praxen

Zahn-Alarm

Jeder Fünfte putzt nicht täglich Zähne

Wer geht schon gern zum Zahnarzt? Erst recht, wenn es nicht mehr nur zur Kontrolle ist. Umso erstaunlicher sind die Ergebnisse einer aktuellen Umfrage: Demnach putzen viele ihre Zähne kaum noch.

Die Deutschen setzen erstaunliche Prioritäten: So haben Meinungsforscher herausgefunden, dass fast jeder zweite die gründliche Pflege seines Autos für „sehr wichtig“ hält. Allein der Jahresumsatz der Waschanlagen liegt bei über 1,5 Milliarden Euro.

Wenn es um die eigenen Zähne geht, nehmen’s die Bundesbürger nicht so genau – und das, obwohl die Reparatur der Beißerchen sogar schnell mal teurer werden kann als die Mechaniker-Rechnung. Das belegt eine aktuelle Umfrage des Online-Portals zahnzusatzversicherungsvergleich.org. Danach putzen 21 Prozent ihre Zähne nicht täglich – jeder Fünfte ist also zu faul!

Dr. Wolfgang Bolz: Immer mehr Parodontitis-Patienten in Münchens Praxen

Mangelnde Hygiene – die Folgen werden immer dramatischer. Zwar haben die Karies-Erkrankungen abgenommen – auch dank besserer Aufklärungsarbeit in den Schulen. Dagegen steigt aber die Zahl der Parodontitis-Fälle kontinuierlich an. Darunter versteht man Zahnfleischbluten mit späterer Taschenbildung, was zum Zahnausfall führen kann. Besonders häufig sind Senioren betroffen. Studien belegen, dass 22,6 Prozent der über 65-Jährigen bereits keinen einzigen echten Zahn mehr im Mund haben, weitere 40 Prozent leiden unter akuter Parodontitis. Statistisch gesehen besitzen Menschen in dieser Altergruppe nur noch sieben natürliche Zähne pro Kiefer, also 14 ingesamt. Ein gesunder Erwachsener hat normalerweise 32 Stück.

„Leider wird Parodontitis auch bei jüngeren Patienten immer mehr zum Problem“, berichtet der renommierte Münchner Zahnarzt Dr. Wolfgang Bolz. Das liege allerdings nicht nur an den Putzmuffeln im Bad.

Der Zahn: Von Krone bis Wurzel

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Denn darüber hinaus hat Bolz einen Fehler in unserem Gesundheitssystem ausgemacht: „In Deutschland wird die Früherkennung von Parodontitis sträflich vernachlässigt.“ Dazu wären nämlich mehr Dentalhygienikerinnen erforderlich. Diese Fachkräfte flankieren die Arbeit der Zahnärzte, indem sie sich speziell um das Thema Sauberkeit im Mund kümmern. „Bei uns gibt es nur rund 700 Dentalhygienikerinnen, dagegen sind es allein in der Schweiz rund 20.000. Wenn wir die Dentalhygienikerinnen-Dichte der Schweiz haben wollen, bräuchten wir 28.000 für Deutschland“, kritisiert Bolz.

„Unsere Politiker müssen etwas tun, um mehr Anreize für diese Berufsgruppe zu schaffen. Dazu gehört unter anderem ein besseres Ausbildungs­system.“ Diese Investition würde sich lohnen, prophezeit der Zahnarzt: „Durch Früherkennung ließen sich 90 Prozent der Parodontitis-Fälle rechtzeitig behandeln.“

Für den Otto-Normalverbraucher ist die Früherkennung schwierig. „Wenn der Patient bemerkt, dass sein Zahnfleisch blutet, dann ist es oft schon zu spät“, erklärt Bolz. „Zahnärzte und Dentalhygienikerinnen entdecken Parodontitis viel früher. Sie können mit feinen Sonden bereits kleinere Blutungen in der Tiefe erkennen und dadurch noch rechtzeitig mit geeigneten Therapien reagieren.“ Dazu kommt, dass viele Patienten völlig falsch auf Zahnfleischbluten reagieren – und es damit oft noch schlimmer machen. Sie trauen sich nicht, die betroffenen Stellen mit ihrer Zahnbürste zu traktieren. „Das ist grundfalsch. Denn das Bluten ist die Folge einer Entzündungsreaktion, die von Bakterienbelägen verursacht wird. Diese Beläge müssen weg.

Deshalb gilt: Bei Anzeichen von Parodontitis sollte man sogar intensiver putzen als bei gesundem Zahnfleisch.“

Andreas Beez

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