Ergebnis da: Johnson folgt May - Kommt jetzt der No-Deal-Brexit?

Ergebnis da: Johnson folgt May - Kommt jetzt der No-Deal-Brexit?
+
Hat der Chirurg bei der Operation etwas verkehrt gemacht? Wer den Verdacht hat, sollte sich zuerst an den Arzt wenden.

Was Betroffene tun können

Schmerzensgeld wegen Ärztepfusch: So häufig behandeln Ärzte falsch

Ein Patzer bei der Operation oder Hygienemängel in der Praxis - beim Arzt- oder Klinikbesuch kann einiges schieflaufen. Wer einen Fehler vermutet, sollte wie folgt vorgehen.  

Gutachter der Krankenkassen haben im vergangenen Jahr mehr Behandlungsfehler in Krankenhäusern und Arztpraxen festgestellt als noch im Vorjahr. Bei 14.133 Gutachten nach Patientenbeschwerden wurden 3.497 Fehler aufgedeckt. In jedem fünften Fall verursachten die Fehler einen Schaden beim Patienten, der Anlass für die Überprüfung war, wie der Medizinische Dienst der gesetzlichen Krankenkassen (MDK) am Donnerstag in Berlin mitteilte. In fast jedem dritten Fall handelte es sich um einen Dauerschaden. In 107 Fällen führte ein Behandlungsfehler sogar zum Tod oder trug dazu bei. Im Jahr 2017 hatten die Gutachter 3.337 Fehler bestätigt.

Doch die Dunkelziffer liegt weitaus höher, wie der Vize-Geschäftsführer der Medizinischen Dienste, Stefan Gronemeyer, sagte. Auf jeden unentdeckten Behandlungsfehler kämen nach wissenschaftlichen Studien rund 30 unentdeckte Fälle.

Schmerzensgeld oder Schadensersatz nach Behandlungsfehlern - wann haben Patienten Anspruch?

Wenn Ärzte einen Fehler machen, haben Patienten womöglich Anspruch auf Schadenersatz und Schmerzensgeld. Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen und das Bundesgesundheitsministerium beantworten die wichtigsten Fragen rund um das Thema:

Was sind Behandlungsfehler?

Fehlerquellen gibt es viele - nicht nur bei Therapie oder Operation. Auch bei einem Beratungs- oder Aufklärungsgespräch kann etwas schiefgehen, eine Diagnose kann falsch sein, Hygienestandards können verletzt werden. Und natürlich können statt Ärzten auch Pfleger oder Hebammen einen Fehler machen.

Was mache ich, wenn ich den Verdacht habe, dass ein Fehler passiert ist?

Vor allem nicht ewig warten: Nach drei Jahren verjähren die Ansprüche. Das Bundesgesundheitsministerium empfiehlt zunächst ein Gespräch mit dem Arzt. Vielleicht lassen sich Missverständnisse oder Fragen direkt klären. Bei der Gelegenheit können Patienten auch Einsicht in ihre Patientenakte verlangen. Den darf der Arzt nur in Ausnahmefällen verwehren.

Das Gespräch hat nichts gebracht - und der Verdacht erhärtet sich. Was nun?

Dann sollten Patienten sich Unterstützung holen. Ansprechpartner dafür ist in der Regel die Krankenkasse. Alternativ können sich Betroffene zum Beispiel an die Unabhängige Patientenberatung oder an Selbsthilfe-Organisationen wenden. Krankenhäuser haben oft auch eigene Beschwerdestellen für Patienten.

Wie geht es dann weiter?

Die Krankenkasse kann bei Verdacht auf einen Behandlungsfehler ein Gutachten in Auftrag geben. Stellt der MDK (Medizinischer Dienst der Krankenversicherung) tatsächlich einen Fehler fest, können Patienten vor Gericht ziehen. Alternativ haben Ärzte- und Zahnärztekammern oft eigene Gutachter und Schlichtungsstellen. Die Teilnahme an den entsprechenden Verfahren ist für Patienten meistens kostenlos.

Wo treten die meisten Verdachtsfälle auf?

Mit 9.433 Fällen betrafen rund zwei Drittel der Vorwürfe von Patienten in der neuen MDK-Statistik Behandlungen in Krankenhäusern. 31 Prozent aller Vorwürfe beziehen sich auf Orthopädie und Unfallchirurgie, 13 Prozent auf Innere und Allgemeinmedizin und jeweils neun Prozent auf die allgemeine Chirurgie und die Frauenheilkunde. Fehler seien für Betroffene aber etwa bei der Orthopädie einfach leichter erkennbar, als etwa bei der Medikamentengabe auf einer Intensivstation, so der MDK. In Deutschland gibt es pro Jahr rund 20 Millionen Behandlungen in Krankenhäusern und etwa eine Milliarde Arztkontakte in Praxen.

Das könnte Sie auch interessieren: Drogenabhängig durch Weisheitszahn-OP - dieser verstörende Grund steckt dahinter.

Welche Probleme könnten vermieden werden?

Eindringlich mahnten die Kassen stärkere Anstrengungen für die Fehlervermeidung an. Vize-Geschäftsführer der Medizinischen Dienste Gronemeyer forderte eine nationale Liste von schweren, eigentlich vermeidbaren Problemen. Dazu zählen etwa die Verwechslung der Körperseite oder eines Patienten bei Operationen oder auch die Verwechslung von Medikamenten. Kliniken, Praxen, aber auch Pflegedienste bräuchten zudem spezielle Beauftragte für Patientensicherheit. Derzeit herrsche beim Kampf um mehr Sicherheit eher Stillstand, kritisierte Gronemeyer.

Weiterlesen: Mann wird versehentlich beschnitten - so kam es zur schrecklichen Verwechslung.

Welche Hilfe leisten Krankenkassen?

Die Krankenkassen sind gesetzlich verpflichtet, Versicherte mit Verdacht auf einen Behandlungsfehler zu unterstützen. Die Gutachten sind für Versicherte kostenfrei. Der MDK erstellt sie auf der Grundlage der Patientenunterlagen sowie eines Gedächtnisprotokolls des Patienten. Die Gutachten sind eine Grundlage für die Durchsetzung von Schadenersatzansprüchen.

Lesen Sie auch: Trisomie 21 erkennen - Bluttest für Schwangere bald Kassenleistung?

Mehr zum ThemaMädchen muss ewig auf ihre OP warten - und darf 24 Stunden nichts trinken.

dpa / jg

Bei seltenen Erkrankungen Hilfe suchen

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Sonnencremes im Test: Ausgerechnet vier günstige Produkte schneiden am besten ab
Wir lieben sie, obwohl sie uns krank machen kann: Die Sonne. Ganz wichtig: Die richtige Sonnencreme. Vier Produkte schaffen es dabei immer wieder in die Hitliste.
Sonnencremes im Test: Ausgerechnet vier günstige Produkte schneiden am besten ab
Stiftung Warentest prüft Sonnencremes mit hohem Lichtschutzfaktor: Zwei teure Produkte fallen durch
Sie darf in keinem Koffer fehlen, wenn es in den Süden geht: Sonnencreme. Stiftung Warentest hat 19 Produkte getestet, die starke Wirkung versprechen - mit eindeutigem …
Stiftung Warentest prüft Sonnencremes mit hohem Lichtschutzfaktor: Zwei teure Produkte fallen durch
Sensitiv-Sonnencremes bei Öko-Test: So schlecht schneiden die meisten Produkte ab
Vor dem Regal mit Sonnencremes fällt auf: Immer mehr Sensitiv-Produkte versprechen perfekten Sonnenschutz für empfindliche Haut. Doch die meisten fallen durch.
Sensitiv-Sonnencremes bei Öko-Test: So schlecht schneiden die meisten Produkte ab
Norddeutschland in Gefahr: Dieser gefährliche Virus breitet sich jetzt aus
Ungewöhnlich viele Virusinfektionen: In Hamburg und Schleswig-Holstein geht aktuell ein gefährlicher Virus um. Wer gefährdet ist und wie Sie sich schützen.
Norddeutschland in Gefahr: Dieser gefährliche Virus breitet sich jetzt aus

Kommentare