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Gegen Kopfschmerzen und Co. können Schmerzmittel kurzfristig helfen. Bei chronischem Schmerz ist aber Vorsicht angesagt. Foto: Franziska Gabbert

Gefährliche Helfer

Schmerzmittel sinnvoll einsetzen

Bei akuten Schmerzen im Alltag helfen ASS, Ibuprofen und Co. Doch die leichtfertige Einnahme solcher Medikamente birgt Risiken. Wann Schmerztabletten bedenkenlos eingenommen werden dürfen - und wann Patienten besser einen Arzt zurate ziehen.

Kiel (dpa/tmn) - Wenn der Kopf schmerzt, es im Rücken zwickt oder Menstruationsschmerzen den Alltag bestimmen, greifen viele schnell zur Schmerztablette. Rezeptfrei in der Apotheke erhältlich, sind Ibuprofen, Paracetamol und Co. längst zu alltäglichen Begleitern geworden.

Aber völlig sorglos und langfristig sollten diese kleinen Helfer nicht eingenommen werden. "Schmerz ist immer auch ein Signal dafür, dass etwas schiefläuft", sagt Hartmut Göbel, Chefarzt der Schmerzklinik Kiel.

Nicht jeder Schmerz muss behandelt werden, erklärt Michael Schenk, Chefarzt für Anästhesiologie und Intensivmedizin an der Schmerzklinik Berlin. Entscheidend sei das persönliche Schmerzempfinden. "Wenn Schmerz meinen Alltag maßgeblich beeinflusst, dann ist es völlig in Ordnung, eine Tablette zu nehmen." Maximal eine Woche dürfe sich der Patient selbst behandeln.

"Das schwächste Mittel ist Paracetamol", erklärt Göbel. Bei Erwachsenen wirkt es kaum stärker als ein Placebo, sagt Oliver Emrich, Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin. Nebenwirkungen gibt es dennoch. In zu hoher Dosierung kann der Wirkstoff zu schwerer Leberschädigung führen, warnt Schenk. Über den Tag verteilt dürfen maximal vier Gramm eingenommen werden.

Bei Kopf- und Gelenkschmerzen oder Virusinfektionen mit Gliederschmerzen empfiehlt Emrich Ibuprofen. Maximal 800 Milligramm drei Mal täglich können Patienten seiner Ansicht nach einnehmen. Aufpassen müssen Patienten mit Herzkrankheiten, Nierenschwäche, hohem Blutdruck oder Magenproblemen. Acetylsalicylsäure kommt vor allem in der Migränetherapie zum Einsatz.

Selbst behandeln sollten Patienten generell nur kurz auftretende Schmerzen. "Werden Schmerzen chronisch, sollte unbedingt ein Arzt konsultiert werden", sagt Annette Becker, Allgemeinmedizinerin und Professorin an der Uni Marburg. Der Grund: Greift jemand häufig zur Tablette zum Beispiel gegen Kopfschmerzen, wird er Schmerzen gegenüber immer empfindlicher.

Wer sowieso schon regelmäßig Kopfschmerzen hat, riskiert bei der häufigen und monatelangen Einnahme von Kopfschmerztabletten den sogenannten medikamenteninduzierten Kopfschmerz. Dabei werden die Kopfschmerzen paradoxerweise immer schlimmer - statt besser.

Verursacher hiervon seien Veränderungen im Schmerzzentrum des Gehirns, erklärt Becker. Nimmt der Patient einmal keine Tablette, setzt ein neuer Kopfschmerz ein - eine Art Entzugserscheinung. Der einfachste Ausweg: noch mehr Schmerzmittel. Doch weil sich der Körper an die Schmerzmittel gewöhnt, werden die Schmerzen von Mal zu Mal schlimmer. Dadurch gerät der Patient in einen Teufelskreis.

Um dem zu entkommen, müssen Betroffene zuerst eine strikte Medikamentenpause einhalten. Danach gilt die 10/20-Regel: An weniger als zehn Tagen pro Monat soll eine Kopfschmerztablette eingenommen werden. Mindestens 20 Tage im Monat sollten tablettenfrei bleiben.

Damit diese Tage nicht zur Qual werden, sollten Patienten andere Wege nutzen, um dem Schmerz zu entkommen. Es gibt eine ganze Reihe von Stellschrauben, an denen sie selbst drehen können. So spielen auch die richtige Ernährung, viel Bewegung und ein möglichst regelmäßiger Tagesrhythmus mit gesundem Schlaf in der Nacht eine wichtige Rolle in der Schmerztherapie.

Schmerzklinik Kiel

Migräne-App

10 Tipps gegen Kopfschmerzen

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