FAQ Schmerztherapie

Dr. Eberhardt Sumpf antwortete am Telefon auf zahlreiche Leserfragen zur Schmerztherapie. Im Folgenden sind ausgewählte Fragen und Antworten festgehalten:

Wie finde ich eine schmerztherapeutische Arztpraxis?

Der Begriff Schmerztherapie an sich ist nicht geschützt. Deshalb darf sich im Prinzip jeder als Schmerztherapeut bezeichnen. Man muss als Patient also genau wissen, welche Qualifikation sich hinter der jeweiligen Bezeichnung verbirgt. Ganz sicher geht man, wenn man sich an die Angaben der jeweils zuständigen Kassenärztlichen Vereinigung (KV) und der Ärztekammern hält. Die KVen haben im Internet Suchmaschinen. Testanrufe haben gezeigt, dass telefonische Anfragen nicht sicher zu einem vollständigen Ergebnis führen. Wir haben deshalb auf unserer Website eine Anleitung eingestellt, die Ihnen hilft, die Suchmaschinen zu finden und darin das Richtige einzustellen. Folgende Unterschiede gibt es:

1. Qualifikationen innerhalb von so genannte Fachgesellschaften. Diese sind nicht an eine Prüfung vor den Ärztekammern gebunden. Die Abkürzungsbezeichnung des Berufsverbandes wird mit aufgeführt. Z.B.: „Algesiologe DGS“ oder „Algesiologe DGSS“. Die Berufsverbände halten eigene Prüfungen ab.
2. Die Qualifikation innerhalb der Landes- Ärztekammern. Diese heißen „Spezielle Schmerztherapie“ und setzen eine vollständige Facharztausbildung, ein definiertes Ausbildungskolloquium, eine einjährige vollzeitige Ausbildung in einer dafür akkreditierten Fachabteilung und eine abschließende Prüfung vor der Ärztekammer voraus.
3. Die Genehmigung zur Teilnahme an der Schmerztherapievereinbarung. Diese setzt die unter 2. genannte Qualifikation voraus und definiert darüber hinaus strenge Behandlungs- Ausrüstungs- und Fortbildungsstandards, die laufend von einem Gremium überprüft werden.
4. Innerhalb der Schmerztherapievereinbarung ist die Anerkennung als sog. „Einrichtung“ möglich. Diese Anerkennung wird aufgrund der geforderten Kriterien meistens nur an Ausbildungseinrichtungen vergeben.
5. Kliniken der Maximalversorgung betreiben oft Schmerzambulanzen im Rahmen der Poliklinikverträge. Trotz hoher Qualifikation und Ausbildungsberechtigung nehmen diese teilweise nicht an der Schmerztherapievereinbarung teil.

Ich hatte vor Jahren eine Gürtelrose. In dem damals entzündeten Hautareal habe ich einen dauerhaften brennenden Schmerz und zusätzlich blitzartig einschießende Schmerzattacken, die so stark sind, dass ich vor Schreck zusammenzucke. Jetzt hat mir mein Neurologe ein neues Medikament aufgeschrieben. Im Beipackzettel steht, dass es gegen Epilepsie sei. Ich habe es deshalb nicht genommen.

Bei der Gürtelrose werden Nervenfasern durch eine Virusentzündung geschädigt. Dabei können die Nerven –bildlich gesprochen- die Fähigkeit verlieren, sich gegen einander zu isolieren. Dadurch kommt es zu diesen extrem heftigen Attackenschmerzen. Der Krankheitsmechanismus ist ganz ähnlich, wie bei einer Epilepsie. Nur dass er sich an einer Nervenwurzel abspielt und nicht im Gehirn. Aber aus dem ähnlichen Mechanismus erklärt sich auch die Wirkung der Antiepileptika bei attackenförmigen Nervenschmerzen. Auch der brennende Grundschmerz wird bei der Therapie mit diesen Medikamenten häufig besser.

Mein Arzt möchte mir Opioide verschreiben. Darf ich danach noch Auto fahren?

Grundsätzlich können sämtliche auf das zentrale Nervensystem wirkenden Substanzen die Fähigkeit zum Bedienen gefährlicher Maschinen und die Fahrtüchtigkeit beeinträchtigen. Es gibt allerdings auch sehr aufschlussreiche Untersuchungen zur Fahrtüchtigkeit von Patienten mit unbehandelten Schmerzen im Vergleich zur gesunden Durchschnittsbevölkerung. Dabei zeigt sich nämlich, dass die Fähigkeit, sich auf das Autofahren zu konzentrieren, durch Schmerzen ganz erheblich gestört sein kann. Deshalb kann eine Schmerzminderung durch die bestimmungsgemäße Anwendung von Medikamenten –also auch durch Opioide- durchaus die Fahrtüchtigkeit sogar verbessern. Auch das ist durch Tests am Fahrsimulator belegt. Allerdings gilt das nicht während der Phasen der Dosisänderung (Sowohl –Steigerung als auch –Minderung). Bei stabiler Einstellung ist häufig wieder eine Fahrtüchtigkeit gegeben. Das sollte jedoch stets mit einem darin erfahrenen Arzt abgesprochen werden. In Zweifelsfällen kann auch ein Test am Fahrsimulator zur Entscheidung über die Fahrtüchtigkeit beitragen. Wie jeder Bürger, so ist auch ein Schmerzpatient natürlich dazu verpflichtet, sich vor Antritt einer Autofahrt darüber Klarheit zu verschaffen, ob er fahrtüchtig ist, oder nicht. Da bestimmungsgemäß angewendete retardierte Opioide (anders, als Alkoholgenuss) sein Urteilsvermögen nicht beeinträchtigen, ist er zu dieser Entscheidung auch in der Lage.

Ich habe Schmerzen am ganzen Körper. Obwohl ich viel Krankengymnastik erhalten habe und dauerhaft Schmerzmittel einnehme, sind die Schmerzen nicht hinreichend zurückgegangen. Ich komme wegen der Beschwerden kaum noch aus dem Haus. Außerdem habe ich einen Bluthochdruck und eine eingeschränkte Nierenfunktion. Was kann ich noch tun?

Man kann mit Fug und Recht sagen, dass bei Ihnen eine Schmerzbehandlung, die sich auf Krankengymnastik und Medikamentenverordnungen stützte, nicht ausgereicht hat. Dazu kommen gravierende weitere sog. somatische Begleiterkrankungen, die es erschweren können, eine Therapie ambulant besser einzustellen. So weit ich das am Telefon beurteilen kann, sind bei Ihnen die Kriterien erfüllt, um Sie in eine sog. stationäre multimodale Schmerzbehandlung aufzunehmen. Die Kriterien finden Sie oder Ihr Hausarzt auf einem Merkblatt, welches Sie sich von unserer Website herunterladen können.

Was bedeutet der Begriff „multimodale Schmerztherapie“?

Der Begriff „multimodal“ leitet sich aus den lateinischen Wörtern „multi“ = viel und „modus“ = Art, Weise her. Gemeint ist, dass gleichzeitig viele Therapeuten unter einem gemeinsamen Konzept arbeiten. Leider ist der Begriff nicht geschützt und ein wenig zum Modebegriff verkommen. Tatsächlich findet man in Veröffentlichungen Therapieansätze, die lediglich aus Tabletten, Krankengymnastik und Spritzenbehandlung bestehen, und als „multimodal“ bezeichnet werden. Die Wissenschaftler, die diesen Begriff im Bereich der Schmerzbehandlung eingeführt haben, meinten jedoch damit ein weit umfassenderes Konzept, bei welchem die Teilnahme einer psychologischen, psychiatrischen oder psychosomatischen Disziplin Vorbedingung ist. Der Verantwortliche muss die Zusatzbezeichnung „spezielle Schmerztherapie“ führen. Die Minimalkriterien, die ein Krankenhaus erfüllen muss, um multimodale Schmerztherapie auch als solche abrechnen zu können, sind ebenfalls in unserem Merkblatt nachzulesen. Wir bieten das Verfahren im Gesundheitszentrum am Vogelsangin Hann. Münden an und können dabei auf alle hier vorhandenen Einrichtungen und Fachdisziplinen zurückgreifen. In der Region gibt es weitere Krankenhäuser, die -jeweils mit verschiedenen Schwerpunkten- ähnliche Konzepte vorhalten.

Mir wurde wegen meiner chronischen Schmerzen Tramadol verordnet. Nach Einnahme der ersten Tablette trat eine sehr starke Übelkeit auf. Kann es sein, dass ich mit dem Medikament meinen Magen schädige?

Tramadol gehört in die Substanzgruppe der Opioide. Das sind Medikamente, die eine ähnliche Wirkungsweise wie die körpereigenen Schmerzhemmer -die sog. Endorphine- haben. Opioide zeichnen sich dadurch aus, dass sie keine Organ schädigende Wirkung haben. Allerdings benötigen Opioide eine Eingewöhnungszeit, während derer sie öfters Übelkeit auslösen. Die Übelkeit entsteht aufgrund einer Einwirkung auf bestimmte Gehirnregionen. Für den Magen sind Opioide hingegen völlig unschädlich. Man kann während der ersten 14 Tage zusätzlich ein Medikament gegen Übelkeit einnehmen, bis sich der Organismus an die Substanz gewöhn hat. Meistens ist es hilfreich, zunächst mit der niedrigsten verfügbaren Wirkstärke anzufangen und erst danach langsam zu steigern.

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