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Über 200 Arten von Erkältungsviren schwirren durch die Luft.

Schwitzen, Trinken oder Antibiotika

Die größten Irrtümer über Schnupfen

Gerade wenn die Temperaturen sinken, beginnt die Schnupfenzeit. Lesen Sie hier warum das so ist, Tipps zum Vorbeugen und was zu tun ist, wenn es Sie doch kalt erwischt hat:

Sie sind angriffslustig, hartnäckig und wandlungsfähig: die rund 200 Arten von Erkältungsviren, die uns umschwirren. Das Ziel dieser Rhino-, Entero- und Coronaviren: sich in unsere Schleimhäute einnisten und sich dort vermehren. Die Übeltäter sind äußerst erfolgreich: Zwei- bis viermal im Jahr ist es ganz normal, dass wir schniefen und schnäuzen. Je jünger wir sind, desto häufiger stecken wir uns an. Bei Kindern gelten sechs bis zehn Erkältungen pro Jahr als ganz normal. Wenn das Immunsystem erst mal so um die 200 Erkältungen durchgemacht hat, wird es schwerer für die Erreger, sich bei uns Einzunisten.

Die größten Irrtümer über Schnupfen

Die größten Irrtümer über Schnupfen - und was wirklich hilft

Warum erkälten wir uns, gerade wenn es kühler wird? Ganz einfach: Nase und Schleimhäute kühlen auch ab, werden nicht mehr so gut durchblutet, Keime und Krankheitserreger haben ein leichteres Spiel. Für Ärzte ist Schnupfen eine „unkomplizierte Infektion der oberen Atemwege“.

Es heißt, eine Erkältung dauert zehn Tage – ob mit oder ohne Behandlung. Das stimmt nur zum Teil, doch lesen Sie hier die größten Irrtümer über Schnupfen: 

Irrtum 1: Viel Vitamin C beugt einem Schnupfen vor!

Studien haben gezeigt, dass Vitamin C – außer bei Extremsportlern, Erkältungskrankheiten nicht verhindern kann. Auch wenn man zu Beginn der Erkältung Vitamin C einnimmt, hat das keinen positiven Einfluss auf die Beschwerden. Wer täglich sehr große Mengen schluckt, riskiert ­Nebenwirkungen wie Durchfall. Es gibt einfache, aber wirksame Abwehrmittel. Dazu gehört, sich die Hände häufig mit Seife zu waschen und sich nicht ins Gesicht zu fassen.

Wer z. B. an einer Türklinke mit Erregern in Kontakt kommt, bringt die Viren selbst zum Ziel. Über die Schleimhäute von Nase, Mund und sogar Augen wandern die Krankheitserreger in den Körper. Nicht immer werden wir krank, oft wehren die Schleimhäute die Attacke ab. Wir sollten durch die Nase atmen, dabei wird die Luft erwärmt und befeuchtet, und die Flimmerhärchen können unerwünschte Partikel abtransportieren. Bewiesen ist auch, dass uns Stress und Schlafmangel anfällig macht. Daher schützt Schlafen vor einer Ansteckung.

Irrtum 2: Am häufigsten steckt man sich in U- und S-Bahnen an.

Zwar werden mit jedem Niesen oder Husten viele kleine virushaltige Tröpfchen in die Luft versprüht, doch nicht jeder Angehustete wird krank. Die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung steigt mit der Zeit, in der wir den Erregern ausgesetzt sind. Daher lauert die größte Gefahr daheim: Die Erkältungsviren werden durch alles verbreitet, was mit dem Mund oder Nase eines erkälteten Menschen in Berührung kommt. Dazu gehören auch Tassen und Gläser, aus denen eine erkrankte Person getrunken hat, sowie ihre Hände, erst recht natürlich gebrauchte Taschentücher. Auf solchen Gegenständen überdauern die Erreger bis zu 18 Stunden. Allerdings werden sie mit jeder Stunde etwas weniger ansteckend.

Irrtum 3: Antibiotika helfen ­immer!

Die Wunderwaffe gegen alle Infektionen ist leider noch nicht gefunden. Antibiotika vernichten nur Bakterien, Schnupfenerreger sind jedoch meist Viren. Nur selten kommt zusätzlich eine bakterielle Infektion hinzu, z.B. eine Halsentzündung durch Streptokokken. Es wird zwar versucht, Medikamente gegen Erkältungen zu entwickeln. Bisher jedoch ist keines der Produkte reif für die breite Anwendung. Denn Erkältungsviren können sich sehr schnell verändern. Unser Immunsystem muss die Angreifer jedes Mal neu bekämpfen – daher schützt eine Ansteckung nicht unbedingt vor der nächsten.

Irrtum 4: Viel trinken hilft viel!

Den Ratschlag, viel zu trinken, kennt jeder, der schniefend darniederliegt. Dahinter steht der Gedanke, dass Menschen mit Fieber mehr Flüssigkeit verlieren bzw. die Idee, dass Flüssigkeit helfen könnte, den Schleim zu lösen. Dafür fehlt jedoch jeder wissenschaftliche Beweis. Alle Studien zu diesem Thema kommen zu dem Schluss, dass es keinen Grund gibt, mehr zu trinken, als man möchte und es einem guttut.

Was dagegen helfen kann, ist gleich zu Beginn der Erkältung Echinacea-Präparate aus rotem Sonnenhut (Echinacea purpurea) einzunehmen. Es gibt Hinweise, dass dadurch die Symptome gelindert werden. Auch Hausmittel wie Wasserdampf inhalieren, Bettruhe und Brustwickel helfen, Schnupfen leichter zu überstehen.

Irrtum 5: Schnäuzen ist besser als Nase hochziehen

Wer den Schleim in der Nase hochzieht, saugt ihn auch aus den Nebenhöhlen und entsorgt ihn im Magen. Beim Schnäuzen wird er nicht nur ins Taschentuch, sondern auch die Nebenhöhlen gedrückt. Dort bildet er einen Nährboden für Erreger. Nach dem Runterschlucken kann er dagegen wegen der Magensäure nichts mehr anrichten. Wem Hochziehen zu eklig ist, der sollte mit wenig Druck schnäuzen. Ganz schlecht ist es, Nieser zu unterdrücken. Husten und Niesen sind Reinigungsmechanismen des Körpers. Er katapultiert heraus, was ihm schädlich erscheint, und geht dabei nicht gerade zimperlich vor. Vermutlich werden Geschwindigkeiten von 100 km/h und mehr erreicht. Niesen zu unterdrücken, kann gefährlich sein: Kann der Druck nicht durch Nase oder Mund entweichen, wird er ins Ohr gepresst. Im schlimmsten Fall reißt das Trommelfell.

Irrtum 6: Erkältungen kann man in der Sauna ausschwitzen!

Bloß nicht. Saunagänge stärken den Kreislauf und regen das Immunsystem an, solange man gesund ist. Aber bei einer Infektion belasten sie den Körper zusätzlich und können die Krankheit verschlimmern. Die wirksamste Medizin ist übrigens Schlafen. Dabei erholt sich der Körper am besten. Wer also eine Erkältung hat, sollte sich unbedingt schonen. Auch auf Sport sollte man verzichten. Wer sich körperlich anstrengt, die Infektion aber nicht auskuriert hat, riskiert, dass sich der Erreger im Körper einnistet und Entzündungen z. B. am Herzmuskel verursacht.

Irrtum 7: Ein Schnupfen ist harmlos

Sind die Schleimhäute durch Viren geschädigt, haben Bakterien leichtes Spiel. Erkältungen können weiteren Erregern die Tür öffnen. Nicht selten kommt es zu einer Infektion der Nasennebenhöhlen (Sinusitis), die zu starken Kopfschmerzen führen kann. Auch eine Infektion des Kehlkopfes ist eine häufige Nebenwirkung des Schnupfens ebenso wie Mandelentzündungen oder durch Bakterien hervorgerufene Bronchitis oder Lungenentzündung. Übrigens: Beginnt die Erkrankung mit hohem Fieber, Schüttelfrost, Muskel- und Gliederschmerzen, handelt es sich nicht um Schnupfen, sondern um eine Grippe (Influenza)!

Irrtum 8: Gelbgrünlicher Schleim ist ein Anzeichen für eine Bakterieninfektion!

An der Farbe allein kann man nicht erkennen, welche Erreger die Beschwerden auslösen. Bessert sich die Erkrankung nicht binnen einer Woche, sollte auf jeden Fall ein Arzt um Rat gefragt werden.

Erkältungsknigge

Im Büro gehören gebrauchte Taschentücher auf keinen Fall in den Papierkorb am Schreibtisch. Der Erkältete sollte sich die Mühe machen, sie bis zum nächsten geschlossenen Mülleimer zu tragen. Das ist hygienischer und ekelt die Kollegen nicht. Das erklärte Benimm-Expertin Bettina Geißler aus Norderstedt auf Anfrage. Wer husten muss, sollte in die Armbeuge husten, damit die Hände virenfrei bleiben und nicht die Computertastatur oder die nächste Türklinke verseuchen.

SUS

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