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Selten, aber gefährlich: Eine unerkannte Acanthamoeba-Keratitis kann zu Vernarbung der Hornhaut und zum Verlust des Sehvermögens führen.

Mysteriös

Schock: Junge Frau erblindet plötzlich durch Kontaktlinsen

Acanthamoeba-Keratitis ist eine seltene, aber gefährliche Augeninfektion, ausgelöst durch Mikroorganismen. Die meisten Betroffenen sind Kontaktlinsenträger. 

Als Irene Ekkeshis rechtes Auge anfängt zu jucken, denkt sie, das würde bald wieder vergehen. Aber das tat es nicht. Die 30-jährige Engländerin leidet erst qualvolle Schmerzen, kurze Zeit später ist sie auf diesem Auge blind. Und das alles anscheinend nur, weil sie ihre Kontaktlinsen zuvor mit nassen Fingern berührt hatte. Sechs Jahre ist das her.

An einem Samstag im Januar 2011 erwachte Irene Ekkeshis mit einem tränenden rechten Auge. Deshalb besorgte sie sich in der Apotheke Augentropfen. "Ich nahm an, ich hätte eine harmlose Entzündung, die schon montags darauf bestimmt wieder abgeklungen sein würde", so die heute 36-Jährige, die bereits an ihrem 12. Geburtstag ihre Brille gegen Kontaktlinsen tauschte.

Seitdem verwendete sie Einweg-Linsen, also Linsen, die man nach einem Tag entsorgt. "Aber abends war es plötzlich so schlimm, dass ich nicht mehr in die Küche gehen konnte, weil ich das grelle Licht dort nicht ertragen konnte, das hat richtig geschmerzt". 

85% der Betroffenen sind Kontaktlinsenträger

Irene Ekkeshis geht sofort ins Krankenhaus, wo ihr die Ärzte in einer sehr schmerzhaften Prozedur Zellen von der Hornhaut abtragen. Irene Ekkeshis vermeintliche Augenentzündung entpuppte sich Tage später als ein Fall von Acanthamoeba-Keratitis, kurz AK, einer seltenen aber gefährlichen Infektion des Auges durch Mikroorganismen, die normalerweise in Schlamm und Seewasser leben.

Sie konnten aber des Öfteren auch in Wasserleitungen, Schwimmbädern und Whirlpools nachgewiesen werden. Viele Menschen kommen mit diesen Organismen in Kontakt, aber bei nur wenigen gelingt es dem Parasiten, tatsächlich in die Hornhaut einzudringen, da er in den meisten Fällen von der Tränenflüssigkeit wieder ausgeschwemmt wird.

Ein Mechanismus, der bei Trägern von Kontaktlinsen nicht funktioniert. Aus diesem Grund sind unter den etwa 125 Fällen von AK, die jedes Jahr in Großbritannien gezählt werden, auch 85 Prozent Kontaktlinsenträger. Eine der Betroffenen ist Irene Ekkeshis. 

Im frühen Stadium sind die Heilungschancen groß

"Ich war geschockt und hatte solche Angst, denn mittlerweile konnte ich auf dem rechten Auge nichts mehr sehen. Es war, als schaute ich durch milchiges Glas. Ich konnte Farben und Umrisse erkennen, aber mehr auch nicht", erinnert sich die Engländerin.

Als die Ärzte ihr sagten, was es mit Acanthamoeba-Keratitis auf sich habe, wunderte sie sich, denn sie hatte mit den Kontaktlinsen weder geduscht noch war sie im Schwimmbad gewesen. Doch dann erfuhr sie, dass die Kontaktlinsen bereits mit dem Erreger infiziert werden können, wenn man sie mit noch vom Händewaschen feuchten Fingern berührt. Wird die Infektion früh erkannt, besteht Hoffnung, dass man sie in wenigen Wochen heilen kann. 

Vernarbungen der Hornhaut 

Deshalb wurden Irene Ekkeshis antiseptische Augentropfen verabreicht, die sie stündlich nehmen sollte. Doch die halfen nicht. Schlimmer noch: Da die Hornhaut die höchste Dichte an Schmerzrezeptoren im gesamten Körper aufweist, hielt es die gelernte Reisekauffrau trotz starker Medikamente kaum mehr vor Schmerzen aus.

An Arbeit war nicht zu denken, sie musste ihren Job kündigen. Monatelang tränte ihr Auge, bis die Ärzte die Infektion unter Kontrolle bekamen, auch die Schmerzen ließen langsam nach. Da die Hornhaut stark vernarbt war, sah Irene Ekkeshis jedoch nur noch sehr verschwommen.

DOs & DON`Ts für Kontaktlinsenträger

  • Waschen Sie sich stets die Hände, bevor Sie Ihre Kontaktlinsen anfassen, undtrocknen Sie sie gründlich ab
  • Reiben und spülen Sie die Oberfläche der Kontaktlinse mit der Reinigungsflüssigkeit, bevor Sie sie in die Aufbewahrungsbox legen. 
  • Verwenden Sie ausschließlich sterile Flüssigkeiten, um Kontaktlinsen zu reinigen und zu desinfizieren. Fragen Sie hierzu unbedingt Ihren Optiker. 
  • Benutzen Sie niemals Leitungswasser, um Ihre Linsen zu waschen oder aufzubewahren. 
  • Tauschen Sie die Reinigungslösung jedes Mal aus, wenn Sie die Linsen entnommen haben und sie das nächste Mal wieder in die Box legen. 
  • Verwenden Sie Ihre Linsennie länger als vom Arzt empfohlen
  • Nehmen Sie die Linsen vor dem Schlafengehen immer heraus
  • Gehen Sie niemals mit Kontaktlinsen schwimmen
  • Tauschen oder verleihen Sie Ihre Linsen auf gar keinen Fall
  • Lassen Sie Ihr Sehvermögen und Ihre Kontaktlinsen regelmäßig beim Optiker überprüfen.

Die wenigsten wissen von der Gefahr

Schließlich wurde Irene Ekkeshis eine Hornhaut transplantiert. Erst mit Erfolg, doch zehn Tage später trübte sich ihr Auge wieder ein. Eine zweite Transplantation folgte. Doch die ursprüngliche Infektion befiel nun auch ihre Netzhaut, mit der schrecklichen Folge, dass ihr Auge vollkommen erblindete.

Eine Tatsache, die die Engländerin nur schwer akzeptieren kann. Denn sie ist sich sicher, dass ihr dieses unwiderrufliche Leid erspart geblieben wäre, wenn sie von der Gefahr einer solchen Infektion gewusst hätte

Aufkleber soll Verbraucher schützen

Von einer Infektion namens Acanthamoeba-Keratitis, die allein durch den Kontakt mit Wasser hervorgerufen werden kann, dürften auch hierzulande allerdings nur die wenigsten Kontaktlinsenträger jemals gehört haben. Die Engländerin startete deshalb eine Aufklärungskampagne, um Verbraucher vor den Risiken zu warnen.

Sie fand heraus, dass es zwar Warnhinweise in Form von Faltblättern gibt, diese aber meist nicht der Verpackung der Linsenbehälter beiliegen und so ihre Wirkung verfehlen. Nachdem man ihr auf ihre Nachfrage bei der Britischen Gesellschaft für Kontaktlinsen (British Contact Lens Association) die Auskunft gab, es sei ganz einfach kein Platz für diesen Warnzettel in der Packung, entwarf sie selbst ein Logo mit der Aufschrift "No Water" (zu deutsch: "kein Wasser") und ließ es mit der Unterstützung der British Contact Lens Association drucken.

Die Idee: Optiker können das Logo auf die Aufbewahrungsbehälter der Kontaktlinsen kleben und ihre Kunden so vor der Gefahr einer Infektion mit AK warnen und bewahren. Irene Ekkehis stellte ihre Kampagne auf Konferenzen vor und fand schließlich sogar in den USA Gehör bei der American Academy of Optometry. Eines Tages, so hofft sie, wird das "No Water"-Logo auf alle Kontaktlinsen-Boxen gedruckt sein.

Deshalb erhöhen Kontaktlinsen das Risiko einer Acanthamoeba-Keratitis:

  • Kontaktlinsen verursachen winzige Schäden auf der Hornhaut, die das Eindringen für AK-Erreger leicht macht. 
  • Kontaktlinsen sind die perfekten Träger unzähliger Mikroorganismen: An ihrer Oberfläche hält sich auch der Acanthamoeba-Erreger sehr gut.

Von Franziska Grosswald

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