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Der Albtraum vieler Männer ist eine Glatze. Eine Haartransplantation kann die Lösung sein. 

Albtraum Glatze?

So funktioniert eine Haartransplantation

Haartransplantation? Das klingt irgendwie nach einer heiklen Operation, ist aber für den Patienten eine relativ harmlose Angelegenheit, behauptet Dr. Matthias Wagner.

Der Schönheitschirurg muss es wissen. Schließlich gilt der Leiter der Münchner Klinik für ästhetische Chirurgie in Nymphenburg als ausgewiesener Experte für die Verpflanzung von Haarwurzeln.

Schönheitschirurg Dr. Matthias Wagner

Dr. Wagner zur tz: „Wenn man es richtig macht, ist dieser Eingriff nur mit einem sehr geringen Risikopotential behaftet.“ Zumal die klassische Medizin schon weit mehr Erfahrung mit solchen Eingriffen hat, als viele glauben. Eine erste klinische Studie zu Haarverpflanzungen wurde bereits 1939 in Japan veröffentlicht. Inzwischen haben plastische Chirurgen verschiedene Methoden immer weiter verfeinert. Die Kosten schwanken je nach Aufwand zwischen etwa 2000 und 10.000 Euro. In der tz-Serie über Schönheits-OPs bei Männern erklärt der Spezialist Dr. Wagner, wie eine Haartransplantation heutzutage abläuft.

Die Ausgangslage

Der Albtraum vieler Männer – jedenfalls der schönheitsbewussten – hat einen Namen: Glatzenbildung. Dummerweise sind wir Deutsche davon besonders betroffen, wie Wissenschaftler herausgefunden haben. So leiden hierzulande 50 bis 60 Prozent der Männer im Laufe ihres Lebens unter Haarausfall, während es in Afrika nur jeden Vierten und in Asien sogar nur jeden Siebten Mann trifft.

„In der Regel macht sich der Haarausfall zunächst durch lichter werdendes Haar bemerkbar, wobei es unterschiedlichste Muster des Haarausfalls gibt. Es kann auch mit Geheimratsecken und Zurückweichen der Stirnhaargrenze beginnen“, erklärt Dr. Wagner. Genau diese haben auch dem prominenten Fußballtrainer Jürgen Klopp beim Blick in den Spiegel offenbar gewaltig zu schaffen gemacht (tz berichtete). Deshalb ließ er sich Haare vom Hinterkopf auf die kahlen Stellen im Stirnbereich verpflanzen. Der englische Nationalkicker Wayne Rooney und Italiens Ex-Regierungschef Silvio Berlusconi unterzogen sich ähnlichen Behandlungen.

Das Prinzip

„Bei diesem Eingriff geht es nicht um eine Vermehrung, sondern lediglich um eine Umverteilung der vorhandenen Haare“, betont Dr. Wagner. Bei größeren Haartransplantationen wird in der Regel die sogenannte Strip-Technik angewendet. Dabei löst der Chirurg am Hinterkopf einen schmalen Hautstreifen ab und lagert ihn in einem Spezialschälchen mit einer Nährlösung zwischen. „Die Entnahmestelle wird mit einem hauchdünnen Faden vernäht und ist später kaum zu erkennen.“ Nach etwa zwei Wochen wird das Nahtmaterial entfernt. Das spürt man kaum. Bei kleineren Transplantationen ist die sogenannte FUE-Technik (Einzelentnahme der Haarwurzeln am Hinterkopf) eine gute Alternative.

Die Technik

Der Chirurg schneidet mit einem Mini-Skalpell winzige Schlitze in die Kopfhaut – exakt dort, wo künftig wieder Haare sprießen sollen. Er arbeitet mit einer Schwester Hand in Hand, beide tragen eine Lupenbrille. Während die Assistentin den gewonnenen Hautstreifen mit einem Skalpell praktisch in kleinste Transplantate „filettiert“, steckt der Operateur eine Haarwurzelgruppe nach der anderen in die vorbereiteten Schlitze. Dieses Prozedere wiederholt sich mehrere Hundert Mal. „Es ist eine filigrane Arbeit. Die Transplantate messen oft weniger als einen Millimeter“, sagt Dr. Wagner. „Je kleiner sie sind, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie gut in der Kopfhaut einwachsen.“

Die Nebenwirkungen

Der Eingriff wird unter örtlicher Betäubung vorgenommen, der Patient hat dabei keine Schmerzen. Auch hinterher muss er in der Regel kaum größere Beschwerden aushalten. Zwar können anfangs noch Schwellungen im Stirnbereich bis zu den Augenlidern vorkommen, so der Experte weiter: „Aber die klingen spätestens nach einer Woche wieder ab.“ Kopfschmerzen lassen sich mit Medikamenten vermeiden.

Das Risiko

Komplikationen sind selten. „Die Kopfhaut kann Keime sehr gut abwehren und sichert so eine gute Wundheilung“, erklärt Dr. Wagner.

Die Operationsdauer: Für eine Haartransplantation muss man, je nach Menge, mehrere Stunden einplanen. „Bei einer größeren Fläche von etwa 1000-1500 Transplantaten ist man schon mal fünf bis sechs Stunden beschäftigt“, weiß Dr. Wagner.

Die Kosten

Sie variieren je nach Größe. „Wer Geheimratsecken beseitigen lassen möchte, muss mit ungefähr 2500 bis 3000 Euro rechnen“, sagt der Spezialist.

Die Erfolgsaussichten

Die Wahrscheinlichkeit, dass die verpflanzten Haarwurzeln anwachsen, liege bei 90 bis 95 Prozent, schätzt Wagner. Entscheidend dafür sei allerdings auch, dass der Patient in den ersten Tagen nach dem Eingriff schonend mit den Stellen umgeht, wohin die Haarwurzeln verpflanzt wurden.

In einigen Fällen kann es erforderlich sein, dass der Chirurg das verpflanzte Haar in einer weiteren Behandlung noch einmal verdichtet. Dabei werden in die Zwischenräume der Haarwurzeln weitere Transplantate gesetzt. „Bis zum zweiten Eingriff sollte der Patient allerdings etwa sechs bis zwölf Monate warten“, rät Wagner.

Die Kundschaft

„Die meisten Männer, die wegen einer Haartransplantation zu mir kommen, sind zwischen 30 und 40 Jahren alt“, berichtet der Münchner Schönheitschirurg. Viele von ihnen argumentieren mit ihrem Job. Sie wollen kaschieren, dass sie wegen ihres Haarausfalls nicht mehr ganz so jugendlich und frisch ausschauen wie früher. „Es sind aber natürlich auch modewusste und eitle Herren darunter“, weiß Dr. Wagner.

Andreas Beez

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