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Schwere Schultern, steifer Nacken, juckende Augen –Büroarbeit soll nicht anstrengend sein? Ihr Körper ist da anderer Meinung!

Tipps: So beugen Sie vor

Die schlimmsten Büro-Leiden

Schwere Schultern, steifer Nacken, juckende Augen –Büroarbeit soll nicht anstrengend sein? Ihr Körper ist da anderer Meinung! Die Hälfte der deutschen Arbeitnehmer verdient ihr Geld im Büro – 80 Prozent davon sitzen am PC!

Dr. Hartmut Neumann

Neben der Zunahme von psychischen Belastungen, die sich in Kopfschmerzen und Nervosität äußern, nehmen Skelett- und Muskelerkrankungen zu: Jede vierte Krankschreibung in Deutschland geht auf Muskelschmerzen zurück! An einem achtstündigen Bürotag sitzen wir im Durchschnitt fünf Stunden und 22 Minuten auf dem Bürostuhl, ergab eine Studie der Deutschen Sporthochschule in Köln. „Diese Zeit verbringen wir in einer ungesunden Zwangshaltung, was zu Beschwerden und Krankheiten am ganzen Körper führt“, sagt der Facharzt für Neurochirurgie und Arbeitsmedizin-Experte Dr. Hartmut Neumann. „Nacken- und Schulterschmerzen kommen am meisten vor, gefolgt von Ellenbogen- und Unterarmbeschwerden.“

Hier stellen wir die häufigsten Büro-Leiden vor und geben Schreibtisch-Tätern Tipps, um Schmerzen zu vermeiden. Generell gilt: Wer die Beschwerden im Büro nicht in den Griff bekommt, sollte unbedingt zum Arzt gehen – bevor die Leiden chronisch werden.

Christina Lewinsky

Schmerzen im Rücken

Unser Rücken ist geprüfter Leidtragender vom Dienst: Langes Sitzen belastet vor allem die Bandscheiben, die wie elastische Stoßdämpfer zwischen den Wirbeln liegen. Beim Sitzen in starrer Haltung werden die Bandscheiben stark eingeengt, weichen nach hinten aus und drücken auf die Nerven im Rückenmarkskanal – Schmerz!

Das hilft: Öfter im Stuhl zurückbeugen, die Sitzposition wechseln, mit dem Becken vor- und zurückwippen – das entlastet den Rücken und regt die Durchblutung an. Ideal: Höhenverstellbare Schreibtische, um zwischen Sitz- und Stehposition zu wechseln. Experten empfehlen außerdem Gymnastikbälle, damit die Muskulatur der Wirbelsäule ständig gefordert ist. Hilfe bietet das Keil-Kissen: Diese Sitzhilfe lässt uns leicht nach vorne gekippt sitzen – die natürliche Krümmung des Rückens wird unterstützt, die Bandscheiben sind entlastet.

Maus-Arm

Organizer-Finger, Nintendonitis oder Maus-Arm nennen wir die Schmerzen, die durch stundenlange Wiederholung der Klick-Bewegung aufkommen. Bis zu 200 Klicks in der Minute erledigt unser Finger bei der Computerarbeit! Betroffene klagen über Schmerzen, die sich vom Handrücken über den Unterarm in die Schulter ziehen – sogar starke Verspannungen im Nacken sowie Kopfschmerzen können die Folge sein.

Das hilft: Weg von der Maus! Für fast jeden Mausklick gibt es auch die entsprechende Tastenkombination, sogenannte Short-Cuts. Eine vertikale Maus sorgt zudem für Abwechslung in der Klick-Bewegung. Die richtige Armhaltung schont die Hände: Ober- und Unterarm sollten etwa im rechten Winkel an der Maus liegen.

Büro-Augen 

Stundenlang starren wir auf den PC, unsere Augen leisten Schwerstarbeit. Dazu kommen die trockene Raumluft und ein deutlich seltenerer Lidschlag. Zum Vergleich: Beim normalen Sehen bewegt sich das Lid etwa 25-mal pro Minute auf und ab und überzieht das Auge mit schützender Tränenflüssigkeit. Während der Bildschirmarbeit sind es nur noch sieben Mal! Die Folge sind gerötete Augen und Juckreiz.

Das hilft: Experten raten: Alle fünf Minuten kurz vom PC wegschauen! Gucken Sie aus dem Fenster und blinzeln Sie dabei, um die Augenmuskulatur zu entspannen. Der Bildschirm sollte hochauflösend sein und weder flimmern noch reflektieren. Abstand halten: 80 Zentimeter sollten idealerweise zwischen Augen und PC liegen.

Karpaltunnel-Syndrom

Ausgelöst wird diese Erkrankung durch ein stark gebeugtes oder überstrecktes Handgelenk. Der Karpaltunnel ist ein Sehnenkanal zwischen Hand und Unterarm: Kommt es dort zu einer Entzündung, steigt der Druck und quetscht Sehnen und Nerven schmerzhaft ein. Taubheit in Daumen, Zeige- und Mittelfinger sind oft das Resultat.

Das hilft: Die Handgelenke auf die Tastatur auflegen und notfalls mit einem Gel-Pad unterstützen: Auf dem Maus- und Tastaturpad mit Gelkissen kann man das Handgelenk und den Handballen ablegen. Die Tastatur sollte flach und ergonomisch sein.

Tipps: So beugen Sie vor

Bewegung: Die Zauberformel für Meister im Dauersitzen lautet: Bewegung! Treppe statt Fahrstuhl, zum Kollegen nebenan gehen statt anrufen und in der Mittagspause ein kurzer Spaziergang mit Kollegen. Experten raten: Schnurlose Telefone regen zum Herumgehen an.

Beleuchtung: Dunkle Räume sind für die Augen anstrengend und schwächen die Konzentration. Ideale Beleuchtungsstärke fürs Büro: zwischen 500 und 750 Lux. Lampen niemals vor oder hinter dem PC aufstellen, um starke Kontraste im Blickfeld zu vermeiden.

Bürostuhl: Die Füße haben Bodenkontakt und die Knie sind um 90 Grad angewinkelt. Die Rückenlehne sollte sich der Form der Wirbelsäule anpassen und über die Schulterhöhe reichen. Die Unterarme liegen auf dem Schreibtisch auf.

Geräte: Stellen Sie Drucker, Fax und Scanner möglichst weit von Ihrem Schreibtisch weg, um mehr Bewegung in den Alltag zu bringen.

Monitor: Idealerweise liegt die obere Bildschirm-Kante ein wenig oberhalb der Augenlinie. PC direkt vor den Körper stellen und geradeaus schauen, nicht zur Seite drehen!

Fit mit Büro-Gymnastik

Mit diesen vier Übungen lösen Sie Verspannungen:

1. Kopf zur Seite und nach vorne neigen, Dehnung durch leichten Zug mit der Hand verstärken. Drei Wiederholungen, jeweils 20 Sekunden halten.

2. Schultern hochziehen, Position fünf Sekunden halten und wieder fallen lassen. Fünf Wiederholungen.

3. Strecken Sie im Sitzen die Arme weit nach vorne, bis eine Spannung entsteht. Oberkörper dabei leicht mitnehmen und Position zehn Sekunden halten. Kehren Sie danach in die Ausgangsposition zurück. Drei Wiederholungen.

4. Füße aneinanderstellen. Beine geschlossen nach rechts anheben, absenken, kurz den Boden berühren und nach links anheben. Acht Wiederholungen.

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