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Mikrobiologe im Interview: Was für die Corona-Auffrischimpfung spricht – und wann Geimpfte sie bekommen sollten

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Von: Juliane Gutmann

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Die dritte Covid-Impfung wird „mit hoher Wahrscheinlichkeit nötig“ – so Professor Franz-Xaver Reichl. Auch eine jährliche Auffrischimpfung hält er für realistisch.

Neue Studienergebnisse legen nahe: Die Schutzwirkung der Corona-Impfung hält nicht über Jahre an. Die Impfstoffhersteller Pfizer und Biontech gehen von einem Rückgang der Schutzwirkung des gemeinsamen Coronavakzins nach einem halben Jahr aus, wie das Ärzteblatt informiert. In einer Mitteilung des Biotechnologieunternehmens Biontech heißt es: „Wie anhand der vom israelischen Gesundheitsministerium erhobenen Daten aus der praktischen An­wen­dung bereits deutlich wurde, sinkt die Schutzwirkung des Impfstoffs gegenüber Infektionen und sympto­matischen Erkrankungen sechs Monate nach der zweiten Impfung“. Auf Basis der bisher vorliegenden Daten sei es wahrscheinlich, „dass eine dritte Dosis innerhalb von sechs bis zwölf Monaten nach der vollständigen Impfung erforderlich sein wird“, heißt es weiter.

Auch Virenexperte Professor Dr. Dr. Franz-Xaver Reichl von der Ludwig-Maximilians-Universität München warnt vor dieser Problematik im Interview mit der Ippen-Zentralredaktion: „Israelische Studien besagen, dass nach der zweiten Impfung ein Immunschutz so etwa sechs Monate bis maximal zwölf Monate anhält“, so Mikrobiologe Reichl. Um den schwindenden Impfschutz wieder aufzufrischen, würde eine Boosterimpfung nötig werden.

Prof. Franz-Xaver Reichl ist Beauftragter für die Biologische Sicherheit von Bakterien und Viren an der Ludwig-Maximilian-Universität München.
Prof. Franz-Xaver Reichl ist Beauftragter für die Biologische Sicherheit von Bakterien und Viren an der Ludwig-Maximilians-Universität München. © Marcus Schlaf

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Boosterimpfung: Auffrischimpfung jedes Jahr aufs Neue?

Um die Schutzwirkung einer mRNA-Corona-Impfung von Biontech/Pfizer oder Moderna aufrechtzuerhalten, reicht Reichl zufolge eine Impfstoffdosis zur Auffrischung. Bei den Einmal-Impfungen wie im Fall des Johnson & Johnson-Präparats werde noch erforscht, ob und wann eine zweite Impfung nötig wird. Doch wie lange hält eine Boosterimpfung überhaupt an? „Darüber gibt es die ersten Untersuchungen von Biontech“, so Toxikologe Reichl. Die Firma erprobe aktuell an Freiwilligen, wie sich die dritte Impfung auswirkt: „Wie lange dann der Schutz nach der dritten Impfung ist, ist noch völlig unbekannt. Aber man geht davon aus, dass er dann wieder etwa ein halbes Jahr bis Jahr geht. Im Endeffekt wird es wahrscheinlich so rauslaufen, dass dann jedes Jahr eine Auffrischungsimpfung erfolgt, ähnlich einer Influenza-Impfung“.

Auch in Hinblick auf Corona-Mutationen werden Auffrischungsimpfungen in der Zukunft eine tragende Rolle spielen, so die Annahme vieler Mediziner. Reichl zufolge wirken die mRNA-Impfstoffe noch relativ gut gegen die aktuell ansteckendste Delta-Variante. Der Impfschutz liegt hier bei über 90 Prozent. „Aber die mRNA-Impfstoffe sind auch schon in der Entwicklung für Varianten, die eine höhere Wirksamkeit erlangen können. Angepasst können die mRNA-Impfstoffe relativ schnell“. (jg)

Mehr Quellen: https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/125447/; https://investors.biontech.de/news-releases/

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