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Gewicht halbiert: Heute passt Zorka mit ihrem gesamten Körper in ein Hosenbein von früher.

tz-Gesundheitsreport

Bayerin halbierte ihr Gewicht: „So nahm ich 81 Kilo ab“

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München - Im neuen Jahr mehr Sport treiben - das ist zu Silvester stets ein beliebter Vorsatz fürs neue Jahr. Zorka Wüstendörfer (34) aus dem Landkreis Rosenheim hat geschafft, was sich viele nur vornehmen: Sie nahm 81 Kilo ab.

Im Kampf gegen den inneren Schweinehund nehmen viele Bayern kurz vor Silvester den Mund traditionell ziemlich voll. Gerade etwas fülligere Freistaatler zeigen sich in Umfragen wild entschlossen, im neuen Jahr endlich abzunehmen, mehr Sport zu treiben und sich gesünder zu ernähren. Allerdings verlässt viele schon nach wenigen zähen Januartagen wieder der Mut: Weil der Gegner, besagter innerer Schweinehund, zu mächtig erscheint. Aber „Geht nicht“ gibt’s nicht, wie die Erfolgsgeschichte von Zorka Wüstendörfer (34) eindrucksvoll beweist. Die zweifache Mama aus Ostermünchen im Landkreis Rosenheim hat ihr Körpergewicht sogar halbiert!

Satte 81 Kilogramm nahm die 1,70 Meter große Frau mit Hilfe von Spezialisten der Gräfelfinger Wolfartklinik ab, drückte die Waage von 157 auf 76 Kilo. Und trotz einiger Rückschläge kann Zorka ihre neue Figur jetzt schon über viele Jahre halten.

Wie sie diesen Kraftakt geschafft hat – und wie auch andere Menschen lästige Pfunde loswerden können, das erklären die Adipositas-Patientin und ihr Arzt Privatdozent Dr. Günther Meyer im großen tz-Gesundheitsreport.

Zorkas Erfolgsgeschichte: „So nahm ich 81 Kilo ab“

Zorkas Erfolgsgeschichte – sie beginnt mit einem niederschmetternden Schlüsselerlebnis, das sich tief in ihr Gedächtnis eingebrannt hat. Es geschah an einem finsteren Wintermorgen vor fast neun Jahren. „Ich habe mich nach längerer Zeit mal wieder auf die Waage gestellt. Sie zeigte ‚Error‘ an, weil sie nur auf ein Maximalgewicht von 150 Kilo ausgelegt war“, erinnert sich Zorka, die damals 157 Kilo wog. „Da habe ich zu meinem Mann Markus gesagt: Jetzt muss etwas geschehen, sonst liege ich bald zwei Meter tief unter der Erde.“

Die junge Frau hätte sich damals tatsächlich „beinahe zu Tode gefressen“, wie sie selbst sagt: „Ich habe alles in mich hineingestopft, was ich zwischen die Finger bekommen habe – Süßigkeiten, Kuchen, Wurst, Fleisch, Knödel – einfach alles, den ganzen Tag.“

Unbändige Esssucht, die in Fettleibigkeit endete. Eine Erkrankung, die Mediziner als Adipositas bezeichnen. „Die Patienten werden oft stigmatisiert, also beispielsweise als charakterschwach abgekanzelt“, erläutert Privatdozent Dr. Günther Meyer. „Dabei handelt es sich um eine überwiegend genetisch bedingte Erkrankung. Die Patienten brauchen zwingend Hilfe, um das Problem in den Griff zu bekommen.“

Mit dem Problem haben immer mehr Menschen zu kämpfen. „Die Zahl der Betroffenen hat in den vergangenen Jahren stark zugenommen“, berichtet Dr. Meyer. Offizielle Statistiken sprechen von einem geschätzten Bevölkerungsanteil zwischen 16 und 24 Prozent. „Allein im Jahr 2014 mussten sich sieben Millionen wegen Adipositas in Arztpraxen behandeln lassen.“ Rein statistisch gesehen ist ihr Sterblichkeitsrisiko um bis zu 173 Prozent erhöht.

Ab einem Body-Mass-Index von 40 spricht die WHO von extremer Adipositas

Zorkas persönliches Risiko war ursprünglich regelrecht dramatisch. Zum Vergleich: Ab einem Body-Mass-Index von 40 spricht die Weltgesundheitsorganisation von extremer Adipositas, Grad III – der höchsten Stufe. „Aber mein BMI sprengte sogar die 50er-Marke“, erinnert sich die junge Mama. „Bei Adipositas in diesem Ausmaß können in aller Regel nur noch chirurgische Maßnahmen die notwendige Gewichtsabnahme dauerhaft und ausreichend bewirken“, ergänzt der Adipositas-Chirurg.

Auch deshalb nahm Zorka ihr Herz in beide Hände und entschloss sich zu einer Operation. Im renommierten Adipositas-Zentrum der Gräfelfinger Wolfartklinik ließ sie sich einen sogenannten Magenbypass legen – eine bestimmte Form der Magenverkleinerung, die derzeit als modernste Variante der Adipositas-Chirurgie gilt. Dabei wird ein großer Teil des Magens abgetrennt und praktisch stillgelegt. Nur ein kleiner Restteil wird weiter genutzt und mit einer Dünndarmschlinge verbunden. Diese Kombi wirkt – vereinfacht ausgedrückt – wie eine Umleitung um den stillgelegten Magen. „Dadurch reduziert sich das Magenvolumen von über einem Liter Inhalt auf 40 Milliliter. Zum Vergleich: So viel passt in eine Espressotasse“, erläutert Dr. Meyer. Der wichtigste Effekt: Der Patient kann nur noch kleine Mengen essen, bekommt danach sehr schnell ein Sättigungsgefühl.

Der Eingriff wird laparoskopisch vorgenommen – das heißt: Der Chirurg führt durch vier kleine Hautschnitte mit einem Durchmesser von etwa 15 Millimetern feinste Instrumente in den Bauchraum ein. Die Methode gilt zwar inzwischen als sehr sicher, das Komplikationsrisiko ist ähnlich gering wie beispielsweise bei einer Gallenblasenentfernung. Aber dennoch handelt es sich um eine größere Operation, wie der erfahrene Bauchchirurg Dr. Meyer betont. „Die OP dauert etwa eineinhalb bis zwei Stunden, anschließend muss der Patient etwa fünf Tage im Krankenhaus bleiben. Er bekommt für einige Tage Tee, Brühe, Zwieback und Joghurt, darf dann einige Wochen lang nur Brei essen, damit sich das neue Magensystem an die Umstellung gewöhnen kann“.

„Kohlenhydrate reduzieren, aber nicht ganz darauf verzichten“

„Durch den Magenbypass verlieren die Patienten im statistischen Mittel etwa 70 Prozent ihres Übergewichts“, berichtet Dr. Meyer, „das gelingt allerdings nur dann, wenn sie nach der Operation auch konsequent ihre Ernährungsgewohnheiten umstellen.“ Für Zorka bedeutet dies: „Disziplin, Disziplin und noch mal Disziplin.“ Sie verzichtet komplett auf Kohlenhydrate, isst also weder Kartoffeln, Nudeln oder andere Getreideprodukte noch Obst. Zucker gibt’s grundsätzlich nicht. In der Regel kommen nur eiweißhaltige Speisen wie Fleisch und Gemüse auf den Tisch. „Alles in Maßen zu genießen, das klappt bei mir einfach nicht. Es geht nur, wenn ich absolut konsequent bin.“ Dazu gehört für sie auch, mindestens drei bis vier Liter Wasser am Tag zu trinken, um das Sättigungsgefühl zu erhöhen. Vitamine nimmt sie in Form von Tabletten und Spritzen zu sich.

Klingt nach einem steinigen Weg, den man aber nicht zwangsläufig so gerade gehen muss, wie auch Dr. Meyer betont. „Wir empfehlen zwar, die Aufnahme von Kohlenhydraten zu reduzieren, aber man muss nicht ganz auf sie verzichten, um abzunehmen.“

Neben einer ausgewogenen Ernährung ist Bewegung beziehungsweise Sport sehr wichtig. „Am besten drei Mal die Woche mindestens 30 Minuten“, erklärt Dr. Meyer. Daran hält sich auch Zorka eisern. Sie geht zwei Mal pro Woche schwimmen und drei Mal die Woche zum Cross-Fit, einem speziellen Fitnesstrainingsprogramm.

Das Gemeine: „Ich weiß, dass ich sofort wieder zunehme, wenn ich meinen Plan nicht konsequent verfolge“, erzählt Zorka. Zwei Mal ist ihr das schon passiert, unter anderem nach der Geburt ihrer Kinder Anastasia (6) und David (2). Aber sie hat es stets geschafft, den Schalter wieder umzulegen – auch dank der ärztlichen Nachsorge. „Diese ist extrem wichtig“, sagt Dr. Meyer. „Denn Adipositas hört mit dem Abnehmen nicht auf. Es handelt sich praktisch um eine lebenslange Erkrankung. Aber mit einigen Tipps und Tricks lässt sie sich gut in Schach halten.“

Tipps und Tricks - das rät Dr. Meyer:

  • Erinnern Sie sich an die drei Stellschrauben zur Gewichtskontrolle: Ernährung, Bewegung und Verhaltensmuster. Beim letzten Punkt gilt beispielsweise: Nie aus Frust oder gegen den Stress essen!
  • Achten Sie auf Kalorienfallen im Alltag. So hat beispielsweise eine einzelne Butterbreze über 300 Kilokalorien (kcal), eine Leberkässemmel je nach Größe schnell mal über 600 Kalorien.
  • Lassen Sie sich von Experten beraten, um gemeinsam einen klaren Ernährungsplan zu entwickeln. Gestalten Sie den Plan so, dass Sie ihn auch wirklich einhalten können.
  • Legen Sie ein Ernährungsprotokoll an, um sich bewusst zu machen, wo sich überflüssige Kalorien vermeiden lassen.
  • Lassen Sie sich Ihren Ernährungsplan nicht von anderen madig machen – Sie wissen selbst am besten, wie Sie Ihr Ziel erreichen.
  • Was aber tun, wenn die Gelüste nach einer Kaloriensünde immer noch stärker werden? In diesen heiklen Momenten erinnert sich Zorka Wüstenddörfer immer da­ran, was sie schon geschafft hat und wie viel pure Lebensqualität sie durchs Abnehmen gewonnen hat. „Früher hatte ich Kleidergröße 56, heute 40 bis 42. Also sage ich mir einfach: Nichts schmeckt so gut, wie sich eine enge Jeans anfühlt.“

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