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Spezialist Dr. Andreas B. Imhoff gibt Tipps

Schmerzen in der Schulter? Das sollten Sie wissen

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In unserem großen Gesundheitsreport zum Münchner Chirurgenkongress gibt Professor Dr. Andreas B. Imhoff einen Überblick über die sieben häufigsten Schulterleiden und zeigt die Behandlungsmöglichkeiten auf. 

Alleskönner, aber anfällig: Auf der einen Seite gilt die Schulter als beweglichstes Gelenk des menschlichen Körpers. Auf der anderen Seite bietet sie viel Angriffsfläche für Verletzungen und Erkrankungen. 

„Das komplexe Kugelgelenk ermöglicht den Armen einen Bewegungsspielraum von 360 Grad“, weiß Professor Dr. Andreas B. Imhoff. „Und weil der Radius so groß ist, bedarf es vieler Stabilisatoren – Bänder, Sehnen, eine Kapsel, Muskeln und eine Meniskus-ähnliche Gelenklippe, die das ganze System im Gleichgewicht halten. Wenn einer dieser wichtigen Stabilisatoren ausfällt, kann es Probleme geben – und diese Gefahr ist größer als bei allen anderen Gelenken.“

Probleme mit der Schulter erfordern viel Geduld

So vielschichtig die Krankheitsbilder auch sein können, eins haben sie gemein: Sie auszukurieren, ist eine langwierige Angelegenheit. „Oft sind Bänder und Sehnen beschädigt, und deren Heilung dauert länger als jene von Knochen. Die Reha ist aufwendig. Mit sechs Physiotherapie-Terminen auf einem Rezept ist es nicht getan, meist ist ein monatelanges konsequentes Übungsprogramm erforderlich“, erläutert Imhoff, der als einer der erfahrensten Schulterspezialisten gilt. Der Chef der Abteilung für Sportorthopädie am Uniklinikum rechts der Isar hat in seiner über 30-jährigen Laufbahn bereits mehrere Tausend Schulter-Operationen durchgeführt, auf sein Können vertrauen unter anderem Fußball-Stars wie Bastian Schweinsteiger und Jerome Boateng.

Die sieben häufigsten Schulterleiden

In unserem großen Gesundheitsreport zum Münchner Chirurgenkongress gibt Professor Imhoff einen Überblick über die sieben häufigsten Schulterleiden und zeigt die Behandlungsmöglichkeiten auf.

Schulterexperte Prof. Andreas B. Imhoff.

1. Kalkschulter- Tendinitis calcarea

Schulterschmerzen können Betroffenen den Alltag zur Hölle machen, wie beispielsweise eine Kalkschulter. Auf dem Röntgenbild ist die Entfernung des Kalkdepots zu sehen.
  • Die Erkrankung: Der Fachbegriff lautet Tendinitis calcarea. Tendo kommt aus dem Lateinischen und bedeutet Sehne, die griechische Endung itis beschreibt eine entzündliche Erkrankung. Und calcarius ist der lateinische Ausdruck für Kalk. Die Kalkschulter macht bis zu 7,5 Prozent aller Schultererkrankungen aus, sie entsteht in 95 Prozent der Fälle an der Supraspinatussehne – an der rechten Schulter häufiger als an der linken. Frauen sind doppelt so häufig betroffen wie Männer. Die Patienten sind meist zwischen 35 und 50 Jahren alt.
  • Die Entstehung: Die wahrscheinlichste Ursache ist eine Überbelastung der Sehne, die dann zu einer Durchblutungsstörung führt. Dadurch wiederum kommt es zu Kalkeinlagerungen im Sehnengewebe.
  • Die Symptome: Beschwerden bei Bewegungen über Schulterhöhe, oft haben die Patienten auch im Ruhezustand starke Schmerzen, vor allem nachts.
  • Die Behandlungsmöglichkeiten: In erster Linie konservativ mit Physiotherapie, unter anderem mit Muskeltraining. „Die Selbstheilungsrate ist groß und liegt bei bis zu 90 Prozent“, erläutert Imhoff. Allerdings braucht der Patient viel Geduld. „Der Heilungsprozess ist langwierig und dauert bis zur vollständigen Genesung durchschnittlich fünf Jahre. In akuten Schmerzphasen erhalten die Patienten oft entzündungshemmende Medikamente wie Voltaren oder Ibuprofen.

Wenn allekonservativen Behandlungsmöglichkeiten ausgeschöpft sind, die Schmerzen aber über mindestens drei bis sechs Monate trotzdem anhalten, dann kommt auch ein Needling infrage. „Needling bedeutet, dass eine große Kalkeinlagerung mit feinen Nadelstichen zerkleinert wird und dadurch für den Körper leichter zu resorbieren ist“, erklärt Imhoff. Das Needling kann ebenfalls im Rahmen einer Arthroskopie eingesetzt werden, dabei wird der freigesetzte Kalk mithilfe einer Wasserspülung aus dem Gelenk entfernt.

Bei großen Kalkdepots muss der Kalk während der Schulterarthroskopie mit kleinsten Schnitten und filigranen Instrumenten aus der Sehne herausgeschält werden. Die Schulterarthroskopie bewirkt in der Regel einen schnelleren Heilungsverlauf, birgt aber auch das Risiko einer Sehnenverletzung. Denn der Operateur muss die Sehne in ihrem Verlauf vorsichtig aufschneiden, um den Kalk herausholen zu können. Manchmal muss die Sehne hinterher wieder genäht werden. Die OP dauert circa eine Stunde. Nach dem Eingriff muss man etwa zwei Nächte in der Klinik bleiben.

  • Der Heilungsverlauf: Es lohnt sich, mit einer Kalkschulter regelmäßig zur Phsyiotherapie zu gehen – selbst dann, wenn man sich irgendwann trotzdem unters Messer legt. „Je besser die Beweglichkeit vor der OP ist, desto schneller geht in der Regel die Reha“, so Imhoff. Sport ist in der Regel drei Monate nach dem Eingriff wieder möglich. Bei einer konservativen Therapie gilt: „In akuten Schmerzphasen sollte man auf Sport verzichten.“
Entfernung von Kalkdepots,  Arthroskopie.

2. Verletzung des Schultereckgelenks

  • Die Erkrankung: Etwa 10 bis 12 Prozent aller Verletzungen des Schultergürtels betreffen das Acromioclavikulargelenk – so der Fachausdruck fürs AC- bzw. Schultereckgelenk.
  • Die Entstehung: Meist durch Stürze, beispielsweise beim Skifahren, Snowboarden oder Mountainbiken.
  • Die Symptome: Schmerzen über dem AC-Gelenk, Hervortreten des Schlüsselbeins, Ärzte reden vom Klaviertastenphänomen.
  • Die Behandlungsmöglichkeiten: Wenn die Bänder des äußeren Schlüsselbeins noch weitgehend intakt sind, ist eine konservative Therapie möglich: Kühlung, Ruhigstellung, Schonung und Sportpause. „Sind die Bänder gerissen, und das Schlüsselbein ist verschoben, macht eine OP Sinn – vor allem für junge und sportliche Patienten“, erläutert Imhoff. Denn wenn man diese Luxation des AC-Gelenks – im Volksmund Schultereckgelenksprengung genannt – konservativ behandelt, besteht die Gefahr von chronischen Beschwerden. Das Schlüsselbein kann dann instabil bleiben.

Die arthroskopische OP dauert circa 60 Minuten. Dabei wird ein kleines Loch ins Schlüsselbein und den darunterliegenden Rabenfortsatz gebohrt. Durch den Bohrkanal werden die Bänder mit Fäden (Tapes) wieder in ihre ursprüngliche Position gezogen und mit einem Metallplättchen verankert. Neben den allgemeinen OP-Risiken besteht die Gefahr, dass das Schlüsselbein und/oder der Rabenfortsatz brechen – allerdings tritt diese Komplikation in den Händen eines erfahrenen Operateurs selten ein. Der Patient muss etwa zwei Nächte in der Klinik bleiben.

  • Der Heilungsverlauf: Bei konservativer Therapie dauert es etwa sechs Wochen, bis die Bänder ausgeheilt sind. Nach einer OP darf der Patient seine Schulter 6 bis 12 Wochen nicht stärker belasten. Sport ist nach drei Monaten wieder erlaubt. Achtung: „Bei zu früher Belastung kann es erneut zu einer Schultereckgelenksprengung kommen“, warnt Imhoff, „deshalb ist eine gut geplante Nachbehandlung ganz wichtig. Es kommt darauf an, die Belastung maßvoll zu steigern.“
Stabilisierung des Schultereckgelenks.

3. Schultersteife­­ (frozen shoulder)-  adhäsive Kapsulitis

  • Die Erkrankung: Ärzte sprechen meist von Schultersteife oder einer frozen shoulder, was aus dem Englischen übersetzt eingefrorene Schulter bedeutet. Manchmal wird aber auch der Fachbegriff adhäsive Kapsulitis verwendet. „Darunter versteht man eine verklebende Kaspelentzündung“, erklärt Imhoff. Betroffen sind etwa fünf Prozent aller Schulterpatienten im Alter von 40 bis 70 Jahren. „Aus Untersuchungen wissen wir, dass Frauen zwischen 40 und 60 sowie Diabetiker ein erhöhtes Erkrankungsrisiko haben“, berichtet Imhoff.
  • Die Entstehung: Die Ursache ist meist nicht eindeutig zuzuordnen. Offenbar können andere Erkrankungen wie Diabetes, bestimmte Schilddrüsenerkrankungen (Thyreosen), Probleme an der Halswirbelsäule (HWS-Syndrom), erhöhte Fettwerte (Hyperlipidosen) und erhöhte Harnsäurewerte (Hyperurikämie) die Schultersteife begünstigen. Auch Unfälle, längere Ruhigstellungen etwa nach Brüchen oder Operationen, Arthrose im Oberarm, eine Kalkschulter oder Infektionen können bei der Entstehung der Schultersteife eine Rolle spielen.
  • Die Symptome: Die Schulter schmerzt und wird zunehmend steif. Dabei verlaufen die Beschwerden und auch die Besserung in drei Phasen:

1. Phase: Entzündung – Mediziner sprechen vom „Freezing“ oder „Einfrieren“. „Die Vernarbung der Kaspel führt zu Schmerzen, auch im Ruhezustand und nachts. Die Beweglichkeit nimmt langsam ab“,erläutert Imhoff.

2. Phase: Einsteifung – diesen Zustand nennen Mediziner „frozen“ oder „eingefroren“. Hierbei ist die Beweglichkeit der Schulter bereits hochgradig eingeschränkt.

3. Phase: Lösung. Die Ärzte sprechen von „thawing“ oder „auftauen“. Die Beweglichkeit bessert sich scheinbar spontan wieder, der Patient hat meist keine Schmerzen mehr.

  • Die Behandlungsmöglichkeiten: Die Schultersteife wird in erster Linie konservativ behandelt. Dazu gehören u. a. Physiotherapie mit Dehnungsübungen und die Einnahme von entzündungshemmenden Medikamenten. „Meist reichen Geduld und eine gut dosierte Physiotherapie aus, um das Problem in den Griff zu bekommen“, weiß Imhoff.

Bei starken Bewegungseinschränkungen (Phase 2) kann eine OP sinnvoll sein. Bei dem etwa halbstündigen arthroskopischen Eingriff werden die Vernarbungen mit einer Hitzesonde (Elektrothermiegerät) gelöst. Der Patient muss mindestens ein bis zwei Nächte in der Klinik bleiben, manchmal auch bis zu vier Tagen, um mit einer intensiven Physiotherapie ein erneutes Vernarben zu verhindern. Ein solches Rezidiv (Wiederaufreten) gehört neben Infektionen, Nervenverletzungen oder Blutungen zu den (seltenen) OP-Risiken.

  • Der Heilungsverlauf: Bei konservativer Behandlung dauert es etwa 18 bis 24 Monate, bis die Schultersteife überstanden ist. „Nach einer OP ist in der Regel noch im Operationssaal die volle Beweglichkeit wiederhergestellt“, sagt Imhoff.

Im entzündlichen Stadium (Phase 1) gilt ein Sportverbot. Anschließend können die Patienten im schmerzfreien Bereich wieder trainieren. „Der richtige Zeitpunkt ist von Fall zu Fall sehr verschieden“, weiß der Chefarzt. Nach einer OP sollte der Patient zunächst regelmäßig zur Physiotherapie gehen, mindestens zwei Mal pro Woche, und die Belastung langsam wieder steigern.

4. Gelenkverschleiß in der Schulter - Omarthrose

  • Die Erkrankung: Omarthrose ist der Fachbegriff für Gelenkverschleiß in der Schulter. „Sie macht fünf Prozent aller Arthroseformen aus“, berichtet Imhoff. Frauen sind häufiger betroffen als Männer – etwa im Verhältnis 60 zu 40 Prozent.
  • Die Entstehung: Man unterscheidet zwischen zwei Arten: So gibt es die primäre Omarthrose. Sie ist auf altersbedingten Verschleiß zurückzuführen. Die sekundäre Omarthrose ist eine Folge von Knochenbrüchen oder von einer Durchblutungsstörung.
  • Die Symptome: Bewegungseinschränkungen – anfangs bei der Außenrotation, später auch bei der Abspreizung des Armes. Typisch sind bewegungsabhängige Schmerzen, aber auch Beschwerden im Ruhezustand, vor allem nachts. Besonders heftig können die Schmerzen bei einer aktivierten Arthrose werden – so nennt man eine Entzündungsreaktion auf den Gelenkverschleiß.
  • Die Behandlungsmöglichkeiten: Bis heute gilt Arthrose als unheilbar, es lassen sich lediglich die Symptome behandeln, vorzugsweise mit entzündungshemmenden Medikamenten. Als letzte Möglichkeit bleibt nur der Gelenk­ersatz. Dabei stehen verschiedene Prothesentypen zur Verfügung. „Wichtig ist die Unterscheidung, ob die Rotatorenmanschette – sozusagen der Motor der Schulter – noch intakt ist“, erläutert Imhoff. Bei guter Knochensubstanz und intakter Gelenkpfanne reicht ein Oberfächenersatz des Oberarmkopfes aus, bei schlechter Knochensubstanz wird ein Implantat mit einem langen Schaft verwendet. Nur so lässt es sich stabil verankern. Wenn auch die Gelenkpfanne verschlissen ist, dann muss sie durch ein Kunststoffimplantat ersetzt werden. Im Falle einer zerstörten Rotatorenmanschette besteht die Möglichkeit, eine sogenannte inverse Schulterprothese einzubauen. Sie kehrt das Drehzentrum des Gelenks praktisch um. Die inverse Prothese nimmt den Patienten in der Regel die Schmerzen, gibt ihnen aber nur ein eingeschränktes Maß an Beweglichkeit und Belastbarkeit zurück.

Die OP-Zeit ist abhängig vom Prothesentyp und beträgt in der Regel 60 bis 90 Minuten. Der Patient verbringt etwa vier bis fünf Nächte in der Klinik, beginnt dabei bereits am Tag nach dem Eingriff mit ersten Bewegungsübungen. Neben den allgemeinen OP-Risiken wie Infektionen, Nervenverletzungen und Blutungen kann es (selten) zu Brüchen am Knochen kommen.

  • Der Heilungsverlauf: Eine stationäre Reha macht Sinn. Generell geht es in den ersten sechs Wochen nach der OP darum, die Schulter wieder so beweglich wie möglich zu machen. In den folgenden sechs Wochen steht eine Kräftigung der Muskulatur des Schultergürtels an. „Nach drei Monaten ist die Schulter in der Regel wieder gut alltagstauglich“, sagt Imhoff. Dann kann der Patient wieder intensiver sporteln – Radeln auf dem Ergometer sollte schon früher gehen. Generell gilt: Je besser die Beweglichkeit der Schulter vor der OP, desto schneller bringt die Reha Fortschritte.
Bei Schulteroperationen tragen Professor Imhoff und sein Team spezielle OP-Anzüge. Diese sollen dabei helfen, das Infektrisiko zu minimiere.

5. Riss der Rotatorenmanschette

  • Die Erkrankung: „Die Rotatorenmanschette ist eine Gruppe von vier Muskeln, die maßgeblich für die Bewegung und Stabilität der Schulter verantwortlich ist“, erklärt Prof. Imhoff. „Rotatoren heißen sie deshalb, weil die Muskeln vor allem für die Innen- und Außenrotation zuständig sind. Und von einer Manschette ist die Rede, weil die Sehnen der Muskeln den Oberarmkopf flächig – ähnlich einer Manschette – umgreifen.“ Meist erkranken Patienten über 55 Jahren, Männer sind wesentlicher häufiger betroffen als Frauen.
  • Die Entstehung: Die Sehnen können durch Durchblutungsstörungen in Folge von chronischer Überlastung Schaden nehmen. Sie können auch bei einem Unfall reißen – in vielen Fällen waren sie zuvor bereits durch Verschleiß geschwächt.
  • Die Symptome: Die Patienten haben Schmerzen und Mühe dabei, den Arm über Schulterhöhe zu heben. Oft treten die Beschwerden bei Belastung auf, teils auch in Ruhe auf — vor allem nachts. Die Armkraft lässt nach.
  • Die Behandlungsmöglichkeiten: Teilrisse kleiner als 50 Prozent des Sehnendurchmessers können mit Physiotherapie und entzündungshemmenden Medikamenten wie Voltaren behandelt werden. Wenn die Rotatorenmanschette stärker beschädigt oder komplett gerissen ist, muss sie in einer OP genäht werden. Wie lange der Eingriff dauert, hängt von der Anzahl der gerissenen Sehnen ab, im Schnitt 90 Minuten. „Durch drei bis vier kleine Hautschnitte von maximal etwa einem Zentimeter Länge werden eine Kamera und die Nahtinstrumente eingeführt“, erklärt Imhoff. „Der meist entzündete Schleimbeutel wird entfernt und die Sehne mit einem Knochenanker am Oberarmkopf fixiert.“

Auf die OP folgen in der Regel drei Nächte in der Klinik, anschließend ist eine dreiwöchige ambulante oder stationäre Reha ratsam. In seltenen Fällen kann es neben den allgemeinen OP-Risiken wie Infektionen, Blutungen und Nervenverletzungen auch zu Brüchen am Knochen und/oder einer Lockerung der Knochenanker kommen.

  • Der Heilungsverlauf: Im Schnitt dauert es drei Monate, bis die Rotatorenmanschette wieder voll belastbar ist. Je besser die Beweglichkeit vor dem Eingriff ist, desto schneller gestaltet sich meist die Reha.

6. Erkrankungen der Bizepssehne - Tendinitis

  • Die Erkrankung: Wenn die lange Bizepssehne entzündet ist, spricht man von einer Tendinitis. Bei einer sogenannten SLAP-Läsion handelt es sich – vereinfacht ausgedrückt – um Risse in der Knorpellippe am Oberrand der Schulterpfanne. Dort ist die Bizepssehne verankert. Dementsprechend steht die englische Abkürzung SLAP für Superiores (oberes) Labrum (Knorpellippe) von Anterior (vorne liegend) nach Posterior (hinten liegend).
  • Die Entstehung: „Eine Entzündung der langen Bizepssehne ist häufig eine Begleitverletzung bei Rissen der Rotatorenmanschette“, weiß Imhoff. Zu einer SLAP-Läsion kommt es oft durch Unfälle oder Sportverletzungen. Häufig spielen Vorschäden durch chronische Überlastung eine Rolle.
  • Die Symptome: „Bei einer Entzündung haben die Patienten Schmerzen im Verlauf der langen Bizepssehne am vorderen Schultergelenk, bei einem Riss der Sehne rutscht zudem der Muskelbauch nach unten“, erklärt Imhoff. Bei SLAP-Läsionen klagen die Patienten über einen tiefen Schulterschmerz, der sich oft bei Überkopfarbeiten verschlimmert.
  • Die Behandlungsmöglichkeiten: Zur konservativen Behandlung gehören Physiotherapie und Schmerzmittel. In sehr vielen Fällen ist allerdings eine OP nötig. Während des etwa 30-minütigen Eingriffs wird die Bizepssehne mit einer Bioschraube oder einem kleinen Titanplättchen (Fachbegriff Bicepsbutton) am Oberarmknochen befestigt. Der arthroskopische Eingriff zieht ein bis zwei Übernachtungen im Krankenhaus nach sich. Neben den allgemeinen OP-Risiken (Infektion, Nervenverletzung, Blutung) besteht die Gefahr, dass sich der Knochenanker lockert oder die Sehne erneut reißt – diese Komplikationen sind allerdings selten.
  • Der Heilungsverlauf: Die Wundheilung dauert etwa zwei Wochen, eine längere Ruhigstlellung der Schulter ist nicht notwendig. Leichte körperliche Arbeiten sind bereits nach ein bis zwei Wochen wieder möglich, nach etwa drei Wochen kann man joggen oder auf dem Ergometer radeln. „Die volle Beugung und Rotation des Ellenbogens unter Belastung sollte man sechs Wochen lang vermeiden“, rät Imhoff. „Wichtig ist, dass man regelmäßig mindestens zwei Mal pro Woche zur Physiotherapie geht und das dort erlernte Übungsprogramm auch zu Hause durchzieht.“

7. Schulterinstabilität - Luxation

  • Die Erkrankung: Vereinfacht ausgedrückt rutscht der Oberarmkopf teilweise bzw. komplett aus der Gelenkpfanne. Umgangssprachlich ist vom Auskugeln der Schulter die Rede (Fachbegriff Luxation).
  • Die Entstehung: Es gibt zwei Ursachen für eine instabile Schulter: Entweder durch eine Verletzung, etwa einen Sturz. Dabei werden Kapsel und Bänder beschädigt. Die zweite Variante: eine angeborene Instabilität. Das Stützgewebe ist zu schwach. „Bei Unfällen sind Männer besonders oft betroffen, meist zwischen 20 und 40 Jahren“, berichtet der Schulterspezialist.
  • Die Symptome: Richtig schmerzhaft wird es für die Patienten meist erst dann, wenn sie sich die Schulter ausgekugelt haben. Manchmal haben sie bereits Beschwerden bei bestimmten Bewegungen (hohe Außenrotation).
  • Die Behandlungsmöglichkeiten: Besonders bei angeborener Schulterinstabilität stehen Kräftigungsübungen für die Muskulatur im Vordergrund. „Hingegen empfehlen wir bei unfallbedingten Schulterinstabilitäten jungen, sportlichen Patienten eine OP zur Stabilisierung – auch um einem erneuten Auskugeln der Schulter vorzubeugen“, so Imhoff.

Bei der Wahl des OP-Verfahrens kommt es darauf an, ob knöcherne Schäden am Oberarmkopf oder am Pfannenrand vorliegen. Wenn nur Kapsel und Bänder verletzt sind, reicht eine Weichteilstabilisierung mit Knochenankern am Pfannenrand aus. Sie erfolgt arthroskopisch und dauert etwa 45 Minuten. Wenn der Pfannenrand bereits beschädigt ist, macht man eine knöcherne Stabilisierung. Dabei wird der Rabenfortsatz des Schlüsselbeins samt seiner Sehnen an den Pfannenrand verpflanzt. „Dadurch entsteht eine Art Hängematte für den Oberarmkopf“, erläutert Imhoff. Für eine knöcherne Stabilisierung ist ein etwa sechs Zentimeter langer Hautschnitt nötig. Neben den allgemeinen OP-Risiken kann es in seltenen Fällen zur erneuten Instabilität sowie zu Knorpelschäden oder Arthrose kommen. Klinikaufenthalt: zwei Nächte.

  • Der Heilungsverlauf: Zwei Wochen nach der OP ist man einigermaßen alltagstauglich. Es dauert etwa drei Monate, bis man die Schulter wieder stärker belasten kann. 
Zwei Wochen nach der OP ist man einigermaßen alltagstauglich. Es dauert etwa drei Monate, bis man die Schulter wieder stärker belasten kann. 

Münchner Chirurgenkongress mit 6000 Teilnehmern

München wird zur Medizin-Hauptstadt – jedenfalls vom 21. bis zum 24. März: Dann treffen sich in der Neuen Messe circa 6000 Mediziner und Spezialisten zur Jahrestagung der renommierten Deutschen Gesellschaft für Chirurgie (DGCH). „Wir tauschen uns unter anderem über moderne Behandlungsmethoden aus“, sagt Präsident Prof. Dr. Tim Pohlemann. Die Ärzte werden auch außerhalb des Kongresscenters Flagge zeigen – zum Beispiel bei einem Organspendelauf am 22. März entlang des Messesees und durch den Riemer Park. „Wir wollen darauf aufmerksam machen, dass Organspenden Leben retten können“, betont Pohlemann. Mehr zum Kongress: www.chirurgie2017.de.

Prof. Dr. Tim Pohlemann.

Auch wenn es wehtut: Bei Arthrose ist Bewegung wichtig

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