Notfall-Behandlung? Hausbesuch? Karte vergessen?

Das sind Ihre Rechte als Patient

München - Kann mein Hausarzt Hausbesuche ablehnen? Was gilt es bei den sogenannten IGeL-Leistungen zu beachten? Welche Rechte und Pflichten Patienten beim Arzt haben, zeigt unser Überblick:

Gesetzlich Versicherte haben Anspruch auf eine Zweitmeinung. Muss die Krankenkasse eine erneute Untersuchung komplett bezahlen?

Bei Zweifeln an der Diagnose oder der vorgeschlagenen Therapie können gesetzlich Versicherte eine zweite Meinung einholen. Grundsätzlich werden die Kosten von den Kassen übernommen. Bei umfassenderen Untersuchungen sollten Versicherte vorher mit der Krankenkassen Kontakt aufnehmen, empfiehlt Sabine Düver vom Gesundheitsladen München.

Muss mein Arzt meine Behandlungsunterlagen herausgeben?

„Wenn es der Patient wünscht, muss der Arzt unverzüglich Kopien von allen Behandlungsunterlagen herausgeben“, erklärt die Juristin. Diese Regelung wurde mit dem Patientenrechtegesetz verschärft. Röntgenbilder, die sich nicht kopieren lassen, muss der Arzt im Original gegen Quittung herausgeben. Inzwischen liegen Röntgenaufnahmen meist aber auch digital vor – und können einfach kopiert werden.

Wie viel darf ein Arzt für Kopien der Patientenakte verlangen?

Für Kopien gilt in der Regel eine Obergrenze von 50 Cent pro Kopie. Der Arzt darf nur die Kosten berechnen, die ihm auch entstanden sind. „Bei 100 Kopien wären 50 Euro sicherlich zu viel“, meint Düver. Die Kopien beim Arzt müssen aber auch nicht so günstig sein wie im Copy-Shop nebenan.

Nach der Behandlung mit Versichertenkarte bekomme ich eine Rechnung zugeschickt. Muss ich als gesetzlich Versicherter bezahlen?

Nein. Wenn der Arzt eine private Leistung vereinbart, muss dies vorher schriftlich festgelegt werden.

Bei Privatleistungen für gesetzlich Versicherte handelt es sich meist um sogenannte individuelle Gesundheitsleistungen – kurz IGeL-Leistungen: Was muss ich als Patient beachten?

„Versicherte sollten auf jeden Fall auf einer schriftlichen Vereinbarung bestehen“, sagt Düver. Für die Entscheidung zu einer IGeL-Leistung sollte man sich ausreichend Zeit nehmen. „Lassen Sie sich nicht unter Zeitdruck setzen. IGeL-Leistungen sind niemals dringend“, betont die Expertin. Vor Vertragsschluss muss der Arzt den Patienten auch über die Kosten, Risiken und Nebenwirkungen und alternative Behandlungsmethoden aufklären. Werden beim Arztbesuch nur IGeL-Leistungen in Anspruch genommen, muss auch die Versichertenkarte nicht eingelesen werden.

Kann der Arzt die Kosten für die IGeL-Leistung selbst bestimmen?

Für IGeL-Leistungen gilt die Gebührenordnung der Ärzte (GOÄ). Allerdings kann jeder Arzt den sogenannten Steigerungsfaktor selbst festlegen. Dieser kann bis zum 2,3-fachen Satz betragen, in schwierigen Fällen mit Begründung bis zum 3,5-fachen Satz. Dadurch können die Kosten für IGeL-Leistungen zwischen den Ärzten schwanken.

Ich habe meine Gesundheitskarte vergessen. Muss der Arzt mich dennoch behandeln? Darf er eine Gebühr verlangen?

In Notfällen muss der Arzt auf jeden Fall behandeln. Wird die Karte innerhalb von zehn Tagen nicht nachgereicht, kann der Mediziner eine Privatrechnung stellen. Reicht der Versicherte die Karte bis Ende des Quartals nach, bekommt er die Vergütung zurück. Eine Verwaltungsgebühr darf nicht berechnet werden.

Welche Mitwirkungspflichten habe ich als Patient?

„Patient und Arzt sollen zur Durchführung der Behandlung zusammenwirken“, heißt es im neuen Patientenrechtegesetz. Für den Patienten bedeutet das: Er muss seine Beschwerden deutlich mitteilen und auch den Therapieplan einhalten. „Wenn der Patient sich weigert, die Therapie umzusetzen – was sein Recht ist – , darf der Arzt die Behandlung abbrechen“, erläutert Düver. Allerdings darf er den Patienten dadurch nicht in eine Notlage bringen.

Kann mein Hausarzt Hausbesuche ablehnen?

Der Hausarzt ist grundsätzlich zu Hausbesuchen verpflichtet, wenn der Patient aktuell Hilfe benötigt und ihm ein Praxisbesuch nicht zuzumuten ist. Der Hausarzt kann allerdings auf den ärztlichen Notdienst verweisen, wenn er dringende Fälle zu versorgen hat, die keinen Aufschub erlauben.

Stichwort Schweigepflicht: Darf mein Arzt Informationen über die Behandlung an einen Kollegen weitergeben?

„Das ist nur erlaubt, wenn der Patient ausdrücklich zugestimmt hat.“ Der Facharzt darf also nicht einfach beim Hausarzt anrufen, um sich über Vorerkrankungen zu informieren. Die Schweigepflicht gilt natürlich auch für das Praxispersonal.

Weitere Informationen

-Die unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD) informiert bei Fragen rund um die Gesundheitsversorgung. Der Gesundheitsladen München (Waltherstraße 16 a) ist unter der Rufnummer 089/1891 3722 zu erreichen. Zudem bietet die UPD ein Beratungstelefon unter 0800/011 77 22.

-Bei Fragen zu Patientenrechten können sich Versicherte auch an die Patientenbeauftragte des bayerischen Gesundheitsministeriums, Gabriele Hartl, wenden. Das Büro der Patientenbeauftragten ist unter der Rufnummer 089/9214-3730 zu erreichen. Internet: www.patientenportal.bayern.de

-Bei der Arztsuche oder bei Terminproblemen beim Facharzt helfen auch die Krankenkassen.

Steffen Habit

Rubriklistenbild: © AP

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