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Die Nase drückt, es pocht und hämmert: Über zehn Prozent der Deutschen leiden unter Problemen mit den Nasennebenhöhlen.

Probleme mit den Nasennebenhöhlen

Sinusitis: Wann eine OP gegen Dauerschnupfen hilft

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Auch wenn eine volle Nase nervt, ist ein Schnupfen an sich kein Drama. Eine chronische Entzündung der Nasennebenhöhlen dagegen verursacht dauerhafte Beschwerden. Neben Medikamenten kann eine OP helfen.

Gerade im Winter werden U-Bahnen, Büros und Supermärkte zu Virenfallen, da handelt man sich schnell mal einen banalen Schnupfen ein. Nervig, aber kein Drama – denn normalerweise ist der Spuk nach ein, zwei, spätestens drei Wochen wieder vorbei. Problematisch wird es allerdings, wenn sich Erkältungsopfer über Monate durch den Alltag schniefen, ihren Dauerschnupfen einfach nicht losbekommen.

„Dahinter steckt häufig eine chronische Entzündung der Nasennebenhöhlen“, weiß Professor Dr. Wolfgang Wagner, Chefarzt für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde (HNO), Kopf- und Halschirurgie im Städtischen Klinikum Schwabing. „Am Anfang der Behandlung steht immer eine konservative Therapie. Wenn diese alleine jedoch nicht den gewünschten Effekt bringt, dann kann eine Operation helfen.“ Warum so viele Patienten mit der Volkskrankheit zu kämpfen haben, wie die OP gegen den Dauerschnupfen abläuft, welche Chancen und Risiken sie bietet, welche medikamentösen Alternativen es gibt – das erklärt der Münchner HNO-Spezialist im Medizinreport. 

Immer Ärger mit den Nasennebenhöhlen – das langwierige Problem stinkt Millionen von Patienten. Sie sind ständig müde, abgeschlagen, haben Kopfschmerzen. Ihre Nase drückt, fühlt sich verstopft an – so als ob eine Art Pfropfen drinnen stecken würde, der sich einfach nicht lösen will. Trotzdem trieft sie permanent, manchmal läuft der Schleim auch in den Rachen.

Probleme mit den Nasennebenhöhlen

Mehr als zehn Prozent aller Deutschen kennen solche Beschwerden – sie sind typisch für Sinusitis, wie Mediziner eine Entzündung der Nasennebenhöhlen nennen. Manchmal ist auch von Rhinosinusitis die Rede – dieser Fachbegriff schließt eine Entzündung der Nasenschleimhaut (Rhinitis) ein, die in der Regel einer Sinusitis vorausgeht.

Egal ob Sinusitis oder ­Rhinosinusitis – als chronisch wird sie eingestuft, wenn die Beschwerden auch nach zwölf Wochen immer noch nicht vollständig abgeklungen sind oder häufig wiederkehren.

Viren und Bakterien sind aber nicht die einzigen Übeltäter. „Die Nasennebenhöhlen können auch durch verschiedene Allergien und/oder Lebensmittelunverträglichkeiten in Mitleidenschaft gezogen werden“, berichtet Professor Wagner. „Auch eine allgemeine Überempfindlichkeit der Schleimhäute in den Nasennebenhöhlen kann ein Auslöser sein, beispielsweise gegenüber Temperaturwechsel, Trockenheit oder Stäuben – also Einflüssen, denen man sich im Alltag kaum entziehen kann. Manchmal bestehen sogar Zusammenhänge zwischen geschwollenen Nasennebenhöhlen und Magen-Darm-Erkrankungen.“

Professor Dr. Wolfgang Wagner, Chefarzt für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde (HNO), Kopf- und Halschirurgie im Städtischen Klinikum Schwabing.

Aber woran liegt es, dass manche Patienten besonders anfällig für eine Sinusitis sind? „Viele haben einfach ungünstige anatomische Voraussetzungen“, sagt Prof. Wagner. Oder vereinfacht ausgedrückt: Die knöcherne Architektur im Nasenbereich passt nicht. „Dann kann schon eine kleinere Schwellung der Schleimhaut durch einen Infekt oder eine Allergie ausreichen, um chronische Beschwerden zu verursachen“, erklärt der HNO-Spezialist und liefert die genauere Erklärung gleich hinterher:

„Im Gesichtsschädel befinden sich vier Nasennebenhöhlen, die ihn sozusagen durchziehen wie einen Schweizer Käse“, erklärt der Chefarzt im Städtischen Klinikum. „Sie alle haben kleine Öffnungen, die in die Nase führen. Durch sie fließt der Schleim, der in den Nasennebenhöhlen zu Reinigungszwecken erzeugt wird, in die Nase ab. Wenn aber diese nur wenige Millimeter großen Mini-Löcher verstopfen, kommt’s zum Schleimrückstau. Der Rückstau lässt wiederum die Schleimhaut anschwellen – und es kommt zu noch mehr Rückstau. Die feinen Flimmerhärchen, die den Schleim abtransportieren, funktionieren nicht mehr richtig. Die Folge dieser Kettenreaktion ist ein Entzündungsprozess.“

Ob ein Patient zu enge Nasennebenhöhlen-Ausgänge hat, lässt sich heutzutage mit einer Compurtertomografie (CT) des Gesichtsschädels leicht feststellen. Wenn sich der Verdacht erhärtet, kann eine OP sinnvoll sein (siehe Extra-Artikel). Der Eingriff gehört zu den häufigsten im Bereich der HNO-Heilkunde. „Allein in Deutschland wird er jährlich über 100 000 Mal durchgeführt“, berichtet Professor Wagner.

In jedem Fall wird der Arzt aber zunächst versuchen, die Entzündung mit konservativen Mitteln in den Griff zu bekommen. Dazu zählen schleimlösende Medikamente auf pflanzlicher Basis (beispielsweise Sinupret oder GeloMyrtol) oder auch abschwellende Nasensprays. „Diese sollte man aber nur über einen Zeitraum von einigen Tagen einsetzen, weil sie die Schleimhaut austrocknen und bei dauerhafter Anwendung die Nasenschleimhaut schädigen können“, warnt der Mediziner.

Schwerere Geschütze sind kortisonhaltige Nasensprays, die die Entzündungen zurückdrängen können. Allerdings helfen die Kortison-Sprays in der Regel nur bei leichteren chronischen Entzündungen und oft nicht dauerhaft gegen die Schnupfnase. „Umso wichtiger ist es, dass parallel zur Behandlung der Symptome die Ursachen abgeklärt werden“, rät Professor Wagner. „Dazu gehört neben der anatomischen Untersuchung durch den HNO-Arzt auch ein Allergietest.“

Andreas Beez

Wussten Sie's? Acht Mythen über Schnupfen - und was hilft

Infos zum Eingriff

  • So läuft die OP ab: Wer sich in den frühen Jahren der Nasennebenhöhlen-Chirurgie an den Nasennebenhöhlen operieren ließ, der musste sich im wahrsten Sinne des Wortes unters Messer legen. „Damals erfolgte der Zugang meistens von außen, also durch einen Hautschnitt neben der Nase“, weiß Professor Dr. Wolfgang Wagner. Doch inzwischen hat sich die OP-Technik stetig weiterentwickelt, das klassische Skalpell kommt bei einer chronischen Sinusitis kaum noch zum Einsatz. „Heute erfolgt der Eingriff minimal-invasiv ohne Schnitt von außen, komplett durch die Nasenlöcher hindurch“, erläutert der HNO-Spezialist. Diese schonende „Schlüsselloch-Chirurgie“ wird durch modernste Technik und optische Hilfsmittel ermöglicht, nämlich das Endoskop und das OP-Mikroskop. Damit werden eine optimale Sicht und optische Vergrößerung der anatomischen Strukturen erreicht. Außerdem erlaubt das Endoskop, ein dünner Lichtleiter, die Sicht „um die Ecke“, wodurch sich beinahe alle Bereiche des verwinkelten Nasennebenhöhlensystems erreichen lassen. In schwierigen Fällen kommt im OP-Saal sogar ein Navigationssystem zum Einsatz, das den Operateur unterstützt.

Unter optimaler Sicht wird dann das chronisch entzündete – also erkrankte – Gewebe entfernt. Wenn die Schleimhaut besonders viel Wasser einlagert, also besonders stark geschwollen ist, kommt es zur Bildung von Schleimhautausstülpungen, die man dann Polypen nennt. „Die Polypen der Nasennebenhöhlen haben aber nichts mit den kindlichen Polypen zu tun“, erklärt Professor Wagner, „die Bezeichnung ist nur zufällig gleich“. Gesunde Schleimhaut kann bei der OP belassen werden, um den operativen Eingriff möglichst klein zu halten. Durch die „Freiräumung“ der Nasennebenhöhlenausgänge kommt die natürliche Belüftung der Nasennebenhöhlen wieder zustande und der natürliche Schleimfluss kommt wieder in Gang. Der Teufelskreis aus „Schwellung – Verstopfung – Schleimstau – noch mehr Schwellung“ wird aufgehoben, und die natürliche Ausheilung wird ermöglicht.

  • Das kommt auf den Patienten zu: Die OP wird unter Vollnarkose durchgeführt. Sie dauert etwa 45 bis 60 Minuten. „In der Regel bleibt der Patient anschließend noch etwa 48 Stunden zur Überwachung in der Klinik. Anschließend ist er ungefähr ein bis zwei Wochen arbeitsunfähig geschrieben“, so Professor Wagner.

In der Regel verlaufen Sinusitis-Operationen reibungslos – auch deshalb, weil sie einen absoluten Routine-Eingriff darstellen. In jedem Fall sei es sinnvoll, wenn der Operateur Erfahrung mitbringe. „Er sollte den Eingriff schon einige Hundert Mal gemacht haben“, betont Professor Wagner, der selbst bei mehreren Tausend OPs dieser Art am Tisch gestanden ist.

  • So groß sind die Erfolgsaussichten: Neun von zehn Patienten haben nach der OP merklich weniger Probleme mit ihren Nasennebenhöhlen, oftmals sogar gar keine mehr. „Allerdings kommt die Entzündung in etwa 20 Prozent der Fälle zurück – besonders häufig dann, wenn der Patient Allergiker ist“, berichtet Professor Wagner. Daher wird in solchen Fällen begleitend eine Allergie-Testung und ggf. Allergie-Behandlung empfohlen.
  • Das sind die Risiken: Grundsätzlich sind wie bei jeder Operation Infektionen, Thrombosen oder Wundheilungsstörungen nie hundertprozentig auszuschließen. Wie bei jedem Eingriff kann es z.B. auch zu Nachblutungen kommen. „Wenn eine Komplikation auftritt, ist es wichtig, dass sie frühzeitig erkannt und erfahren versorgt wird, sodass die Behandlung schlussendlich doch für den Patienten zu einem Erfolg wird“, so der Chefarzt. Insgesamt sei der Eingriff durch die modernen schonenden Techniken vergleichsweise wenig belastend und auch kaum schmerzhaft. „Viele Patienten sind überrascht, wie wenig Beschwerden sie nach der OP haben“, ­erläutert Professor Wagner.

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