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Den Bildschirm im Blick: Ein OP-Team bei einem Eingriff per Schlüsselloch-Chirurgie.

Report vom Münchner Chirurgen-Kongress

So funktioniert eine schonende Bauch-OP mit kleinsten Schnitten

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Ist eine Operation im hohen Alter noch möglich? Gibt esschonendere Methoden? In unserem großen Gesundheitsreport zum Münchner Chirurgen-Kongress klären wir die wichtigsten Fragen. Diesmal: Bauch-OPs mit kleinsten Schnitten.

München - Minimalinvasive Operationen, Schlüsselloch-Chirurgie: Wenn es um Verletzungen oder Erkrankungen der Gelenke geht, sind solche Fachbegriffe längst in aller Munde. So haben die meisten Patienten schon mal etwas von einer „Arthroskopie“ gehört. Dabei reichen dem Arzt kleinste Hautschnitte aus, um eine Minikamera („Optik“) und filigrane Instrumente beispielsweise ins Knie oder in die Schulter einzuführen (hier gelangen Sie unserer Themenseite „Gesundheit“).

Weitaus weniger bekannt ist, dass sich die minimalinvasive Chirurgie auch bei Operationen im Bauchraum immer mehr durchsetzt. Besonders erfreulich dabei: „Inzwischen ist die Technik so sehr verfeinert worden, dass auch Krebspatienten zunehmend davon profitieren können“, sagt Prof. Jens Werner, Direktor der Allgemein- und Viszeralchirurgie des Uniklinikums Großhadern.

Der Arzt führt die OP-Instrumente und eine Kamera durch kleinste Öffnungen in den Körper ein. 

Sein Team führt pro Jahr mehr als 5000 Operationen durch – ein erheblicher Teil davon erfolgt inzwischen „laparoskopisch“. So wird die Schlüsselloch-Chirurgie im Bereich des Bauch und des Beckens in der Fachsprache genannt. Sie hat in den vergangenen Jahren eine bemerkenswerte Entwicklung genommen. So werden bestimmte Routine-OPs – etwa die Entfernung eines entzündeten Blinddarms oder einer Gallenblase – inzwischen fast nur noch laparoskopisch vorgenommen. Auf der Basis ihrer Erfahrungen und dank technischer Fortschritte greifen Mediziner nun auch bei Krebs-Operationen immer häufiger darauf zurück. „Am Darm operieren wir in etwa 70 bis 80 Prozent der Fälle minimalinvasiv“, sagt Experte Werner. „Auch Operationen an der Speiseröhre, dem Magen und Leber werden bei uns zunehmend minimalinvasiv durchgeführt, an der Bauchspeicheldrüse sind wir bereits bei 20 bis 25 Prozent.“

So funktioniert die Chirurgie mit kleinsten Schnitten

Unser Experte Prof. Jens Werner gibt einen Überblick über moderne minimalinvasive Verfahren:

Das ist das Grundprinzip der Methode: 

Durch einen kleinen Schnitt im Bereich des Bauchnabels werden etwa zwei bis drei Liter des Gases Kohlendioxid (CO2) in den Bauchraum geleitet. So wird die Bauchdecke angehoben, die Bauchorgane werden voneinander getrennt – das ermöglicht den Ärzten einen guten Überblick. Diesen gewinnen sie mithilfe einer Hightech-Mini- Kamera, auch „Optik“ genannt. Sie wird ebenso durch „Trokare“ (Hülsen) in den Bauchraum eingeführt wie miniaturisierte OP-Instrumente. Trokare gibt’s in der Regel in zwei Standardgrößen von fünf bzw. zehn Millimeter Durchmesser. 

Welche Vorteile haben diese OP-Verfahren? 

„In vielen wissenschaftlichen Studien hat sich gezeigt, dass bei minimalinvasiv operierten Patienten der Blutverlust geringer ist“, erklärt Prof. Jens Werner, Chefarzt für Chirurgie am Münchner Klinikum Großhadern. „Sie haben weniger Schmerzen bzw. brauchen weniger Schmerzmittel, sind schneller mobil und können früher aus dem Krankenkaus entlassen werden als offen operierte Patienten. Zudem erholt sich der Darm schneller, es kommt seltener zu Verwachsungen des Darmes sowie zu Komplikationen in der Lunge und in den Atemwegen.“ Vorausgesetzt, die minimalinvasiven Techniken würden von erfahrenen Operateuren in „spezialisierten Zentren“, also in Profi- Kliniken und Praxen, vorgenommen. Zur Erläuterung: Bei einer „offenen Operation“ benötigt der Arzt einen deutlich längeren Bauchschnitt. Er setzt je nach Zielregion einen etwa vier bis 30 Zentimeter langen Schnitt, um händisch oder mit OP-Instrumenten an das betroffene Organ bzw. zum Einsatzbereich gelangen zu können.

Was sind die Einsatzgebiete der Methode? 

Dazu gehören Notfälle wiedie OP des entzündeten Blinddarms oder der Gallenblase sowie beim Durchbruch eines Magengeschwürs. Bei geplanten Eingriffen wird diese Technik standardmäßig bei der Entfernung der Gallenblase, in der Refluxchirurgie (starkes Sodbrennen) und bei Zwerchfell- Brüchen eingesetzt, zudem bei chirurgischen Eingriffen bei starkem Übergewicht (Adipositas- Chirurgie), bei Darmkrebs und gutartigen Darmerkrankungen wie einer Divertikulitis, bei Eingriffen an Magen und Speiseröhre sowie der Leber und der Bauchspeicheldrüse. „Milz und Nebennieren können so entfernt werden“, sagt Werner. „Auch in der Versorgung von Leistenbrüchen und anderen Hernien der Bauchdecke birgt diese Technik viele attraktive Vorteile.“

Welche Rolle spielen dabei OP-Roboter? 

Für minimalinvasive Eingriffe nutzen Experten verschiedene Hilfsmittel, die unter anderem die Sicherheit der Patienten erhöhen. So kommen im Klinikum Großhadern zum Beispiel OP-Roboter zum Einsatz. Sie ersetzen – vereinfacht ausgedrückt – die Hände des Chirurgen. Dieser steuert den Roboter mit einer Art Joystick und mit Blick auf einen Monitor. Die Roboterfinger können feinste Schnitte setzen, sind schmaler als menschliche Hände – und können so auch auf engstem Raum arbeiten.

Welche Verbesserungen gibt es bei Kameras? 

Operateure greifen auf immer bessere Kameras zurück. Manche liefern gestochen scharfe Bilder in „4K-Qualität“ aus dem Bauchraum: Die Auflösung ist also besser als exzellente HD-Qualität beim Fernsehen. Verfeinerte sogenannte Bildgebungsverfahren machen sich Operateure auch bei der Entfernung von Krebsgeschwüren zunutze. Spezielle Techniken und lichtempfindliche Messverfahren ermöglichen es, Tumorgewebe exakter von gesundem Gewebe abzugrenzen. Dies ist enorm wichtig, damit der Arzt zwar möglichst den kompletten Tumor entfernen kann, aber so wenig gesundes Gewebe wie möglich schädigt. Dabei helfen neben speziellen Navigationstechniken auch kombinierte Schneide- und Nahtgeräte, auch „Stapler“ genannt. Sie haben teils nur einen Durchmesser von wenigen Millimetern, sind aber doch groß genug, um beispielsweise Darmanteile oder sogar ganze Organe wie Bauchspeicheldrüse oder Leber sicher durchtrennen und abdichten zu können. Das birgt unter anderem kosmetische Vorteile: „Der Patient hat hinterher praktisch eine narbenfreie Bauchdecke“, sagt Experte Werner. 

Was versteht man unter „Neuromonitoring“?

Für die Lebensqualität von Patienten nach einer Darmtumor- OP spielt auch das „Neuromonitoring“ eine wichtige Rolle. Bestimmte Messverfahren sollen dabei sicherstellen, dass bei der Entfernung eines Darmabschnitts ein Sicherheitsabstand zu wichtigen Nerven im Becken eingehalten wird. Werden diese verletzt, drohen Komplikationen. So kann der Patient unter anderem Probleme beim Wasserlassen bekommen, inkontinent oder impotent werden. „In internationalen Studien wird die Rate dieser Probleme immer wieder als hoch beschrieben“, sagt Werner. „Und die Dunkelziffer dürfte noch höher sein. Denn viele Patienten behalten solche Beschwerden lieber für sich.“ Das Neuromonitoring erspart ihnen dieses oft stille Leiden. „Es ermöglicht dem Arzt die Funktion dieser Nerven zu erhalten, auch wenn er nahe an sie heranpräparieren muss“, sagt Werner.

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