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Viele Arbeitnehmer stehen unter Druck.

Forscher zu DAK-Gesundheitsreport

So leiden Bayerns Arbeitnehmer

München - Die nackten Zahlen aus dem DAK-Gesundheitsreport können nach Erkenntnissen eines Arbeitsforschers nicht darüber hinwegtäuschen, dass immer mehr Beschäftigte unter verschärften Belastungen leiden.

Bayerns Firmen haben den zweitniedrigsten Krankenstand der Republik. Von 1000 Arbeitnehmern waren 2013 durchschnittlich gerade mal 34 krankgeschrieben, nur ihre baden-württembergischen Kollegen lieferten noch seltener gelbe Zettel ab. So weit die nackten Zahlen aus dem neuen Gesundheitsreport, den die Krankenkasse DAK am Donnerstag präsentierte. Doch als weiterer Beweis für eine heile weißblaue Wirtschaftswelt taugt die Statistik nicht – im Gegenteil: Sie kann nach Erkenntnissen eines Münchner Arbeitsforschers nicht darüber hinwegtäuschen, dass immer mehr Beschäftigte unter verschärften Belastungen in Bayerns Büros und Werkstätten leiden.

„Der Leistungsdruck nimmt seit Jahren zu“, warnt Dr. Nick Kratzer vom Institut für Sozialwissenschaftliche Forschung (ISF) mit Sitz in Schwabing. „Wir verzeichnen eine dramatische Entwicklung. Sie führt dazu, dass Arbeit und Gesundheit immer mehr in Konkurrenz geraten.“

Der Wissenschaftler stützt seine Einschätzung auf etwa 600 mehrstündige Interviews in Unternehmen verschiedenster Branchen. „Das Dilemma ist überall dasselbe: Die Leute sollen mehr Leistung bringen und weniger Kosten produzieren“, analysiert Dr. Kratzer. Viele Arbeitnehmer trauten sich gar nicht mehr, sich krankschreiben zu lassen. „Sie wollen nicht riskieren, wegen ihres Fehlens Probleme zu bekommen.“ So fürchten sie beispielsweise schlechte Bewertungen, Zielvorgaben nicht erfüllen zu können oder Kollegen über Gebühr zu belasten. Dr. Kratzer: „Viele stehen vor der Entscheidung: Rückzug aus der Verantwortung oder Raubbau an ihrer Gesundheit.“

Andreas Beez

Kinder gelten als Karriere-Killer

Berufstätige junge Eltern haben es nach wie vor schwer – auch im wohlhabenden Bayern. Wer Kinder und Karriere unter einen Hut bringen will, der riskiert dafür sogar häufig seine Gesundheit. Das geht aus einer Befragung der DAK unter Versicherten zwischen 25 und 39 Jahren hervor, die zur sogenannten Rushhour-Generation gehören. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass viele Mütter und Väter im Spagat zwischen Job und Kindern Abstriche bei sich selbst machen“, erläutert DAK-Landeschef Gottfried Prehofer. „Bei ihnen bleiben vor allem ausreichend Schlaf und eine gesunde Ernährung auf der Strecke.“ Zudem trieben Erwerbstätige mit Kindern weniger Sport als Berufstätige ohne Kinder.

Trotz der Doppelbelastung aus Familie und Arbeit lassen sich die 25- bis 39-Jährigen viel seltener krankschreiben als die Jüngeren. „Sie wollen unbedingt beides unter einen Hut bringen“, sagt DAK-Experte Prehofer. Um ihnen das zu ermöglichen, sei ein „kultureller Wandel“ in unserer Gesellschaft erforderlich.

Denn noch immer sind die Rahmenbedingungen für junge Eltern im Berufsleben alles andere als optimal. Bei der DAK-Befragung unter berufstägigen Eltern kristallisierten sich unter anderem folgende Probleme heraus:

Betriebskindergärten: 63,8 Prozent halten diese für wünschenswert, aber nur 6,4 Prozent können sie nutzen.

Home-Office: 59,9 Prozent würden von Heim- bzw. Tele­arbeit profitieren, aber nur 22,7 Prozent haben die Möglichkeit dazu.

Arbeitsorganisation: 67,6 Prozent wünschen sich eine besondere Rücksichtnahme auf Eltern bei der Planung von Terminen, aber nur bei 25,7 Prozent ist dies der Fall.

Notfall-Kinderbetreuung: Dieses Angebot halten 57,4 Prozent für wichtig, aber nur 1,8 Prozent haben Zugriff.

Darüber hinaus gelten Kinder weiterhin als Karriere-Killer. So glauben laut der DAK-Befragung 53,2 Prozent der Mütter und 22,2 Prozent der Väter, dass sie ohne Familie im Job bereits weiter vorangekommen wären.

bez

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