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Aus jung wird alt: So schöne glatte Haut wie die junge Frau hatte bestimmt auch die ältere Dame einmal. Doch im Laufe eines langen Lebens verändert sich der Körper stark – und das nicht nur äußerlich. Auch Organe altern, ein Prozess, der schon mit etwa dreißig Jahren einsetzt.

Muskeln, Augen und Herz

So verändert sich der Körper im Alter

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Falten, graue Haare und schlechtere Augen - sind Zeichen dafür, dass der Körper altert. Es ist ein langsamer Prozess, der erstaunlich früh beginnt. Was passiert eigentlich genau, wenn wir altern?

Mit 80 noch einen Marathon laufen? Die meisten Senioren können darüber wohl nur lachen. Sie sind schon froh, wenn sie lange Spaziergänge schaffen. Oder vielleicht mal eine Wanderung. Aber laufen? Das ist was für die Jungen: Die haben kräftige Muskeln und einen langen Atem. Sie dagegen geraten oft schon nach einem Treppenabsatz aus der Puste. Die Gelenke machen auch nicht mehr mit. „So ist das eben mit dem Alter“, sagen sich wohl viele: Es lässt sich nicht aufhalten.

Doch das ist nur die halbe Wahrheit wie Privatdozent Dr. Michael Drey aus Erfahrung weiß. Der Altersmediziner leitet den Bereich Akutgeriatrie am Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München. Keiner seiner Patienten ist unter 65, die meisten sind weit über 80. Doch das Alter in ihrer Krankenakte passt längst nicht immer zum Zustand ihrer Körper. 

„Das chronologische und das biologische Alter fallen oft massiv auseinander“, sagt Drey. „Es gibt 70-Jährige, die wirken wie 90-Jährige, aber auch Menschen mit 90, die fit wie 70-Jährige sind.“ Grund genug für uns, der Frage nachzugehen, was im Körper passiert, wenn wir altern. Und: Wie man möglichst lange rüstig und geistig fit bleibt.

Warum lässt die Muskelkraft nach? 

Zwar gibt es tatsächlich Menschen, die mit 80 noch bei einer Weltmeisterschaft antreten – allerdings bei einer speziell für betagte Athleten. Egal wie sehr sie trainieren, mit den Jungen können sie nicht mithalten. Die Muskelmasse nimmt mit den Jahren ab

„Dieser Prozess beginnt schon mit Mitte dreißig“, sagt Drey. Pro Jahr verliere man dann etwa ein Prozent der Muskelmasse. Das fällt zunächst kaum ins Gewicht und lange nicht auf. Im höheren Alter schreitet der Muskelschwund schneller voran. Diese „Sarkopenie“ kann durch einen Mangel an Sexualhormonen wie Testosteron entstehen. Letzteres fördert nämlich den Muskelaufbau.

Werden die Knochen im Alter wirklich brüchiger? 

Ist der Muskelabbau sehr ausgeprägt, fehlt es Senioren nicht nur an Kraft. Auch das Risiko für Stürze steigt. Die wiederum führen im Alter öfter zu Brüchen. Denn auch die Knochen verlieren an Substanz, bei Frauen nach den Wechseljahren besonders stark. Ab etwa 50 Jahren bildet der Körper nämlich kaum noch Östrogen – das Hormon verlangsamt bis dahin den Knochenabbau.

Wer sich viel bewegt und ausgewogen ernährt, kann den Abbau bremsen. Drey rät zudem zu Vitamin D in Tablettenform. Das braucht der Körper nämlich für starke Knochen. Hierzulande mangelt es jedoch vielen Menschen daran – unter den älteren ab 65 Jahren seien sogar die meisten betroffen, sagt Experte Drey. Er empfiehlt darum, einen bestehenden Mangel auszugleichen. Zwar kann der Körper Vitamin D auch selbst herstellen, es wird in der Haut gebildet. Dazu braucht er aber Sonnenlicht – und davon bekommen viele nicht genug ab. Das gilt vor allem für die kalte Jahreszeit, bei manchen Senioren sogar für den Sommer.

Wie altern Organe wie Hirn und Nieren?

Die Blutgefäße verändern sich im Alter. Ihre Wände verlieren an Elastizität. Oft verengen sie sich zudem. Dann werden viele Organe schlechter versorgt – das gilt auch für das Herz, das Hirn und die Nieren. Verstopft ein großes Gefäß, kommt es zu einem Infarkt: Dann stirbt viel Gewebe ab, das betroffene Organ funktioniert hinterher schlechter. Passiert das im Hirn spricht man von einem Schlaganfall. Viel häufiger verstopfen aber winzige Gefäße. Solche „Mini-Infarkte“ fallen jedoch oft nicht auf. Sie können aber ebenfalls die Leistung des Organs mindern, wenn sie sich häufen. Aus diesem Grund lasse bei den allermeisten Senioren auch die Nierenfunktion nach, erklärt Drey.

Sein Tipp zum Schutz der Gefäße: Lebensmittel, die reich anOmega-3-Fettsäuren sind, zum Beispiel fetter Seefisch wie Lachs. Bewegung hält Herz und Gefäße in Schuss – aber auch das Gehirn. Wer geistig fit bleiben will, sollte nicht nur Rätsel lösen, sondern vor allem seine sozialen Kontakte pflegen. Denn auch wer nicht an einer Demenz erkrankt, verliert im Alter Hirnzellen. Auch die Verknüpfungen dazwischen funktionieren nicht mehr so gut. Doch dieser Prozess lässt sich oft bremsen. Und: Neues lernen ist sogar bis ins hohe Alter möglich.

Lässt auch das Immunsystem nach? 

Der Körper bildet im Alter weniger Immunzellen und Antikörper. So schlagkräftig wie in jungen Jahren ist das Abwehrsystem daher nicht mehr. Das ist mit ein Grund dafür, warum einige Impfungen besonders für Senioren empfohlen werden. Das gilt aktuell etwa für die Influenza, die Grippewelle rollt immer noch durchs Land und trifft vor allem Ältere oft heftig. Zum Schutz vor einer Lungenentzündung ist für Senioren zudem eine Impfung gegen Pneumokokken sinnvoll. Zumal viele im Alter an allerlei Vorerkrankungen leiden. Sie machen es dem Körper schwerer, Krankheitserreger erfolgreich zu bekämpfen.

Wie entstehen Falten und graue Haare? 

Falten haben mehrere Ursachen. Zum einen geht das Unterhautfettgewebe zurück, die Haut verliert Proteinfasern und ist dadurch weniger elastisch. Hinzu kommt: Die Zusammensetzung des Körpers verändert sich. Muskeln werden weniger, im Verhältnis dazu wächst der Anteil des Fettgewebes. Insgesamt gesehen komme es aber zu einem „Substanzverlust“, erklärt Drey. Das sieht man an der Haut, die an Spannkraft verliert. Sie ist zudem trockener und dünner, der Wasseranteil des Körpers sinkt. Senioren sollten besonders darauf achten, genug zu trinken, zumal viele weniger Durst spüren.

Als typisches Zeichen des Alters gelten auch graue Haare. Bei jungen Menschen bilden Zellen an der Haarwurzel das Pigment Melanin, das dem Haar Farbe gibt. Im Alter stellen diese Zellen nach und nach ihre Arbeit ein. Statt der Pigmente werden dann Luftbläschen in den Haaren eingelagert, die nun weiß erscheinen. Der Mix aus pigmentierten und weißen Haaren lässt den Schopf dann grau wirken. Vorbeugen lässt sich dem leider nicht: Wann die pigmentbildenden Zellen in den Ruhestand gehen, ist eine Frage der Gene: Bei manchen stellen sie schon mit 25 ihren Dienst ein.

Warum lassen Augen und Ohren nach?

Mit etwa 60 Jahren brauchen die meisten eine Lesebrille: Sie leiden an der „Altersweitsichtigkeit“. Denn schon mit etwa 40 Jahren beginnt sich die Linse zu verhärten. Dann tut sich das Auge immer schwerer damit, auf kurze Distanzen scharfzustellen. Hinzu kommt: Im Alter verändern Eiweiße in der Linse ihre Struktur, diese wird daher immer trüber. Es kommt zum „Grauen Star“.

Der lebenslange Lärm geht zudem auf die Ohren. Im Alter hören viele schlechter. „Das ist ein schleichender Prozess“, sagt Drey. Viele Senioren bemerken selbst kaum, dass sie schlechter hören. „Sie verlernen das Hören regelrecht“, sagt der Experte. Wer sich erst spät für ein Hörgerät entscheidet, braucht viel länger, um damit zurechtzukommen. Drey rät daher, nicht zu lange abzuwarten.

Privatdozent Dr. Michael Drey leitet die Abteilung für Akutgeriatrie am Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität München.

Andrea Eppner

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