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Hautprobleme können ganz plötzlich auftreten, Kinder sind selten betroffen.

Rötungen, Quaddeln und Pickelchen vorbeugen

Sonnen und bräunen: So bleibt Ihre Haut entspannt

München - Die Ferien stehen vor der Tür – und damit für sehr viele der große Sommerurlaub. Raus aus den vier Wänden oder dem Büro, das Leben im Freien genießen, im Schwimmbad, am See oder vielleicht sogar am Meer.

Doch was der Seele gut tut, ist für die Haut vieler Menschen der pure Stress. Sie reagiert mit Ausschlag, Pickeln oder hochempfindlich auf Insektenstiche. So kann auch Ihre Haut ganz entspannt bleiben – die tz erklärt die häufigsten Ursachen und was man dagegen tun kann.

Sonnenallergie durch UV-A-Licht

Es gibt verschiedene Arten von Sonnenallergien, aber die mit Abstand häufigste Diagnose, die Hautärzte im Sommer stellen müssen, lautet: polymorphe Lichtdermatose. Der Hautarzt Dr.Hans-Ulrich Voigt: „Die Haut reagiert dabei auf UV-A-Strahlen empfindlich. Die Hautveränderungen treten entweder schon im Frühjahr auf, oder gleich in den allerersten Urlaubstagen.“ Ein Sonnenschutzmittel, das einen hohen Absorber im UV-A-Bereich hat, wirkt schützend. Der Dermatologe Voigt: „Betroffene sollten in den ersten Tagen sehr vorsichtig sein, sich überwiegend im Schatten aufhalten. Nach und nach gewöhnt sich die Haut an die ungewohnten UV-A-Strahlen.“ Wenn Menschen wissen, dass sie zur polymorphen Lichtdermatose neigen, kann ihnen vor dem Urlaub eine Licht-Abhärtung helfen. Dabei wird die Haut in einer Bestrahlungskabine, die viele Hautärzte in ihrer Praxis haben, mit einem speziellen Licht, einem Gemisch aus UV-A und UV-B-Wellenlängen bestrahlt. Vier Wochen lang dauert dieses Light-Hardening, aber dann bleibt die Haut auch am Strand relaxt. Kinder sind von der polymorphen Lichtdermatose sehr selten betroffen, meist beginnen die Beschwerden im Erwachsenenalter.

Mallorca-Akne durch fettige Cremes

Wenn sich kleine enzündliche Pickelchen und akne-artige Knötchen bilden, spricht man von einer sogenannten Mallorca-Akne. Die Haut reagiert dabei empfindlich auf gewisse Fettbestandteile in der Sonnencreme. Davor können emulgator- und fettfreie Sonnenschutzgele schützen. Auch After-Sun-Lotionen und andere Bodycremes sollten in der Urlaubszeit möglichst fettfrei sein. Dr. Hans-Ulrich Voigt warnt: „Sehr empfindliche Haut reagiert sogar auf den Sonnenschutzfilter in manchen Cremes.“ Das Heimtückische daran: die Hautprobleme können von heute auf morgen beginnen. Selbst wer bisher nie Probleme hatte musste, kann auf einmal mit juckenden rötenden Stellen an den Unterarmen oder auf dem Rücken und im Dekolletée zu kämpfen haben. Wer im Urlaub Hautprobleme bekommt, sollte nach der Rückkehr irgendwann zum Hautarzt gehen und sich testen lassen. Damit wenigstens die nächste Reise glatt läuft.

Verbrennungsgefahr in der Wiese

Wer nass aus dem Badesee kommt und sich statt aufs Handtuch erstmal gemütlich auf die Wiese legt, riskiert einen schlimmen Sonnenbrand. Der Hautarzt Voigt: „Der Zusammenhang ist kaum bekannt, aber ich behandele relativ häufig solche Patienten mit einer Wiesengräserdermatitis in meiner Praxis.“ Gewisse Stoffe, die in Wiesengräsern enthalten sind, die Furokumarine, dringen in die Haut ein. Das Problem: Diese Substanzen erhöhen die Lichtempfindlichkeit der Haut um das 30-fache. Voigt: „Wenn diese Hautstellen an die Sonne kommen, entsteht dort ein Mords-Sonnenbrand mit kleinen und größeren Bläschen.“

Meer, Schwimmbad, See – was ist das beste Wasser für die Haut?

Auf diese Frage gibt es nur eine richtige Antwort: „Nach dem Baden sollte man immer mit klaren Wasser duschen“, empfiehlt Dr. Voigt.

Schwimmbäder sind stark gechlort und die Wasserqualtiät wird ständig überwacht. Da muss man keine Angst vor Infektionen haben, doch nicht jede Haut verträgt Chlor. Wer mit Ekzemen und Neurodermitis kämpft, sollte selten ins Schwimmbad gehen. Das zur Desinfektion verwendete Chlor reagiert mit Urin, Schweiß und Schmutzpartikeln im Wasser. Das kann zu Verbindungen führen, die besonders die Augen reizen. Wer hier empfindlich ist, sollte eine gut sitzende Schwimmbrille tragen und auf Kontaktlinsen generell verzichten, sonst riskiert er eine Augeninfektion. Das Salz im Meer trocknet die Haut aus und macht sie empfindlich. Andererseits wirkt das Salz auch leicht desinfizierend. Gerade bei den kleinen Badeseen sollte man sich regelmäßig z. B. in örtlichen Rathäusern über die Wasserqualität informieren. Besonders in heißen Sommern kann die Qualität stark nachlassen, wenn sich z. B. die Konzentration der Fäkalbakterien stark erhöht oder zu viele Nährstoffe in den See gelangen und sich eine Algenblüte entwickelt. Bei solchen Hinweisen sollte man seiner Haut das Wasser lieber ersparen.

Sonnencreme wird meist falsch angewendet!

Was kann man beim Eincremen falsch machen?

Dr. Hans-Ulrich Voigt: Die meisten Menschen wissen nicht, dass der Lichtschutzfaktor sich auf eine gewisse Mindestmenge an Creme bezieht, die man verwenden muss. Wenn man die Creme zu dünn aufträgt, erhält man einen deutlich geringen Schutz.

Woher weiß man, welche Menge man nehmen muss?

Voigt: Genaues steht auf der Flasche oder in der Packungsbeilage. Als Richtwert gelten 30 Milliliter für den ganzen Körper. Und das ist ganz schön viel. Die meisten Menschen nehmen deutlich weniger. Ein anderer Irrtum ist weit verbreitet: Häufiges eincremen erhöht den Schutz nicht. Am Besten ist es, sich einmal gut – also mindestens mit 30 Milliliter – einzucremen. Dann erhält man den maximalen Lichtschutz des Produkts.

Was ist besser für die Haut: Eine Creme mit chemischen oder mit physikalischen Lichtschutz? 

Voigt: Bis zu einem Lichtschutzfaktor von 30 werden meist nur chemische Filter verwendet. Diese lagern sich in die Haut ein, reagieren mit UV-Licht und verändern dieses in harmloses sichtbares Licht. Sie können allergische Reaktionen auslösen und werden für Kleinkinder nicht empfohlen. Präparate mit hohen Lichtschutzfaktoren und solche für Kinder enthalten zusätzlich oder ausschließlich physikalische Filter, kleinste Metallpartikel wie Titandioxid, die auf der Haut wie winzige Spiegel wirken und das UV-Licht reflektieren. Das Problem ist, dass sie auf der Haut einen weißen Film hinterlassen. Diesem Problem versuchen einige Hersteller dadurch zu begegnen, dass sie die Titanteilchen mikrofein auf „Nano-“Größe zermahlen. Hier weiß allerdings noch niemand, was diese winzigen Nanopartikel, die in die Zellen eindringen können, dort anrichten.

Dr. Hans-Ulrich Voigt ist Inhaber des Hautarztzentrums Dermatologie am Dom in München. 

Weitere Infos unter www.dermatologie-am-dom.de

So tief dringt die Strahlung ein

Sonnenstrahlen enthalten energiereiche ultraviolette Strahlen: UVA, UVB und UVC. Während die UVC-Strahlen fast völlig von der Ozonschicht absorbiert werden, dringen UVA- und UVB-Strahlen in Haut und die Zellbausteine ein. Kurzwelligere UV-B-Strahlung (280 bis 320 nm) durchdringt die oberste Hautschicht. Sie führt zu Sonnenbrand und ist für einerhöhtes Hautkrebsrisiko (schwarzer und weißer Hautkrebs) verantwortlich. Die längerwelligen UV-A-Strahlen (320 bis 400 nm) erreichen sogar tiefer gelegene Hautschichten, sie können bis in das Bindegewebe der Haut eindringen und dort bleibende Schäden verursachen, die zu einer vorzeitigen Hautalterung führen und auch den schwarzen Hautkrebs begünstigen.

Die Höhe der UV-Belastung ist abhängig vom Sonnenstand, der mit Tageszeit, Jahreszeit und geographischer Breite variiert. Je höher die Sonne steht, desto höher ist der UV-Index. Damit hat er hohe Werte am Mittag im Frühjahr und im Sommer und besonders in der Nähe des Äquators. Auch Bewölkung, die Höhenlage eines Ortes oder Schnee und Wasser (Reflexion der Strahlen!) beeinflussen den UV-Index. Faustregel: Je höher die UV-Werte, umso höher muss der Schutz sein. Die Notwendigkeit und die Höhe des erforderlichen Schutzes ist abhängig vom Hauttyp.

tz

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