Höhere Preise sollen die Nachfrage nach ungesunden Produkten wie Limonade reduzieren. Foto: Monika Skolimowska
+
Höhere Preise sollen die Nachfrage nach ungesunden Produkten wie Limonade reduzieren. Foto: Monika Skolimowska

Internationale Studien

Steuern auf Softdrinks und Tabak sollen Krankheiten mindern

Sie sind Studien zufolge ungesund und tragen zur Armut bei: Softdrinks, Alkohol und Zigaretten haben nach neuesten Studien verheerende Auswirkungen. Forscher empfehlen konkrete Gegenmaßnahmen.

London (dpa) - Zusätzliche Steuern auf Softdrinks, Alkohol und Tabak könnten ein wirksames Mittel gegen die Zunahme chronischer und nichtübertragbarer Krankheiten sein. Zu diesem Ergebnis kommen fünf internationale Studien, die in der britischen Fachzeitschrift "The Lancet" veröffentlicht wurden. 

So seien Schlaganfälle, Herzerkrankungen, Diabetes, chronische Atemwegserkrankungen und Krebs häufig auf ungesunde Ernährung und Suchtmittel zurückzuführen. Die Forscher fanden nach Auswertung von über 300 internationalen Studien heraus, dass höhere Preise die Nachfrage nach ungesunden Produkten vor allem bei einkommensschwachen Bevölkerungsgruppen senken könnten. Diese Gruppen seien gleichzeitig besonders oft von schweren Krankheiten und damit verbundenen finanziellen Auswirkungen betroffen.

"Nichtübertragbare Krankheiten sind eine Hauptursache und zugleich Hauptfolge von Armut weltweit", sagte Rachel Nugent von der Nichtregierungsorganisation RTI International und Leiterin des "The Lancet"-Programms zu nichtübertragbaren Krankheiten. Es sei deshalb sinnvoll, die zusätzlich generierten Steuereinnahmen in die Armutsbekämpfung zu investieren. "Die wissenschaftlichen Erkenntnisse legen nahe, dass Befürchtungen übertrieben sind, wonach höhere Steuern auf Tabak, Alkohol und Softdrinks den Armen schaden."

Die Forscher des "The Lancet"-Programms betonten außerdem, Sondersteuern könnten dazu beitragen, die Ziele für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen zu erreichen. Die Staatengemeinschaft hatte im Jahr 2015 vereinbart, Armut in allen ihren Formen bis 2030 zu beenden. Außerdem war das Ziel formuliert worden, nichtübertragbare Krankheiten weltweit um ein Drittel zu reduzieren.

Dass Sondersteuern auf ungesunde Produkte nur zögerlich eingeführt werden, liegt laut der Verbraucherorganisation Foodwatch auch am Lobbyismus der Industrie. Foodwatch warf dem Coca-Cola-Konzern am Mittwoch in einem 100-seitigen Bericht vor, wissenschaftlich belegte Risiken seiner zuckerhaltigen Getränke zu verharmlosen und für die Zunahme von Fettleibigkeit und Diabetes mitverantwortlich zu sein. Der US-Konzern wies die Anschuldigungen umgehend zurück. Man investiere überproportional viel in die Werbung für Getränke ohne oder mit weniger Zucker, hieß es in einer Stellungnahme.

Nichtübertragbare Krankheiten sind der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zufolge die häufigste Todesursache weltweit. In Europa werden ihnen 86 Prozent aller Todesfälle zugeschrieben. Nach Schätzungen der Universität Hamburg verursachen Fettleibigkeit, Tabak- und Alkoholkonsum in Deutschland Gesundheitskosten von insgesamt rund 180 Milliarden Euro pro Jahr.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Schützt „Frauenhormon“ vor Covid-19? Studie kürt Östrogen nun zum Coronaviren-Schutzwall
Bei Frauen beobachten Ärzte seltener schwere Coronavirus-Infektionen als bei Männern. Ein Forscherteam untersuchte jetzt, welche Rolle das Hormon Östrogen spielt.
Schützt „Frauenhormon“ vor Covid-19? Studie kürt Östrogen nun zum Coronaviren-Schutzwall
Viel trinken hilft gegen Coronavirus-Infektion - was ist dran an der Empfehlung?
Trinken hilft, damit sich das Coronavirus nicht auf den Schleimhäuten festsetzt - haben Sie das auch schon einmal gehört? Ob das wirklich stimmt, erfahren Sie hier.
Viel trinken hilft gegen Coronavirus-Infektion - was ist dran an der Empfehlung?
Immer mehr Pigmentflecken? Was gegen den unschönen „Oberlippenbart" hilft
Nicht nur die Sonne, auch Hormone triggern die Entstehung von Pigmentflecken. In der Regel erhöhen sie das Hautkrebsrisiko nicht - viele stören sich aber an den kleinen …
Immer mehr Pigmentflecken? Was gegen den unschönen „Oberlippenbart" hilft
Viele schieben ärztliche Vorsorgetermine auf
Um sich vor einer Ansteckung zu schützen, meiden viele Menschen unnötige Kontakte mit anderen - und vermeintlich unnötige Besuche in Arztpraxen. Experten sehen das …
Viele schieben ärztliche Vorsorgetermine auf

Kommentare