Stiftung Warentest

Schlankheitsmittel: Das bringen sie wirklich

München - Die Stiftung Warentest hat Schlankheitsmittel unter die Lupe genommen. Mit einem ernüchternden Ergebnis: Sie bringen nicht viel.

Es gibt zwei sichere Methoden, ein Kilogramm Speck zu verlieren: Der Körper muss entweder 7000 Kilokalorien mehr verbrennen oder weniger bekommen als bisher. Dann ist er garantiert weg, der Speck. Das verlangt Anstrengung oder Entsagung, in jedem Fall Disziplin – nicht jeder bringt sie auf.

Bequemer ist es, Schlankheitspillen und -pulver zu schlucken. Doch die wissenschaftliche Bewertung durch Gutachter macht keine Hoffnung: Alle Sättigungskapseln, Fatburner, Fett- und Kohlenhydratblocker im Test sind wenig geeignet.

Kein Anbieter legte unabhängige Studien vor, die Langzeiteffekte nachweisen. Für 15 der 20 Mittel, die die Zeitschrift Test unter die Lupe genommen hat, ist noch nicht einmal ausreichend belegt, dass sie beim Abnehmen helfen. Den Anspruch der Stiftung Warentest an Schlankheitsmittel erfüllt kein Produkt. Sie fordert Belege, dass Übergewichtige und Fettleibige mit Hilfe der Mittel in sechs Monaten mindestens fünf Prozent an Gewicht verlieren und es auch mindestens noch ein halbes Jahr halten.

Vorgelegte Studien sind nicht solide

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Die Studien, auf die sich die Anbieter berufen, sind aus vielerlei Gründen oft nicht solide – etwa weil daran zu wenige teilgenommen haben oder die Untersuchungszeiträume zu kurz waren. Immerhin: Riskante Stoffe wie illegale Appetitzügler enthält keines der Produkte im Test. Schlankheitsmittel können aber Nebenwirkungen haben, etwa allergische Reaktionen auf Bestandteile von Bohnen oder Krebstieren. Fettblocker können die Wirkung fettlöslicher Medikamente beeinträchtigen, etwa der Antibabypille. Viele der Mittel quellen im Magen auf. Ohne Extraflüssigkeit können sie zu Verstopfung führen.

Weitere Kritikpunkte: unzulässige Versprechen über die Wirkung der Mittel und irreführende Werbung. Wer denkt, dass er allein durch Sättigungskapseln, Fatburner, Fett- und Kohlenhydratblocker nachhaltig dünner wird, liegt falsch. Abnehmen funktioniert generell nur in Kombination mit Bewegung und kalorienreduzierter Ernährung. Das schreiben auch viele der Anbieter im Test – aber fast ausschließlich im Kleingedruckten.

Nur zwei Gruppen müssen abnehmen

Abnehmen müssen aus medizinischer Sicht ohnehin nur zwei Gruppen:

-Menschen mit einem Body-Mass-Index ab 30 (BMI-Formel: Körpergewicht in Kilogramm geteilt durch Körpergröße in Metern hoch zwei). Sie gelten als fettleibig. Bei ihnen steigt die Gefahr beispielweise für Diabetes, Bluthochdruck oder Dickdarmkrebs.

-Die zweite Gruppe stellen Übergewichtige, also Menschen mit einem BMI über 25 und Risikofaktoren wie zum Beispiel Bluthochdruck. Bei einem Body-Mass-Index von unter 25 besteht meist kein medizinischer Grund, Pfunde loszuwerden.

Ballaststoffe als Motivationshilfe

Für die Wirkstoffe von fünf Mitteln im Test zeigten Studien immerhin eine kurzfristige und geringfügige Gewichtsreduktion: für den Fettblocker Formoline sowie vier Sättigungskapseln mit Glucomannanen. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) bescheinigt diesen Ballaststoffen aus der asiatischen Konjakwurzel, Übergewichtigen beim Abnehmen helfen zu können – aber nur wenn sie sich konsequent kalorienarm ernähren. Die Efsa stellt aber auch fest: Über einen Zeitraum von mehr als drei Monaten liegen keine Studien vor.

Die Experten der Stiftung Warentest bescheinigen Glucomannanen ebenfalls, dass sie Übergewichtige am Anfang einer Diät durch Quelleigenschaften beim Abnehmen motivieren können. Doch nach den Studien ist im Schnitt nur ein Gewichtsverlust von etwa 1 Kilogramm im Vierteljahr zu erwarten. Ähnlich kann der Fettblocker Formoline Übergewichtige zu Diätbeginn motivieren, weniger zu essen. Er kann etwas sättigen und Fett binden. Doch laut Studien ist die Gewichtsabnahme nur gering und kein langfristiger Erfolg belegt.

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa

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