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Stiftung Warentest nimmt Schmerzmittel unter die Lupe.

Paracetamol, Ibuprofen und Co.

Schmerzmittel im Test: Stiftung Warentest warnt bei diesem Wirkstoff vor Leberschäden

Schmerzmittel im Test: Stiftung Warentest hat verschiedene Medikamente getestet. Bei ASS, Ibuprofen und Paracetamol warnen die Experten vor Nebenwirkungen.

  • Stiftung Warentest hat 20 verschiedene Medikamente gegen Schmerzen überprüft.
  • Im Fokus des Tests standen die Wirksamkeit und die Nebenwirkungen von gängigen Schmerzmitteln.
  • Das Ergebnis zeigt, dass vor allem bei Kombimitteln Vorsicht geboten ist.

Berlin - Es brummt, pocht, sticht oder bohrt - Schmerzen können ganz unterschiedlich sein, fast immer sind sie jedoch schwer zu ertragen. Um schnell Abhilfe zu schaffen, greifen viele Menschen zu Schmerzmitteln wie ASS, Ibuprofen oder Paracetamol. Doch was bringen die Medikamente wirklich? Dieser Frage ist Stiftung Warentest auf den Grund gegangen und hat dafür 20 rezeptpflichtige und -freie Schmerzmittel einmal genauer unter die Lupe genommen, wie RUHR24* berichtet.

Stiftung Warentest überprüft die Wirksamkeit von Schmerzmitteln

Welche Schmerzmittel gibt es überhaupt und was bringen die unterschiedlichen Wirkstoffe der Medikamente? Für den Test, der in der März-Ausgabe erscheint, hat Stiftung Warentest die Schmerzmittel in drei Kategorien eingeteilt. Das Schema orientiert sich dabei an einer Vorgabe der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und unterscheidet primär zwischen der Stärke der Schmerzmittel:

  • Nicht-Opioide: Wirkstoffe wie Acetylsalicylsäure, Ibuprofen oder Paracetamol
  • Schwache Opioide: Codein, Tramadol und Tilidin sind hier als gängige Mittel zu nennen.
  • Starke Opioide: Hierzu zählen Stoffe wie Morphin, Buprenorphin, Fentanyl, Oxycodon.

Aber nur bei den nicht-opioiden Schmerzmitteln handelt es sich um die Medikamente, die in beinahe jeder Hausapotheke zu finden sind. Denn die meisten von ihnen sind rezeptfrei erhältlich, weshalb viele Menschen bei Alltagsbeschwerden wie Kopf- oder Gliederschmerzen gerne mal zu Medikamenten wie Ibuprofen, Diclofenac oder Paracetamol greifen, um eine schnelle Linderung herbeizuführen. 

Schmerzmittel im Test bei Stiftung Warentest: Das bringen Ibuprofen und Co.

Gerade von den rezeptfreien Schmerzmitteln gibt es viele unterschiedliche Produkte auf dem Markt. Da fragt sich manch einer, was sind da genau die Unterschiede, was sind die Risiken und halten die Schmerzmittel auch das, was sie versprechen? Dieser Frage ging auch Stiftung Warentest nach und hat zusätzlich in dem Test geprüft, welche Präparate die jeweils kostengünstigsten pro Wirkstoff sind. 

Der Verbraucher sollte sich bei der Einnahme von Schmerzmitteln darüber im Klaren sein, dass die unterschiedlichen Substanzen bei verschiedenen Arten von Schmerzen wirksam sind. Laut Stiftung Warentest sollten daher immer die persönlichen Umstände des Anwenders berücksichtigt werden. 

So empfiehlt das Verbrauchermagazin für die gelegentliche Behandlung von leichten bis mäßig starken Schmerzen die Einnahme von Diclofenac, Ibuprofen oder Naproxen. Gerade bei Kopf-, Gelenk-, Regel- undZahnschmerzen können Schmerzmittel mit diesen Wirkstoffen zum Einsatz kommen.

Alle Wirkstoffe wirken zudem entzündungshemmend, weshalb sie durchaus auch bei Schmerzen eingesetzt werden, die mit Entzündungen oder anderen Verletzungen im Zusammenhang entstehen. Gleiches gilt auch für Acetylsalicylsäure (ASS) - der Wirkstoff, der unter anderem in Aspirin zum Einsatz kommt. Hier gibt es allerdings einige Bedenken. Stiftung Warentest stuft Schmerzmittel mit ASS deshalb nur als "mit Einschränkung geeignet" ein.

Stiftung Warentest: Warnung vor Nebenwirkungen bei diesen Schmerzmitteln

Acetylsalicylsäure steht vor allem im Verdacht, enorme Auswirkungen auf die Blutgerinnung zu haben. Das trifft zwar auch auf die anderen Wirkstoffe bei den Schmerzmitteln zu, bei ASS ist das laut Stiftung Warentest allerdings am stärksten ausgeprägt. Zudem schlägt der Wirkstoff aber noch im wahrsten Sinne des Wortes vor allem auf den Magen

Wer hier ohnehin schon empfindlich ist, sollte daher lieber auf Schmerzmittel mit ASS verzichten und auf Diclofenac und Ibuprofen zurückgreifen. Laut Stiftung Warentest sind diese in Bezug auf die Magen-Darm-Verträglichkeit günstiger einzuschätzen.

Doch auch sie sind nicht ganz ohne: Neusten Studien zufolge erhöhen die verbreiteten Wirkstoffe wie Diclofenac und Ibuprofen das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall. Ein anderer Klassiker unter den Schmerzmitteln, Paracetamol, ist hingegen nur bei leichten Schmerzen zu empfehlen. So ist das Medikament vor allem bei Erkältung oder zur Behandlung von Kopfschmerzen beliebt. Aber Stiftung Warentest spricht hier eine klare Warnung aus: Paracetamol kann schon bei einer geringen Überdosierung die Leber schädigen.

Video: Rückruf von zahlreichen Medikamenten: Ibuprofen auch dabei

Aufgrund dessen war Paracetamol auch immer wieder in die Kritik geraten. Doch nicht nur das - auch Ibuprofen geriet erst kürzlich mit negativen Schlagzeilen in den Fokus vieler Verbraucher. So gab es einen Rückruf des Münchners Arzneimittelunternehmen Puren Pharma. Der Hersteller musste insgesamt 16 Medikamente zurückrufen, darunter auch Schmerzmittel wie Ibuprofen

Grund dafür waren fehlerhafte Angaben über die Nebenwirkungen im Beipackzettel. Und gerade die können oftmals ja nicht ganz ohne sein beziehungsweise sollten laut dem Test von Stiftung Warentest bei der Einnahme von Schmerzmitteln immer genauestens beachtet werden. 

Kombimittel laut Stiftung Warentest als Schmerzmittel weniger empfehlenswert 

Besonders problematisch sind laut dem Verbrauchermagazin vor allem Kombipräparate. Die Arzneimittelexperten von Stiftung Warentest raten von der Einnahme solcher Schmerzmittel ab. So gibt es zum Beispiel Schmerzmittel, die mehrere Wirkstoffe mischen oder dem Medikament noch andere Substanzen wie Koffein oder Vitamin C hinzufügen. 

Dahinter stecke oft nicht mehr als ein Trick aus der Werbekiste. Die Kombimittel haben laut den Experten keinen therapeutischen Vorteil, vielmehr erhöhen sie das Risiko für mögliche Nebenwirkungen. Die Kombination aus ASS und Paracetamol, wie es zum Beispiel bei Buscopan Plus vorkommt, wirkt nicht stärker als Einzelmittel. Stiftung Warentest stuft deshalb die Kombimittel als "wenig geeignet" ein.  

Regeln für die Einnahme von Schmerzmitteln: Das empfiehlt Stiftung Warentest

Grundsätzlich gilt jedoch bei jeglicher Selbstmedikation von Schmerzmitteln die Beipackzettel zu beachten und im Zweifelsfall einen Arzt zu fragen. Außerdem seien gewisse Grenzen und bestimmte Zeiträume bei der Einnahme der Medikamente zu beachten. Stiftung Warentest gibt dem Verbraucher dafür folgende Faustregel an die Hand: Schmerz­mittel ohne ärzt­lichen Rat höchs­tens vier Tage am Stück und zehn Tage im Monat nehmen. libe

*RUHR24.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

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