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Alltag in Deutschland: Überstunden – bezahlt oder unbezahlt – sind in vielen Betrieben üblich

Stress-Studie: So sehr leiden Arbeitnehmer

Immer mehr Beschäftigte erschöpfen sich im Hamsterrad des Arbeitsalltags. Wegen wachsenden Leistungsdrucks, Arbeitsverdichtung und permanenter Verfügbarkeit. Eine neue Studie zeigt, wie schlimm es ist.

Zum Schutz der Arbeitnehmer wird aus den Reihen der Gewerkschaften der Ruf nach einer Anti-Stress-Verordnung laut. Dabei stützt sich der DGB auf die jährliche Umfrage Gute Arbeit. Diesmal hat derDGBdafür 6083 Beschäftigte aus mehr als einem Dutzend Branchen befragt. Hier fassen wir die wichtigsten Ergebnisse zusammen.

Überstunden

An die vertraglich vereinbarte Arbeitszeit halten sich die wenigsten Arbeitnehmer. Nur 30 Prozent arbeiten so lange, wie tariflich vereinbart. Insgesamt arbeiten zwei Drittel der Mitarbeiter (67 Prozent) länger. Dabei leisten 25 Prozent aller Beschäftigten bis zu fünf Überstunden in der Woche, 22 Prozent fünf bis neun Überstunden, elf Prozent zehn bis 14 Stunden und neun Prozent 15 und mehr Überstunden. Nur drei Prozent arbeiten weniger als im Arbeitsvertrag festgeschrieben. Gerade in Betrieben, in denen viele Überstunden gemacht werden, fühlen sich die Beschäftigten besonders gehetzt. Der Anteil der Gehetzten bei den Mitarbeitern mit über 15 Überstunden liegt bei 72 Prozent, bei denen ohne Überstunden bei 38 Prozent.

Arbeitshetze

In vielen deutschen Büros hängen Plakate, die die Arbeitsbelastung auf’s Korn nehmen. Ein beliebter Spruch: „Bitte nicht hetzen. Ich bin bei der Arbeit und nicht auf der Flucht.“ Immer mehr Arbeitnehmer fühlen sich allerdings mittlerweile wie auf der Flucht. Insgesamt 52 Prozent der Beschäftigten fühlen sich „sehr häufig“ (21 Prozent) oder „oft“ (31 Prozent) gestresst. Selten gehetzt fühlen sich dagegen bundesweit nur 36 Prozent, nie gehetzt 12 Prozent der Beschäftigten. Besonders gehetzt wird im Gastgewerbe (70 Prozent), im Gesundheits- und Sozialwesen (65 Prozent) und im Baugewerbe (60 Prozent).

Mehr Arbeit in der gleichen Zeit

Ein Hauptproblem, das zu mehr Stress führt. 63 Prozent der Beschäftigten müssen laut DGB seit Jahren in der selben Zeit immer mehr leisten. Wo die Arbeit in dieser Weise intensiviert wurde, hetzt dann auch die Mehrheit der Beschäftigten. Ständige Erreichbarkeit: Die neuen Kommunikationstechniken sind Fluch und Segen zugleich. Das Smartphone gilt in vielen Branchen als eine Art digitale Fußfessel. Mit den modernen Geräten sind immer mehr Arbeitnehmer auch außerhalb der Arbeitszeit für ihren Arbeitgeber per E-Mail oder telefonisch erreichbar. Bei der DGB-Umfrage haben 27 Prozent angegeben, dass sie „sehr häufig“ (14 Prozent) oder „oft“ (13 Prozent) außerhalb der Arbeitszeit erreichbar sind. „Wer auch in der Freizeit sehr häufig oder oft für betriebliche Belange erreichbar sein muss, leistet entgrenzte Arbeit“, heißt es in der Studie.

Die zeitliche und räumliche Grenze zwischen Arbeit und Freizeit werde so durchlöchert. Der Autohersteller Volkswagen hat im vergangenen Dezember reagiert: der Konzern schottet seine Beschäftigten nach Feierabend von betrieblicher Mail-Kommunikation ab und stellt eine halbe Stunde nach Arbeitsende keine Mails mehr zu.

Work-Life-Balance

Immerhin 15 Prozent der Beschäftigten arbeiten in ihrer Freizeit für ihren Betrieb. Damit leisten sie dem Arbeitgeber quasi eine Zeitspende, um das Betriebsergebnis zu verbessern. Überhaupt fällt es vielen Mitarbeitern (34 Prozent) schwer, nach der Arbeit abzuschalten. Besonders betroffen sind Beschäftigte mit längeren Arbeitszeiten, Frauen und Ältere. 79 Prozent der Arbeitnehmer, die schwer abschalten können, nennen als Grund, sie bekämen den Kopf von ihren Problemen aus der Arbeit nicht mehr frei.

Krank zur Arbeit

Wer krank ist, sollte sich selbst und seine Kollegen schützen und daheim bleiben. Trotzdem geben 49 Prozent der Befragten an, sie seien innerhalb eines Jahres wiederholt auch dann zur Arbeit gegangen, wenn sie sich „richtig krank fühlten“.

Marc Kniepkamp

Die wichtigsten Ergebniss der Studie als pdf

"Es fällt mir schwer nach der Arbeit abzuschalten"

"Beschäftigte mit 10 und mehr Überstunden pro Woche"

So gehetzt fühlen sich die Deutschen bei der Arbeit

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