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Neue Methode im Kampf gegen Hauttumore: Dr. Christian Kunte zeigt das Gerät für die Elektrochemotherapie.

Mit Stromstößen gegen Krebs

Luise M. hat Brustkrebs. Moderne Behandlungsmethoden sollen ihr helfen, so lange und gut damit leben wie möglich. Eine davon ist die Elektrochemotherapie und bekämpft wirkungsvoll Tumorknoten der Haut.

Als ihre Brust zu schmerzen begann, dachte Luise M. zuerst an nichts Schlimmes, verdrängte den Gedanken an eine ernste Krankheit. „Ich habe gemerkt, da ist etwas“, sagt sie. Zum Arzt ging sie aber erst, als sich eine wunde Stelle bildete und sie fast einen Zusammenbruch hatte. In der Klinik war rasch klar, dass die Geschwulst bösartig ist. Diagnose: inflammatorischer Brustkrebs. Der Tumor hatte also zu einer Entzündung geführt. Und: Er hatte bereits Metastasen, Absiedelungen in anderen Bereichen des Körpers, gebildet. Lunge, Leber, Brustwirbel waren betroffen.

Das war vor eineinhalb Jahren. Luise M. hatte „Lebensangst“, wie sie sagt. „Unheilbar – hart, das zu hören.“ Und sie wollte es zunächst nicht wahrhaben. Gerne hätte sie Fragen gestellt, etwa: Wie lange habe ich noch zu leben? „Dies beantwortet einem aber keiner“, sagt sie.

„Weil es auf diese Frage keine richtige Antwort gibt“, sagt Dr. Christian Kunte. Bei ihm ist Luise M. derzeit in Behandlung, an der Klinik für Dermatologie und Allergologie an der Thalkirchner Straße. Eine neue Methode, die Elektrochemotherapie soll helfen, die Metastasen auf und unter der Haut zu bekämpfen.

Die Haut wird zunächst punktiert. Stromstöße führen dazu, dass das Krebsmedikament in die Zellen eindringen kann.

Nach der Diagnose musste Luise M. ihre Krankheit erst mal akzeptieren. „Ich wollte es zunächst nicht wahrhaben“, sagt sie. Chemotherapie – sie wollte sich nicht vorstellen, durch eine solche Behandlung gehen zu müssen. Dies bedeutet eine harte Zeit, den Verlust der Haare. Doch Luise M. wollte leben, so lange wie möglich. Dazu musste sie die Therapien nützen, auch wenn sie Strapazen bedeuten. Sie entschloss sich zur Chemo, kaufte sich eine Perücke, rasiert sich, als die Haare auszugehen beginnen.

Und Luise M. traf eine Entscheidung: Ich werde nicht aufhören zu arbeiten. In ihrem Beruf betreut sie Großprojekte. Dies kostet sie viel Kraft, gibt ihr aber auch Energie. Verwandte und Freunde reagierten zum Teil verständnislos, meinten, sie sollte sich schonen, die Krankheit nicht verdrängen. Doch das war nicht ihr Weg. „Es gibt hier nicht die eine richtige Art, das zu verarbeiten“, sagt Kunte. Für Luise M. ist die Arbeit ein Gerüst. Sie gibt ihr Halt, das Gefühl, dass das aktive Leben weitergeht.

Die Zukunft sollte ihr zeigen, dass sie sich richtig entschieden hatte: Wenn sie heute von ihrer schweren Krankheit erzählt, spricht sie klar und ohne Scheu. Voll Lebenskraft, auch mal mit einem Lachen. „Zum Glück habe ich eine gute Konstitution“, sagt sie. Auch während der Chemotherapie, die sie ambulant bei einem Krebsspezialisten durchführen ließ, arbeitete sie weiter. Übel wurde ihr von der Behandlung nicht. Doch jede Chemo strapaziert den Körper. „Ab dem dritten Zyklus wurde es mühsam“, erzählt sie. Den Tag danach schlief sie jedes Mal fast durch. Doch dann ging es wieder.

Nach der Chemo ging es rasch bergauf. Doch der Krebs war nicht besiegt. Die Metastasen in Leber und den Wirbeln waren zwar auf dem Bild, das die Computertomografie lieferte, nicht mehr nachweisbar. Doch der Primärtumor saß sehr ungünstig auf und in der Brustwand, ließ sich nicht in einer OP entfernen. Experten rieten zu Bestrahlung, um ihn zu verkleinern.

Doch an der Brust hatten sich Tumorknoten auch in und unter der Haut gebildet. Hier kann die Elektrochemotherapie helfen: Der Patient liegt während der Behandlung in Narkose. Der Arzt punktiert den Tumor mit einem speziellen Gerät. Ein elektrischer Impuls führt dazu, dass die Wände der Zellen durchlässig werden. Die Chemotherapeutika können so eindringen – und die Krebszellen vernichten.

Diese Behandlung wird den Krebs nicht heilen. Das weiß Luise M. Doch sie fühlt sich gut, so lange sie dagegen ankämpfen kann. Die lokale Behandlung sagt der aktiven Frau zu, weitaus mehr als nur Pillen zu schlucken. „Ich möchte, dass etwas geschieht, physisch sichtbar.“ Bei der Elektrochemotherapie hat sie dieses Gefühl. „Es geht bei jeder Behandlung auch um die Psyche des Patienten und um die Verbesserung der Lebensqualität“, sagt Kunte. Nicht nur darum, ob eine Therapie die Krankheit heilen kann.

Die Elektrochemotherapie zeigt allerdings gute Erfolge darin, den Krebs zurückzudrängen. Unmittelbar vor der Behandlung wird ein Chemotherapeutikum in die Vene gespritzt. Es befindet sich dann während des Eingriffs im Gewebe verteilt um die Tumorzellen. Nadeln, die in das bösartige Gewebe gestochen werden, schicken Stromstöße in den Körper. Alles ist abgesichert, damit der Strom nicht zu stark wird und dem Patienten schadet. Ab zwölf Ampere schaltet sich das Gerät automatisch ab.

Im Tumorgewebe führt der Stromstoß dazu, dass die Wände der Zellen für eine Weile durchlässig werden. Das Medikament kann eindringen. Nach dem Stromstoß schließen sich die Zellwände wieder. Innerhalb der Zellen entsteht eine sehr hohe Konzentration des Chemotherapeutikums, das nach dem Stromstoß eingeschlossen bleibt – bis zur nächsten Zellteilung. Dann erst entfaltet das Zellgift seine Wirkung. Es löst einen sogenannten programmierten Zelltod aus – die Tumorzellen sterben ab.

Nach der Behandlung sind die Knoten verändert, färben sich bläulich-violett. Nach einer guten Woche werden sie dann sichtbar kleiner. Nach der ersten Behandlung sah Luise M. bald einen deutlichen Erfolg. Nach etwa acht Wochen ging sie erneut zur Therapie. Inzwischen hat sie vier Zyklen hinter sich – mit deutlichem Erfolg.

Und Luise M. will weiterkämpfen. Sie nimmt Antikörper-Medikamente gegen den Krebs sowie Mittel für die Knochen. Die Metastase an der Brustwand hat sich verkleinert. Luise M. will nach einem Chirurgen suchen, der sich zutraut, diese zu entfernen. Das jüngste Großprojekt hat sie abgeschlossen, trotz Krebs und Chemo. Und wenn das nächste Projekt kommt, dann will sie auch das anpacken. Denn das ist ihr Weg.

Sonja Gibis

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