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Kitas enorm mit Weichmachern belastet - Dosis dreimal höher als in Haushalten.

Studie: Kindergärten mit Schadstoffen belastet

Gymnastikbälle, PVC-Böden oder Plastikbecher gehören zu einem  Kindergarten. Doch diese Dinge können gesundheitsschädliche Chemikalien - Weichmacher enthalten. Eine aktuelle Studie ist erschreckend. 

Die deutschen Kindertagesstätten (Kitas) sind einer Studie zufolge überdurchschnittlich stark mit hormonellen Schadstoffen belastet. In den rund 60 untersuchten Kitas sei die Menge der Weichmacher dreimal höher als in üblichen Haushalten, gab der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) am Dienstag in Berlin bekannt. Den Angaben zufolge können die sieben festgestellten Phthalate das Hormonsystem dramatisch beeinträchtigen. Zudem könnten die Chemikalien Unfruchtbarkeit hervorrufen und das Risiko von Brust- und Hodenkrebs erhöhen.

Die bundesweit 60 Kitas hatten sich freiwillig für die Analyse des Hausstaubes gemeldet. In allen Proben seien Weichmacher nachgewiesen worden, sagte BUND-Chemieexpertin Sarah Häuser. Bei zwei Dritteln sei die Gesamtbelastung höher als in üblichen Haushalten gewesen. Am häufigsten traten die Phthalate DEHP und DINP auf.

Nicht alle Kitas waren im gleichen Maß betroffen. Während im Staub der insgesamt am niedrigsten belasteten Kindertagesstätte nur 133 mg DEHP/kg registriert wurden, lag der gesamte Phthalat-Wert in der am höchsten belasteten Kita bei 21.700 mg/kg. Den Angaben zufolge ist die Aufnahme von bis zu 0,05 mg DEHP pro Kilogramm Körpergewicht unbedenklich. In einem Fall lag der Wert bei 0,13. Insgesamt wurde diese Grenze in sechs Kitas überschritten.

Kinder können Belastung schlecht kompensieren

Nach Angaben des Toxikologen Ibrahim Chahoud wirken Phthalate giftig. Kinder seien besonders gefährdet, da sich ihre Organe noch nicht ausreichend entwickelt hätten. Zudem hätten bei Kindern schon niedrige Dosen eine Wirkung, sagte der Professor der Berliner Universitätsklinik Charité. Durch die Belastung könnten bleibende Schäden wie eine verminderte Spermienproduktion entstehen. 

Das Umweltbundesamt rät von der Verwendung von Phthalaten für Spielzeug generell ab. Einige von den Stoffen sind in Spielzeug grundsätzlich verboten, darunter DEHP. Gesetzliche Grenzwerte, die sämtliche Produkte umfassen, gibt es laut BUND aber nicht.

BUND sieht dringenden Handlungsbedarf

BUND-Chemieexpertin Häuser forderte von Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) einen umfassenden Schutz vor Phthalaten. Weichmacher müssten in allen Produkten, mit denen Kinder in Berührung kämen, verboten werden, sagte sie. Statt Weichmacher könnten alternative Stoffe wie Kautschuk eingesetzt werden. Die jetzige Situation sei nicht akzeptabel. “Kinder werden ohne Not einer großen Belastung ausgesetzt.“

dapd

Der Grund für die hohen Werte ist laut BUND die häufige Nutzung von Weichmacher-Produkten in Kitas, darunter PVC-Böden, Turnmatten, Plastiktischdecken oder Gymnastikbälle.

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