"Alptraum"-Bakterien

Schock: "Super"-Erreger in den USA entdeckt

Washington - Erstmals ist in den USA ein Erreger entdeckt worden, der durch keine bekannte Behandlungsmethode geheilt werden kann. Die Behörden sind entsetzt.

In den USA ist erstmals ein sogenannter Super-Erreger entdeckt worden, der gegen alle bekannten Behandlungsmethoden immun ist. Bei einer 49-jährigen Frau aus dem Bundesstaat Pennsylvania sei bei einem Harnwegsinfekt ein E-Coli-Bakterium festgestellt worden, gegen das kein Antibiotikum geholfen habe, teilte die US-Gesundheitsbehörde CDC am Donnerstag mit. Der G7-Gipfel in Japan warnte vor schwerwiegenden Auswirkungen solcher Keime auf die Volkswirtschaften.

Der erste Fall bei einem Menschen in den USA wurde in der US-Fachzeitschrift "Antimicrobial Agents and Chemotherapy" geschildert. Zum weiteren Schicksal der Patientin wurde nichts mitgeteilt. Super-Erreger sind lebensgefährlich, töten aber nicht in jedem Fall.

Das bei der Patientin festgestellte Bakterium enthält ein Gen, das es immun gegen die Behandlung mit Antibiotika für multiresistente Keime werden lässt. Das sogenannte Mcr-1-Gen wurde bereits in China und Europa festgestellt. In Deutschland ist das resistente Gen zumindest bei Nutztieren weit verbreitet.

Selbst ein altes Antibiotikum namens Colistin, das bei diesen "Alptraum"-Bakterien üblicherweise wirke, habe bei der Patientin in Pennsylvania versagt, erklärte CDC-Chef Thomas Frieden. Colistin war 1959 auf den Markt gekommen, um Infektionen mit E-Coli-Bakterien, Salmonellen und den Lungenentzündungs- und Blutvergiftungserregern Acinetobacter zu behandeln. Wegen seiner nierenschädigenden Wirkung wird es Menschen aber seit den 80er Jahren in der Regel nicht mehr verabreicht. In der Viehzucht ist sein Einsatz allerdings weit verbreitet, insbesondere in China.

Laut Frieden war die Patientin aus Pennsylvania nicht außerhalb der USA unterwegs, kann sich also nicht im Ausland mit dem Super-Erreger infiziert haben. "Wir wissen jetzt, dass wir desto mehr finden werden, je mehr wir suchen", sagte Frieden. "Wir laufen Gefahr, in einer post-antibiotischen Zeit zu leben." Schon jetzt gelte: "Der Medizinschrank ist für manche Patienten leer."

Es müsse nun umfassende Bemühungen geben, damit auch künftige Generationen Antibiotika noch wirksam anwenden könnten. Frieden rief zudem zu mehr Forschung zur Entwicklung neuer Antibiotika und zu einem vernünftigeren Umgang mit den vorhanden Medikamenten auf.

WHO warnte

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hatte bereits vor einiger Zeit vor einer "Rückkehr in Vor-Antibiotika-Zeiten" gewarnt, in denen sich schon geringfügige Infektionen oder Schnittverletzungen als tödlich erweisen könnten.

Das Problem beschäftigte auch die Staats- und Regierungschefs der G7-Staaten bei ihrem Gipfel in Japan. In ihrer Abschlusserklärung hieß es am Freitag, die G7-Staaten wollten eine "Führungsrolle" bei der Bekämpfung von Antibiotikaresistenzen übernehmen, weil diese "schwerwiegende Auswirkungen auf unsere Volkswirtschaften haben könnten".

Die Entwicklungsorganisation Germanwatch lobte, dass die G7-Regierungen "mit nationalen Aktionsplänen gegen Antibiotikaresistenzen vorgehen und in die Erforschung neuer Wirkstoffe investieren wollen". Es fehlten jedoch sowohl verbindliche Senkungsvorgaben für Antibiotika in der Tierhaltung als auch Regeln gegen den Missbrauch der sogenannten Reserveantibiotika im Stall, die für die Humanmedizin besonders wichtig seien.

"Trotz der Risiken für die Gesundheit von Mensch und Tier zögern die größten Industrieländer, wenn es darum geht, sich gesündere Tierhaltungssysteme zu leisten als die industrielle Tierhaltung", erklärte Germanwatch-Vorstandschef Klaus Milke in Bonn.

AFP

Rubriklistenbild: © dpa/Symbolbild

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