+
Fuß- und Nagelpilz oder Mundgeruch: Tabu-Krankheiten sind weit verbreitet und verheimlicht.

Verbreitet und verheimlicht

Tabu-Krankheiten: Nagelpilz, Warzen & Co.

Es gehört einfach dazu – wenn Menschen sich treffen, reden sie über Krankheiten. Da geht es dann um Rückenleiden, den Tennisarm von der Computerarbeit oder um die grassierende Darminfektion.

Doch nie hört man: „Diesen Mundgeruch werde ich einfach nicht los“ oder „Was könnte nur gegen meine Blähungen helfen?“ Über Tabu-Krankheiten spricht man nicht – wer unter Nagelpilz, Warzen & Co. leidet, fühlt sich meist allein mit seinem Problem. Dabei kann er nichts für seine Beschwerden – und das Leiden schamhaft verschweigen hilft nicht, die richtige Behandlung zu finden. Die tz gibt Tipps zur Ersten Hilfe:

Fuß- und Nagelpilz

Etwa zehn Millionen Deutsche leiden unter Nagelpilz, doch nur jeder Fünfte behandelt die Krankheit – was im schlimmsten Fall dazu führt, dass der Nagel zerstört wird. Die Infektionskrankheit entwickelt sich aus einer verschleppten Fußpilz-Erkrankung, die etwa jeder dritte Deutsche einmal im Leben durchmacht. Die Erreger, meist Fadenpilze, lauern in öffentlichen Duschen, in Schwimmbädern oder auch in Umkleidekabinen oder in Teppichböden von Hotelzimmern. Nicht jeder Kontakt ist ansteckend, doch ist die Haut z. B. zwischen den Zehen verletzt oder das Immunsystem geschwächt, können sich die Keime ansiedeln.

Nagelpilz verschwindet nicht von allein und ist kein kosmetisches Problem, sondern eine Infektionskrankheit, die behandelt werden muss. Erste Anzeichen sind eine weißgelbliche Trübung der Nagelplatte. Dann wird der Nagel immer dicker, später spröde und brüchig. Zwar gibt es Mittel gegen Fuß- und Nagelpilz in der Apotheke, dennoch sollte der Hautarzt um Rat gefragt werden. Er kann den Pilz bestimmen und das beste Medikament finden. Es gibt Salben und Puder, für Nagelpilz auch einen Lack. Dieser muss sechs Monate lang täglich aufgetragen werden. Für schwere Verläufe sind Medikamente zum Einnehmen auf dem Markt. Der Pilz muss komplett abgetötet werden.

Mundgeruch

Über schlecht riechenden Atem hat sich vermutlich jeder schon mal geärgert. Meist ist man selbst schuld: Wer vor einem Date Knoblauch, Bärlauch oder Zwiebeln isst, darf sich nicht wundern, wenn er nicht geküsst wird. Für ständig modrig stinkigen Atem sind Fäulnisbakterien verantwortlich. Mangelnde Mundhygiene kann eine Ursache sein – wenn Essensreste in Zahnzwischenräumen hängen. Zähneputzen allein reicht nicht, Zahnseide und Mundspülungen sollten regelmäßig angewendet werden. Belag auf der Zunge kann mit einer Zungenbürste entfernt werden. Wer dauerhaft unter Mundgeruch leidet, sollte sich zunächst an den Zahnarzt wenden, ob versteckter Karies, Zahnfleischentzündungen bzw. Zahnfleischtaschen schuld sein können. Auch ein Magengeschwür oder eine Mandelentzündung können schlecht riechen. Reichlich trinken regt den Speichelfluss an, ebenso fördert Kaugummikauen die natürliche Reinigung der Mundhöhle.

Flatulenz

Große Ansammlungen der lautstarken Gase im Verdauungstrakt heißen bei Ärzten Flatulenz. Die Darmwinde sind normalerweise geruchslos und bestehen aus Sauerstoff, Stickstoffen, Kohlendioxid und Wasserstoff. Wird es jedoch stinkig, dann liegt das meist am Schwefel im Gas. Der entsteht, wenn die Bakterienkultur im Darm aus dem Gleichgewicht geraten ist oder bei der Verdauung von schwefelhaltigen Nahrungsmitteln wie Brokkoli, Kohl, aber auch durch Zwiebel, Knoblauch, Eier und Milchprodukte. Auch Erkrankungen des Verdauungssystems können zu einer gestörten Verdauung führen. Der Gastroenterologe wird gegebenenfalls eine Magen- und/oder eine Darmspiegelung vorschlagen, um ein Magengeschwür, Polypen und Krebs auszuschließen. Ist der Darm organisch gesund, aber dennoch gereizt, wird dem Patienten meist geraten, seinen Stress zu reduzieren und sich z. B. mit Sport oder Yoga zu entspannen.

Warzen

Die gutartigen Hautwucherungen sind weit verbreitet, äußerst lästig und können schmerzhaft sein. Verursacht werden sie durch eine Infektion mit Viren. Bis auf Dellwarzen werden alle Warzen durch eine Infektion mit humanen Papillomviren (HPV) hervorgerufen. Die Übertragung der Erreger erfolgt durch direkten Hautkontakt über Gegenstände wie Scheren und Nagelfeilen oder über Böden und andere Flächen etwa in Schwimmbädern und Saunen. Über kleinste Verletzungen dringen die Viren in die Haut ein, nisten sich in den obersten Hautschichten ein und vermehren sich. Wer kratzt, hat verloren – dann breiten sich die Erreger weiter aus. Wer sich die Schamhaare mit einem Rasierapparat entfernt, hat ein höheres Risiko, Dellwarzen (Molluscum contagiosum) zu bekommen. Französische Hautärzte fanden heraus, dass die Haut durch das Rasieren winzige Traumata erleide, wodurch der Erreger, ein Verwandter des Pockenvirus, leichteres Spiel habe. Warzen heilen oft von allein. Bei jedem Dritten verschwinden sie innerhalb eines Jahres, bei zwei von dreien binnen zwei Jahren. Wird das Immunsystem nicht von selbst aktiv, stehen diverse Salben und ätzende Tinkturen mit Salizylsäure zur Verfügung. Hilft auch das nicht zufriedenstellend, kann der Hautarzt die Warzen entfernen, durch Ausschaben oder vereisen zum Beispiel. Leider gelten Warzen meist als kosmetisches Problem und die Therapie muss selbst gezahlt werden.

Gynäkomastie

Bei Männern ist genau wie bei Frauen ein Brustdrüsenkörper angelegt. Doch wenn Jungen und Männern ein Busen wächst, ist das für die Betroffenen meist sehr peinlich. Am Badesee bleibt das T-Shirt an, zum Sport geht man(n) lieber nicht mehr. Immer ist das sensible Hormonsystem aus dem Gleichgewicht geraten, zu viele weibliche Geschlechtshormone kreisen im Blut.Während der Pubertät, schätzt man, sind 40 bis 70 Prozent der jungen Männer davon betroffen, bei Erwachsenen soll sich jeder dritte Mann über 50 über eine zu weibliche Brust ärgern. Da auch Fettgewebe Östrogene produziert. ist Übergewicht eine häufige Ursache. Aber auch Medikamente z. B. gegen Bluthochdruck und Anabolika können das Drüsengewebe zum Wachsen anregen. Wenn eine Diät und mehr Sport die Körbchengröße nicht schrumpfen lassen, besteht die Möglichkeit, die Brust chirurgisch zu verkleinern. Dies sollte ein plastischer Chirurg machen. Die Diagnose und die Therapie sollten mit der Krankenkasse besprochen werden. Bei einer echten Gynäkomastie wird die Brustoperation beim Mann häufig von der Krankenkasse übernommen.

Bartwuchs bei Frauen

Wenn Frauen ein Bärtchen wächst, treiben meist Androgene, männliche Hormone, ihr Unwesen. Diese wirken am Haarfolikel und der Haarwurzel. Dadurch wachsen die Härchen nicht nur schneller, sondern auch dunkler und besonders kräftig. Was auf der Kopfhaut erwünscht wäre, stört Frauen im Gesicht ungemein. Acht Prozent der Frauen erkranken am Hirutismus, da wachsen unerwünschte Haare am ganzen Körper – genau an den Stellen, wo auch Männer stärker behaart sein können – wie am Bauch, an der Brust und selbst die Schamhaare wuchern üppiger. Frauen, die solche Veränderungen an sich feststellen, sollten umgehend zum Arzt. Er wird abklären, ob nicht eine andere Erkrankung, z. B. ein Tumor, den Androgenüberschuss produziert. Übergewichtige Frauen können ein Syndrom bekommen, bei dem die Konzentration männlicher Hormone im Blut erhöht und der monatliche Zyklus gestört ist. Ist dies nicht der Fall, kann der Arzt eine Antibabypille verschreiben, die die männlichen Hormone in Schach hält. Auf kosmetische Weise hilft Lasern am besten gegen unerwünschten Bart – es ist die einzige Methode, die die Haarwurzel schädigt.

sus

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Dokumentation lückenhaft: Kein Beleg für Behandlungsfehler
Bei einem Eingriff kommt es zu Komplikationen. Am Ende steht die Frage im Raum, ob der Arzt einen Fehler gemacht hat. Vor Gericht wäre die Dokumentation der Behandlung …
Dokumentation lückenhaft: Kein Beleg für Behandlungsfehler
Freizeitsportler brauchen keine zusätzlichen Vitamine
Beim Sport wird der Körper meist mehr beansprucht als im Alltag. Da liegt der Gedanke nahe, dass ihm auch mehr Vitamine zugeführt werden müssen. Sollten Freizeitsportler …
Freizeitsportler brauchen keine zusätzlichen Vitamine
Ständig Migräne? So beugen Sie den Attacken endlich vor
Leiden Sie auch an Migräne-Attacken? Ob Wetter, zu viel Alkohol oder Stress – es gibt viele Faktoren, die sie auslösen. Doch mit diesen Tipps bleiben Sie ruhig.
Ständig Migräne? So beugen Sie den Attacken endlich vor
Ekelhaft: Raten Sie mal, was sich diese Frau ins Gesicht schmiert
Sie ist jung, hübsch und Beauty-Bloggerin: Doch Tracy Kiss hat mit Rosazea zu kämpfen. Ihr Wundermittel dagegen ist alles andere als gewöhnlich.
Ekelhaft: Raten Sie mal, was sich diese Frau ins Gesicht schmiert

Kommentare